Uerdingen-Kapitel für Großkreutz beendet

Kevin Großkreutz von links nach rechts im Trikot der deutschen Nationalmannschaft, von Borussia Dortmund, Darmstadt und Uerdingen

Uerdingen-Kapitel für Großkreutz beendet

Zwischen Dortmund, deutscher Nationalelf und Darmstadt - die Karriere von Fußballer Kevin Großkreutz verlief durchaus turbulent. Auch das Kapitel KFC Uerdingen ist nach einem Vergleich vor Gericht nun beendet.

Scheidungen können teuer werden. Auch im Profifußball, wenn es oft weniger um die Scheidung zweier einst Liebenden geht als um die Trennung zweier Parteien, deren Zusammenkunft von vornherein eher der Kategorie "Zweckgemeinschaft" zuzuordnen war.

Und so hat das Arbeitsgericht Krefeld am Donnerstag die Zweckehe zwischen Kevin Großkreutz und dem KFC Uerdingen endgültig aufgelöst. Eine Vergleichszahlung wurde festgelegt: Der Fußball-Drittligist aus Krefeld muss Großkreutz bis Ende des Jahres nach übereinstimmenden Medienberichten über 440.000 Euro überweisen.

Spannungen schon seit dem Frühjahr

Wegen angeblich mangelnder Fitness hatte Uerdingen dem Weltmeister von 2014 zum Oktober die fristlose Kündigung seines noch bis Juni 2021 laufenden Arbeitspapiers ausgesprochen. Offenbar kein triftiger Grund für das Arbeitsgericht. Schon seit dem Frühjahr gab es Spannungen, weil der Klub das Gehalt des zuletzt aussortierten Verteidigers nicht mehr zahlen wollte.

In der "Bild"-Zeitung äußerte sich Großkreutz nun erleichtert: "Ich bin froh und glücklich, dass jetzt endlich alles geregelt und geklärt ist." Der Kontrakt des gebürtigen Dortmunders wurde rückwirkend zum 1. Oktober 2020 vorzeitig beendet.

Uerdingen nicht nur mit Großkreutz im Streit

Uerdingen lag und liegt nicht nur mit Großkreutz im Clinch, sondern immer wieder mit einigen ehemaligen Spielern, Trainern und weiteren Mitarbeitern. Zuletzt soll "transfermarkt.de" zufolge Dominic Maroh ebenfalls eine Abfindung erstritten haben, weitere sieben Ex-Spieler hätten zudem gegen den KFC geklagt.

Selbst mit Rückkehrer Stefan Krämer, der aktuell zum zweiten Mal beim KFC auf der Trainerbank sitzt, hatte es nach seinem Rauswurf Anfang 2019 eine gerichtliche Auseinandersetzung gegeben. Zuletzt rechnete Ex-Spieler Selim Gündüz bei "RevierSport" mit seinem ehemaligen Arbeitgeber ab. Die Zeit bei Uerdingen sei die schlimmste seines Lebens gewesen, er habe sich sogar "professionelle Hilfe holen" müssen.

Öffentlichkeitswirksamer Wechsel zum KFC - vor allem PR?

Auch mit Großkreutz endete das Verhältnis nun im Streit. Eine Liebesbeziehung war es sowieso nie zwischen dem Verteidiger und dem KFC Uerdingen. Das Herz des Dortmunder Urgesteins schlägt für den BVB, mit dem er seine größten Erfolge feierte: Zwei Deutsche Meisterschaften, zwei Supercup-Siege und einen Triumph im DFB-Pokal. 2014 war er außerdem Teil der deutschen Weltmeister-Mannschaft.

Für den KFC Uerdingen schien im Sommer 2018 vor allem Großkreutz' Prominenz ein Hauptgrund für die Verpflichtung zu sein. Der Transfer des Weltmeisters, der nach der Hochphase seiner Karriere bei Galatasaray Istanbul, dem VfB Stuttgart und dem SV Darmstadt 98 zunehmend an Glamour verloren hatte, war für den Krefelder Verein eines von vielen prominenten Projekten. Maroh, Assani Lukimya, Stefan Effenberg als Funktionär - nur einige der Namen, die Aufsehen erregten.

Wie geht es für Großkreutz weiter?

Rein sportlich blieb die Zusammenkunft zwischen dem Liebling der BVB-Fans und dem KFC Uerdingen aber ohne großen Effekt. Der Verteidiger absolvierte 51 Spiele, erzielte ein Tor und legte vier auf. In der Statistik, mit der er sich vom KFC verabschiedet, tauchen außerdem 19 Gelbe Karten und eine Gelb-Rote auf.

Wie es nun weitergeht für Großkreutz, ist noch unklar. Er ist 32 Jahre alt, ein weiterer Wechsel im Profifußball erscheint zu diesem Zeitpunkt unwahrscheinlich. Der "Bild" sagte Großkreutz, der schon länger mit einem Restaurant in Dortmund ein zweites Standbein hat, an: "Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass ich noch auf Amateur-Ebene etwas weiterkicke. Solange es geht und mir Fußball Spaß macht." Außerdem sollen ihm angeblich Angebote für Reality-TV-Shows vorliegen. Klingt ganz so, als würde Großkreutz auch nach dem bevorstehenden Ende seiner Profi-Karriere nicht viel von seiner Prominenz einbüßen.

jti | Stand: 27.11.2020, 13:13