DFB-Vertrag mit der DFL - Austrocknung der Amateure

DFB-Vertrag mit der DFL - Austrocknung der Amateure

Von Benjamin Best und Tom Klees

  • Amateurvereine klagen über mangelnde Hilfe durch den DFB.
  • Kritik an Deckelung im Grundlagenvertrag zwischen DFB und DFL.
  • Amateure profitieren nicht von steigenden Einnahmen im Profifußball.
  • Kritiker sieht Angriffspunkte für die Steuerbehörden.

"Die Kluft zwischen dem Profifußball und dem Amateurfußball ist von Jahr zu Jahr größer geworden", sagt Peter Postus, Vorstandsmitglied beim SV Vestia-Disteln, einem Klub aus Herten im Ruhrgebiet. Er erzählt bei Sport inside von den finanziellen Problemen seines Vereins. Und er beklagt mangelnde Unterstützung durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) trotz stark steigender Einnahmen im Profifußball.

Im Zentrum der Kritik: Der Grundlagenvertrag, der den Finanzfluss zwischen der DFL, also dem Profifußball, und dem DFB, dem Interessenvertreter der Amateure, regelt. Er soll ein Solidarprinzip sicherstellen, bei dem der eine Partner am finanziellen Erfolg des anderen teilhaben soll.

Geheime Zusatzvereinbarung

Laut Grundlagenvertrag überweist die DFL drei Prozent der Erlöse unter anderem aus Medienrechten und dem Eintrittskartenverkauf, den sogenannten Pachtzins, an den DFB. Der DFB wiederum überweist der DFL 15 bis 30 Prozent der Marketingeinnahmen der A-Nationalmannschaft.

Doch im Frühjahr 2017 gab der DFB eine geheime Zusatzvereinbarung zu. Die jeweiligen prozentualen Anteile an den Einnahmen werden seit 2013 auf fixe Beträge gedeckelt, sind somit unabhängig von den immer weiter steigenden Erlösen im Profifußball. Unter dem Strich fließen dadurch sechs Millionen Euro an den DFB.

Grundlagenvertrag 2017 verabschiedet

Im Dezember 2017 hat der DFB-Bundestag einstimmig den Grundlagenvertrag inklusive Zusatzvereinbarung verabschiedet. Der DFB behauptet in einem Frage-Antwort-Papier, dass die beiderseitige Deckelung sich nicht zu Lasten des Verbandes auswirken könne. Experten wie Lars Leuschner, Professor an der Universität Osnabrück und Vereinsrechtsexperte, halten die Argumentation des DFB für nicht zutreffend.

Der DFB beruft sich auf Sport-inside-Anfrage auf die vom Bundestag festgelegten Summen und teilt schriftlich mit: "Sollte sich die Realität deutlich von der Erwartung wegentwickeln, sieht §11 des GLV (...) eine Anpassung vor." Eine exakte Berechnung, wie viel Geld dem DFB wirklich entgeht, lassen die offiziellen Zahlen nicht zu. Im Raum stehen geschätzte 30 bis 50 Millionen Euro pro Jahr.

Probleme mit Steuerbehörden denkbar

Beobachter des Fußballs wie Vereinsrechtsexperte Leuschner sehen weitere Kritikpunkte. Leuschner stellt die Plausibiltät der Zahlungen des DFB an die DFL infrage - was zu Konflikten mit den Steuerbehörden führen könne.

Mehr dazu in der Sport-inside-Dokumentation: DFB-Vertrag mit der DFL - Austrocknung der Amateure.

Stand: 12.09.2018, 09:25