BVB - Spiele-Marathon fordert Tribut, Entwarnung bei Hummels

Dortmunds Marco Reus in Aktion

BVB - Spiele-Marathon fordert Tribut, Entwarnung bei Hummels

Mats Hummels gab noch in der Nacht Entwarnung, Erling Haaland fehlt aber bis Januar: Borussia Dortmund braucht im aktuellen Spiele-Marathon gute Nerven - und die Ersatzleute.

Als Mats Hummels am Mittwochabend in der Nachspielzeit gegen Lazio Rom (1:1) vom Platz humpelte, verdüsterte sich die Miene von Lucien Favre merklich. Nicht nur, dass der BVB-Coach nicht mehr wechseln durfte (Dortmund hatte die von der UEFA erlaubten drei Wechsel-Spielunterbrechungen bereits genutzt), er drohte nun neben seinem Sturm-Ass auch noch seinen Abwehrtrumpf zu verlieren.

Erling Haaland wird wegen einer Muskelverletzung in diesem Jahr nicht mehr spielen können. Und jetzt auch noch Hummels? Zum Glück gab der Ex-Nationalspieler noch in der Nacht Entwarnung und vermeldete via Instagram:  "Ich kam gerade aus dem Krankenhaus und es sieht so aus, als wäre es nicht allzu schlimm. Es sieht so aus, als könnte ich in paar Tagen wieder fit sein."

Verpasster Gruppensieg "nicht relevant"

Schon vor der Partie hatte die Schreckensnachricht über den Muskelfaserriss von Torgarant Haaland die Stimmung getrübt. Die anhaltende Terminhatz fordert ihren Tribut. Mit sorgenvoller Miene verwies Trainer Favre auf die ebenfalls zu einer Auszeit gezwungenen Stammkräfte Emre Can und Thomas Meunier. Dass seine Mannschaft gegen Lazio nach dem Führungstreffer von Raphael Guerreiro (44.) den vorzeitigen Gruppensieg noch verpasste, war dem Schweizer unter diesen Umständen relativ egal: "Ich denke momentan an unsere verletzten Spieler. Der erste Platz ist nicht relevant."

Brandt und Reus zünden nicht

Neben den verletzten Spielern wird Favre auch und vor allem an die Spieler denken, die momentan einsatzbereit sind. Aber nicht so spielen, wie erhofft. Julian Brandt zum Beispiel. Oder Marco Reus. Brandt, der spielerische Feingeist, ließ zuletzt zunehmend die erforderliche Ernsthaftigkeit in seinem Spiel vermissen. Gegen körperlich starke Gegner - wie im vergangenen Ligaspiel gegen den 1. FC Köln - wirkte er wie ein Jugendspieler, verlor Zweikämpfe und war schlampig im Passspiel.

Und Marco Reus? Der hinkt nach seiner letzten Verletzungspause noch deutlich hinterher, spielt momentan zudem beinahe körperlos. Ist man normalerweise eine energiegeladene Dampfwalze wie Haaland im Dortmunder Angriff gewohnt, fallen Reus' körperliche Mängel doppelt deutlich ins Auge.

Ärger über Elfmeter-Fehlentscheidung

Dass es daher nicht zu einem Sieg gegen Lazio reichte, ist ärgerlich. Allerdings haderten die Dortmunder auch mit Schiedsrichter Mateu Lahoz und dem Videoschiedsrichter. Der Spanier war auf eine Schwalbe von Sergej Milinkovic-Savic hereingefallen und hatte Lazio den Elfmeter zum 1:1 ermöglicht. "Der Videoschiedsrichter wird ad absurdum geführt, wenn so eine Szene nicht zurückgenommen wird. Ich weiß nicht, warum wir das Prozedere überhaupt haben", zürnte Sportdirektor Michael Zorc.

Immerhin können sich die Dortmunder mit dem dritten Achtelfinaleinzug in Serie und weiteren üppigen Millioneneinnahmen trösten. Auch bei Favre überwog am Ende der Pragmatismus. Der Coach erinnerte an den vielkritisierten Fehlstart seines Teams in die Gruppenphase beim 1:3 in Rom und machte aus seiner Genugtuung keinen Hehl: "Vor sechs Wochen war noch Ende der Welt, jetzt sind wir qualifiziert - und Lazio noch nicht."

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Sportschau 02.12.2020 01:36 Min. Verfügbar bis 02.12.2021 Das Erste Von Jannik Schlüter


Neue Verhandlungen über Gehaltsverzicht

Wie gut der BVB die Einnahmen gebrauchen kann, wurde auch an einer Meldung des "Kicker" vom Donnerstag deutlich: Demnach will der Verein mit seinen Profis über einen Gehaltsverzicht bis zum Saisonende verhandeln. "Wir werden noch im Dezember die Gespräche führen", sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke. Der Dortmund-Chef will sich deswegen zeitnah mit dem Mannschaftsrat treffen. Einziger Tagesordnungspunkt wird nach "Kicker"-Informationen dann die Verlängerung einer Vereinbarung sein, mit der im Frühjahr wegen der coronabedingten Einnahme-Ausfälle ein Gehaltsverzicht geregelt wurde. Diese Vereinbarung läuft noch bis zum 31. Dezember und soll möglichst bis zum 30. Juni 2021 verlängert werden.

Der BVB setzt weiter auf das Entgegenkommen der Spieler, die sich bislang zu Einkommenseinbußen von 20 Prozent bei einem kompletten Lockdown und zehn Prozent im Geisterspielbetrieb bereit erklärt hatten. Trotz einer wirtschaftlich angespannten Situation hatte der Bundesligist die mehr als 800 Angestellten nicht in Kurzarbeit geschickt. Das sei dem Klub durch den Gehaltsverzicht der Profis, so Watzke, "deutlich leichter" gefallen.

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oja/sid | Stand: 03.12.2020, 10:53