Der ungewöhnliche Aufstieg des TV Herkenrath

Die Aufstiegsmannschaft des TV Herkenrath

Der ungewöhnliche Aufstieg des TV Herkenrath

Von Jens Mickler

  • "Dorfverein" TV Herkenrath schafft Aufstieg in die Regionalliga West
  • Von der Kreisliga C in die vierthöchste Klasse in neun Jahren
  • Trainingspensum wird erhöht, Klassenerhalt als Ziel

Im vergangenen Winter stand es nicht optimal um den TV Herkenrath. Der ambitionierte Klub aus der Mittelrheinliga hatte eine ordentliche Hinrunde gespielt, aber die Konkurrenz an der Tabellenspitze war enteilt. Acht Punkte betrug der Rückstand auf den FC Hennef 05. Die Herkenrather entschieden sich zu handeln und tauschten den Trainer. Für den im Klub tief verwurzelten André Kreuer kam Chris Burhenne, ein Niederländer, der sich in den Jugendakademien des VVV Venlo, FC Eindhoven und NAC Breda hervorgetan hatte.

Aufholjagd in der Rückrunde

Der Schachzug sollte sich auszahlen. Burhenne startete mit seiner Mannschaft in der Rückrunde eine eindruckvolle Aufholjagd, die am vergangenen Sonntag (10.06.2018) mit der Meisterschaft endete. "Uns kam auch zugute, dass Hennef am Ende etwas eingebrochen ist", sagt Oliver Bonato, sportlicher Leiter des TVH, zu WDR.de.

Dorfverein Herkenrath steigt in die Regionalliga auf - Sportlicher Leiter Oliver Bonato im Interview

Sportschau | 12.06.2018

Meister vom Mittelrhein, frischgebackener Regionalligist - der kleine TV Herkenrath 09 ist nun plötzlich wer in Fußball-Deutschland. Renommierte Teams wie Alemannia Aachen und Rot-Weiss Essen werden in der kommenden Saison auf den Verein aus dem 5.000-Einwohner-Örtchen treffen, der in den vergangenen Jahren eine so rasante Entwicklung genommen hat.

Von der Kreisliga C nach oben

Vor neun Jahren spielten die Feierabend-Kicker noch in der Kreisliga C, der niedrigsten Liga im westdeutschen Fußballverband. Dann war es vor allem einem Mann zu verdanken, dass es steil nach oben ging: Manfred Faber. Der alteingesessene Herkenrather, Inhaber einer Steuerberatungsgesellschaft, nahm die Geschicke des Klubs in die Hand, unterstützte ihn finanziell und führte ihn aus den Niederungen der Kreisliga nach oben.

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Faber wird auch weiterhin im Hintergrund die Fäden ziehen, der Klub will sich insgesamt aber breiter aufstellen. "Vor allem, was Marketing und Sponsoring betrifft", sagt Oliver Bonato. Da das eigene Stadion in Herkenrath nicht regionalliga-tauglich ist, ziehen die Schwarz-Weißen ins benachbarte Bergisch Gladbach um, wo das Stadion derzeit eine Freigabe für 5.000 Besucher hat.

Klassenerhalt als Ziel

Auch sportlich soll eine Schüppe draufgelegt werden. Chris Burhenne will das Training von derzeit drei- auf vier-bis fünfmal pro Woche steigern. An den Amateurbedingungen im Klub wird sich aber nicht viel ändern. Alle Spieler sind berufstätig oder studieren. Fünf Spieler kommen für die neue Saison hinzu. "Wir gehen davon aus, dass wir dann eine gute Rolle in der Liga spielen. Der Klassenerhalt ist unser Ziel", sagt Bonato. Die Aufbruchstimmung, die jetzt im Klub herrscht, soll dabei in jedem Fall helfen.

Stand: 12.06.2018, 10:48