Der KFC Uerdingen steht vor dem Kollaps

Die KFC-Verantwortlichen Mikhail Ponomarev (li.) und Nikolas Weinhart

Kein Investor in Sicht, Ponomarev empfiehlt freiwilligen Abstieg

Der KFC Uerdingen steht vor dem Kollaps

Von Sebastian Hochrainer

Am Dienstag hat der KFC Uerdingen seine Mitglieder über die Situation des Klubs informiert. Das Fazit: Schlimmer könnte es kaum sein, und wenn sich nicht bald ein neuer Geldgeber findet, droht noch weitaus mehr als Gang zurück in den Amateurfußball.

Die Situation des KFC Uerdingen wird immer bedrohlicher. Nachdem Ende des vergangenen Jahres bereits bekannt geworden war, dass Mikhail Ponomarev als Investor ausscheiden wird und ein Nachfolger für ihn gesucht wird, gab es am Dienstagabend eine Infoveranstaltung des Klubs, in der das Ausmaß der äußerst angespannten Lage beim Krefelder Traditionsverein deutlich wurde.

Abstimmung der Mitglieder aktuell unnötig

Ursprünglich war der Termin dazu gedacht, dass der KFC seine Mitglieder über den Einstieg eines neuen Investors abstimmen lässt. Die Mitglieder sollten dann bis Freitag entscheiden. Doch es gibt aktuell nichts zu entscheiden, zumindest nicht für die Mitglieder. Stattdessen müssen die Klub-Verantwortlich nun in Erwägung ziehen, freiwillig den Gang in die Regionalliga anzutreten.

"Meiner Meinung nach muss es zurück in die Regionalliga gehen", war der Zukunftsvorschlag von Ponomarev, der nach fünf Jahren als Uerdingens Macher nach dieser Saison abtreten wird und einen Einblick in die nicht vorhandende Wirtschaftlichkeit des Vereins gab. "Der KFC ist kein attraktives Investment. Was haben wir schon? Eine Drittliga-Lizenz. Das ist alles."

Kein Geld, keine finanziellen Werte, hohe Kosten

Spätestens bei folgenden Sätzen dürfte dann jedem Mitglied der Uerdinger klar geworden sein, wie prekär die Situation ist. "Unsere Kostenstruktur sieht so aus, dass wir keinerlei Geldzufluss von außerhalb haben", erklärte Ponomarev. Der KFC besitzt kein Stadtion, hat schlechte Trainingsbedingungen und noch ausstehende Rechnungen.

Auch die Kosten für die nächste Drittligasaison sind beachtlich, "eine Mannschaft, die den Klassenerhalt erkämpfen kann, kostet vier bis fünf Millionen Euro. Wenn man aufsteigen will, werden acht bis neun Millionen Euro benötigt", rechnete Ponomarev vor. "Vom Fernsehen gibt es eine Million, den Rest zahle derzeit ich. Ich bin aber nur noch bis zum Sommer dabei. Deshalb sollte der KFC, für den Fall, dass kein Investor gefunden wird, in der Regionalliga spielen und gesunde Strukturen schaffen."

Ponomarev nimmt die Stadt in die Verantwortung

Die Schuld an der fast aussichtslosen Situation des Klubs gibt Ponomarev auch der Stadt Krefeld. "Ich habe immer gesagt, dass ich aufsteigen will und mir wurde immer gesagt, der KFC solle aufsteigen, die Stadt werde das Stadion schon herrichten. Ich habe hundert Liter Wein mit dem Oberbürgermeister getrunken, aber er hilft nicht", sagte Ponomarev. "Die Stadt will nicht, dass der KFC in einer höheren Liga spielt."

"Die Behauptung, die Stadt Krefeld habe den KFC Uerdingen alleine gelassen und nicht ausreichend unterstützt, empfinde ich als übles Foul. Sie wird nicht dadurch wahrer, dass man sie bei jeder Gelegenheit wiederholt", wehrt sich Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer auf WDR-Anfrage. "Die Stadt Krefeld investiert nach einer Entscheidung des Rates rund elf Millionen Euro in die Sanierung der Grotenburg. Der KFC Uerdingen erhält dadurch – ohne eigene Mittel aufwenden zu müssen – ein modernes, spielfertiges Stadion für den Profifußball-Betrieb in der 3. Liga, mit der Option eines weiteren Ausbaus für die 2. Liga unter finanzieller Beteiligung des Vereins. Ein erfolgreicher KFC Uerdingen in einem sanierten Stadion hat das Potenzial, dauerhaft zu einem Aushängeschild der Stadt Krefeld zu werden."

Der Verein kämpft nun darum, dass es nächste Saison überhaupt erstmal in der dritten Liga weitergehen kann. "Wir machen alles dafür, dass der Verein in der höchstmöglichen Spielklasse erhalten bleibt", sagte Geschäftsführer Niko Weinhart, stellte aber klar: "Wir brauchen die Unterstützung eines Investors."

Armenische Investoren sind offenbar abgesprungen

Zuletzt sollen sich armenische Geschäftsleute intensiv mit einer Zusammenarbeit auseinander gesetzt haben. Offenbar sind die Gespräche aber nicht erfolgreich abgeschlossen worden. Der KFC steht aktuell ohne neuen Geldgeber da. "Wir hätten gerne von positiven Gesprächen mit zwei Investoren berichtet, die so gut wie abgeschlossen sind. Leider hat sich die Sache nicht so positiv entwickelt, wie wir uns das vorgestellt hätten", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Andreas Galland. "Die Situation hat sich in den vergangenen Wochen erheblich verschlechtert."

Bis zum Lizenzierungsverfahren am 1. März hat Uerdingen noch Zeit, einen neuen Geldgeber zu finden. Gelingt das nicht, wird für den KFC wohl nur der Gang zurück in den Amateurfußball bleiben - und das wird es noch nicht gewesen sein.

Stand: 13.01.2021, 10:39