Pech für Schalke, Desaster für die UEFA

VAR-Infos auf dem Video-Würfel in Gelsenkrichen

Pech für Schalke, Desaster für die UEFA

Von Chaled Nahar

  • Schalke 04 verliert das Achtelfinal-Hinspiel gegen Manchester knapp
  • UEFA erlebt beim Video-Assistenten ein Desaster
  • Spiel lässt viele Fragen offen

Das Spiel zwischen Schalke und Manchester City war mitreißend - es ließ die Zuschauer, die Spieler und die Trainer allerdings mit einigen Fragen zurück. Dabei ging es um ein Foul an Mark Uth, einen rätselhaften Einsatz des Video-Assistenten vor dem Schalker Ausgleich und eine mögliche Abseitsposition von Salif Sané beim zweiten Schalker Elfmeter.

1. Wurde Mark Uth vor dem 0:1 gefoult?

Vor Citys 1:0 (18.) rammte Manchesters Aymeric Laporte den Schalker Mark Uth im Kopfballduell regelrecht um. In der Folge produzierten Schalkes Torwart Ralf Fährmann und Verteidiger Salif Sané die Vorlage für David Silva und Kun Agüero. Schiedsrichter Carlos del Cerro aus Spanien fasste sich ans Ohr und weckte die Erwartung, dass er möglicherweise gleich auf Foul entscheiden könnte - tat dies aber nicht.

Und zwar zurecht. Denn selbst wenn man Laportes Einsteigen gegen Uth als Foul wertet, bleibt diese Entscheidung nicht vom Videoassistenten korrigierbar. Nach dem Kopfballduell hatte Schalke den klaren Ballbesitz, schenkte diesen aber wieder her. Vergehen wie das mögliche Foul sind aber nur durch den Video-Assistenten zu prüfen, wenn sie in die entscheidende Ballbesitzphase des Angriffs vor dem Tor fallen. Die Entscheidung war also richtig, die schlechte Körpersprache des Schiedsrichters und die langwierige Überprüfung durch den Video-Assistenten erweckte aber falsche Erwartungen.

Manchester City verpasst Schalke 04 späten K.o.

Sportschau 20.02.2019 00:46 Min. Verfügbar bis 20.02.2020 ARD

2. Warum ging der Schiedsrichter beim ersten Elfmeter nicht zum Monitor?

Es dauerte lange, bis die Entscheidung stand. In der 33. Minute bekam Manchesters Nicolás Otamendi den Ball an den Arm, erst in der 36. entschied Schiedsrichter del Cerro auf Strafstoß für Schalke - auf dem Monitor schaute er sich die Szene nicht an, er verließ sich ganz auf den Knopf im Ohr zum Video-Assistenten. Warum? Und darf er das?

Del Cerro stützte sich bei seiner Elfmeter-Entscheidung komplett auf den Video-Assistenten. Das Desaster für UEFA ist, dass er das tun musste, weil der Monitor in der "Review Area" ausgefallen war, wie die UEFA dem WDR bestätigte. Dem Schiedsrichter standen schlicht keine Bilder zur Verfügung. Entscheiden durfte er auf diese Art - der Gang in die "Review Area" ist laut Handbuch für Video-Assistenten der Regelhüter des IFAB "angemessen", wenn es um nicht-faktische Entscheidungen wie beispielsweise Handspiele oder Fouls geht. Pflicht ist er nicht.

Beschwerden beim Schiedsrichter im Spiel Schalke - Manchester

Beschwerden beim Schiedsrichter im Spiel Schalke - Manchester

Nächste Frage: War das überhaupt ein Handspiel? "Es war ein erwartbarer Ball, keine kurze Distanz und der Arm ist zunächst angespannt gewesen", sagt Alex Feuerherdt vom Schiedsrichter-Podcast "Collinas Erben" im Gespräch mit WDR.de. "Dann aber zieht er den Arm aus der Schussbahn, er schwingt nach hinten durch. Für mich spricht mehr gegen einen Strafstoß als dafür." Doch der Graubereich beim Handspiel lasse hier wohl beide Entscheidungen zu. Ob für den Video-Assistenten bei seinem Eingriff eine "klare, offensichtliche Fehlentscheidung" oder ein "verpasster Zwischenfall" vorlag, lässt sich wie so oft nicht klären.

3. Tedesco am Tablet - darf er das?

Im Gegensatz zum Schiedsrichter hatte der Schalker Trainer Domenico Tedesco ständig alle notwendigen Bilder vorliegen. Auf einem Tablet schaute er sich das Handspiel von Otamendi an und protestierte lautstark. Ist das erlaubt?

Jein. Die technischen Geräte auf der Bank sind seit Sommer 2018 erlaubt. In Regel 4.4 steht: "Der Einsatz irgendeiner Form von elektronischer Kommunikation durch Teamoffizielle ist unzulässig, sofern dies nicht in direktem Bezug zum Wohlbefinden oder zur Sicherheit der Spieler oder zu Taktik- oder Coachingzwecken geschieht." Das schließt Protestmaterial wohl aus.

Schalkes Trainer Domenico Tedesco im Spiel gegen Manchester City

Schalkes Trainer Domenico Tedesco im Spiel gegen Manchester City

Daher heißt es weiter, dass "Spieloffizielle, die unzulässige Geräte verwenden oder sich aufgrund des Einsatzes von Elektro- oder Kommunikationsgeräten unangemessen verhalten", aus der technischen Zone verwiesen werden. Tedescos Verhalten war dem Schiedsrichter wohl nicht unangemessen genug.

4. Befand sich Sané beim zweiten Elfmeter im Abseits?

Salif Sané wurde im Strafraum von Fernandinho zu Fall gebracht - es war der zweite Elfmeter für Schalke. Aber Sané befand sich im Moment des Kontakts im Abseits. Hätte das Foul überhaupt gegeben werden dürfen?

Ja, die Entscheidung war korrekt. Denn in Regel 11.2 steht: "Wenn sich ein Spieler in einer Abseitsstellung mit der Absicht zum Ball bewegt, diesen zu spielen, und dieser gefoult wird, bevor er den Ball spielt oder versucht, den Ball zu spielen oder bevor er mit einem Gegner einen Zweikampf um den Ball führt, wird das Foul bestraft, als ob es vor dem Abseitsvergehen geschehen wäre." Die Abseitsstellung von Sané ist im Moment des Fouls also irrelevant gewesen.

5. Wie geht's weiter mit dem Video-Assistenten?

Viele sportliche Aspekte rückten durch all diese Fragen in den Hintergrund. Das Spiel lieferte Leroy Sanés herrliches Freistoßtor, zwei dramatische Wenden und eine spannende Ausgangslage für das Rückspiel. Eine Frage für die Partie am 12. März in Manchester lautet aber auch: Bekommt die UEFA die Sache mit dem Video-Assistenten dauerhaft besser hin? UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hatte vor der Einführung des Video-Assistenten in der Champions League noch gehöhnt, er habe "lustige Szenen in Deutschland gesehen". Diesmal dürfen andere lachen.

Schalkes Oczipka und Caligiuri zur bitteren Niederlage gegen Manchester City Sportschau 21.02.2019 00:55 Min. Verfügbar bis 21.02.2020 Das Erste

Stand: 21.02.2019, 08:58

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