Viktoria Köln - "Sind erleichtert, bleiben aber demütig"

Franz Wunderlich

Interview mit Viktoria-Sportchef Franz Wunderlich

Viktoria Köln - "Sind erleichtert, bleiben aber demütig"

Viktoria Köln hat sich mit einem starken Zwischenspurt ins Mittelfeld der Dritten Liga vorgearbeitet. Im Interview erklärt Sportvorstand Franz Wunderlich die Ziele der Kölner.

WDR: Mit einem tollen Zwischenspurt hat sich Viktoria Köln zuletzt aus der Abstiegszone der Dritten Liga ins gesicherte Mittelfeld geschoben. Wir groß ist die Erleichterung?

Franz Wunderlich: Enorm. Die Dritte Liga ist so unglaublich ausgeglichen. Wenn der Tabellenführer beim Letzten spielt, kann man definitiv kaum vorhersagen, wie das Spiel ausgeht. Die Teams sind leistungsmäßig wahnsinnig eng beisammen. Sehr interessant, aber eben auch sehr gefährlich. Man kann ebenso schnell um den Aufstieg mitspielen wie in die Abstiegszone rücken.

WDR: Inwiefern erleichtert die gesicherte Tabellenposition im Moment die Planungen für die nächste Saison?

Wunderlich: Es ist sicher kein Nachteil, schon so zeitig Planungssicherheit zu haben. Zumal man alles intern auch entspannter angehen kann. Die Nerven werden schon geschont. Aber andererseits: Vertragsverlängerungen und Neuverpflichtungen sind in diesen Tagen alles andere als einfach. Wir stecken mitten in der Coronapandemie und deren Folgen. Und das bedeutet, dass auch die Spieler nun irgendwann wirtschaftlich zu spüren bekommen, dass die Vereine den Gürtel enger schnallen müssen.

WDR: Was plant die Viktoria denn? Ist in der nächsten Saison ein Angriff auf die Zweite Liga angedacht?

Wunderlich: Nein, solch ein Ziel wäre im Moment ja völlig vermessen. Das setzen wir uns nicht. Wir orientieren uns an den Fakten. Und die sind: Wir haben in dieser Saison einen nächsten Schritt gemacht, können allmählich davon sprechen, uns in der Dritten Liga etabliert zu haben. Gerade jetzt – mit den Folgen der Coronakrise – sollte man die Kirche im Dorf lassen und mal etwas Druck vom Kessel nehmen, was hochtrabende Ziele angeht. Dass wir irgendwann einmal in Richtung Zweite Liga schauen wollen, ist ja kein Geheimnis. Aber eben: Alles zu seiner Zeit! Zumal ein solcher Schritt auch enorme Entwicklungen in der Entwicklung der Infrastruktur voraussetzen würde.

WDR: Wie geht die Kaderplanung voran? Ist bei der Viktoria ein erneuter personeller Umbruch geplant, oder soll das bestehende Team nur punktuell verstärkt werden?

Wunderlich: Wir arbeiten schon intensiv an der Kaderzusammenstellung für die nächste Saison, planen aber keinen großen Umbruch. Es wird sich alles im normalen Rahmen bewegen. Heißt: Es wird etwa sechs bis acht Abgänge und entsprechend auch Neuverpflichtungen geben. Das ist bei einer Kadergröße von 26 Spielern ein eher normaler Vorgang.

WDR: Wie sieht die Sache bei Trainer Olaf Janßen aus? Der dürfte ja angesichts der beeindruckenden sportlichen Entwicklung seit seiner Einstellung gute Karten haben…

Wunderlich: Natürlich sind wir sehr zufrieden mit der Arbeit des Trainers und sind ja auch schon klar mit ihm: Sein Vertrag ist für die nächste Saison verlängert. Ohne Ausstiegsklausel übrigens.

WDR: Wie ist es um die Finanzen der Viktoria bestellt? Ächzt der Verein sehr unter den Folgen der Coronapandemie?

Wunderlich: Wir sind natürlich in der günstigen Lage, mit der ETL-Gruppe und deren Boss Franz-Josef Wernze einen sehr treuen und zuverlässigen Partner bzw. Sponsor an unserer Seite zu haben. Auf der anderen Seite haben wir aber auch viele weitere Partner aus dem Mittelstand, für die die Situation im Moment alles andere als einfach ist. Ungeschoren kommen also auch wir nicht aus dieser Krise heraus.

Das Gespräch führte Olaf Jansen

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