DFB-Pokal: Schalke kritisiert BFV nach Chaos scharf

Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider im Trainingslager

DFB-Pokal: Schalke kritisiert BFV nach Chaos scharf

Schalke 04 hat die Kritik am Bayerischen Fußball-Verband (BFV) nach der Absage seines für Sonntag geplanten DFB-Pokal-Erstrundenspiels erneuert und Türkgücü München in Schutz genommen.

"Ausdrücklich betonen möchte ich, dass sich meine Kritik nur auf den Verband, nicht aber auf Türkgücü München bezieht", sagte Sportvorstand Jochen Schneider bei "Sport1". Deshalb könne er auch nicht nachvollziehen, "warum der Bayerische Fußballverband jetzt versucht, den Fehler bei Türkgücü zu suchen".

Schneider: "Keine Kritik an Türkgücü"

Es sei "einfach nicht nachvollziehbar, warum der bayerische Vertreter erst eine Woche vor Austragung der ersten DFB-Pokal-Runde bestimmt wurde", sagte Schneider. Der bayerische Regionalligist Schweinfurt 05 sollte am Sonntag eigentlich die Schalker herausfordern, der Drittliga-Aufsteiger Türkgücü München intervenierte aber juristisch. Er erwirkte seine Pokal-Teilnahme per Einstweiliger Verfügung vor dem Landgericht München I.

Schweinfurts Präsident: "Waren ja kurz vorm Kofferpacken"

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) setzte die Begegnung ab. Auch der Schweinfurter Präsident Markus Wolf konnte die Absetzung des Spiels beim Bundesligisten erst einmal gar nicht glauben. "Ich war schockiert, wir waren ja kurz vor dem Kofferpacken", sagte Wolf der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. "Ich dachte an Fake News oder einen Aprilscherz."

BFV-Vizepräsident Reinhold Baier hatte als Reaktion auf den ersten Unmut der Schalker gesagt: "Warum Türkgücü München erst jetzt, also 72 Stunden vor Anpfiff, Rechtsmittel eingelegt hat, anstatt dies in den vergangenen vier Monaten zu tun, ist eine Frage, die Herr Schneider Türkgücü stellen sollte."

BFV sieht sich nach wie vor im Recht

"Der BFV hat bereits im Mai 2020 eine entsprechende Regelung erlassen und veröffentlicht, von deren Rechtmäßigkeit wir nach wie vor überzeugt sind und von der wir ausgehen, dass diese auch gerichtlich bestätigt wird", so Baier am Samstag. Baier ist Richter am Oberlandesgericht und im Landesverband des Freistaats für Rechtsfragen zuständig. Bis zur Klärung des Streits wurde die Partie verschoben.

Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny hatte hingegen in einem Interview mit dem "Sportbuzzer" erklärt, er habe mit der Klage so lange warten müssen, bis der BFV offiziell seine Starter benannt hatte. Das sei erst vor rund einer Woche der Fall gewesen.

Wie kam es zu dem Chaos?

Doch wie kam es zum Chaos? Die Regionalliga Bayern hatte ihren Spielbetrieb als einzige vierte Liga nicht wegen der Corona-Pandemie unterbrochen und nicht abgebrochen. Der BFV, vom Juristen und DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch geführt, nahm Spitzenreiter Türkgücü aus der Wertung und bestimmte die Münchner als Aufsteiger. Dafür sollte der Tabellenzweite Schweinfurt einen Startplatz im DFB-Pokal erhalten, das soll nach Informationen des Sport-Informations-Dienstes (sid) im Sommer mit den Klubs mehrmals besprochen worden sein.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, soll Türkgücü selbst lange Zeit davon ausgegangen sein, nicht im Pokal zu spielen. Zudem soll Klub-Präsident Hasan Kivran bei einem Treffen mit Koch sein "Ok" zu den Plänen gegeben haben. Die Regionalliga-Saison in Bayern soll jedenfalls am 26. September fortgesetzt werden. Da es aber um 137.000 Euro Antrittsgeld in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals geht, wurde Türkgücü aktiv.

Bundesliga-Auftakt gegen Bayern nun im Fokus

Die veränderte Situation am Pokalwochenende hatten die Schalker am Samstag mit einem internen Trainingsspiel genutzt, um sich auf den Start der Bundesliga beim FC Bayern München am kommenden Freitag (20.30 Uhr) vorzubereiten. "Die Bayern spielen ja auch nicht im Pokal. Das muss man jetzt so hinnehmen", sagte Schneider. "Wir jammern nicht. Dafür gibt es keinen Grund. Vielmehr bereiten wir uns nunmehr intensiv auf den Bundesligaauftakt in München vor."

Schalke vor Saisonstart unter Druck Morgenmagazin 31.08.2020 01:50 Min. Verfügbar bis 31.08.2021 Das Erste

dpa/sid | Stand: 13.09.2020, 11:50