Roses Fußball-Idee: Risiken und Chancen für den BVB

Marco Rosé an der Seitenlinie

Roses Fußball-Idee: Risiken und Chancen für den BVB

Von Michael Buchartz

Vor dem Auftakt in der Königsklasse bei Besiktas Istanbul am Mittwoch konnte man beim BVB bereits die Fußball-Idee von Marco Rose beobachten. Die Dortmunder spielen mit viel Offensivgeist, aber einigen Lücken hinten. Genau diese Spielweise hatte der Trainer schon bei seiner Vorstellung angekündigt.

"Torreiche Spiele wie bei der EM wird es mit uns sicher auch geben" - es ist dieser Satz von BVB-Trainer Marco Rose, der bei seiner Vorstellung im Sommer aufhorchen ließ. Dennoch wollte er auch an der Defensive feilen. Die Bilanz bisher: erfolg- und torreich "ja", defensiv stabil "nein".

Mindestens zwei Gegentreffer pro Spiel

Denn die Borussia hat nach vier Bundesliga-Partien bereits neun Gegentreffer kassiert - nie weniger als zwei pro Partie. Dazu kamen drei Gegentore im Supercup gegen München. Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass dies auch mit Verletzungssorgen zu tun hat.

Mats Hummels war verletzt, Dan-Axel Zagadou wird noch einige Zeit fehlen, Neuzugang Marin Pongracic muss sich erst eingewöhnen. Zeitweise spielte sogar Mittelfeldabräumer Axel Witsel in der Innenverteidigung.

BVB-Trainer Marco Rose: "Die Gegentore sind zu viel"

Sportschau 11.09.2021 02:04 Min. Verfügbar bis 11.09.2022 ARD Von Torge Hidding


Rose will immer offensiv agieren

Man könnte aber auch auf die Idee kommen, dass die Spielweise mit Marco Rose verknüpft ist. Er propagiert den offensiv ausgerichteten Fußball frei nach dem Motto: Wenn wir ein Tor mehr schießen als der Gegner, gewinnen wir das Spiel. So wie beim 3:2 gegen Hoffenheim oder vergangenen Samstag beim 4:3 gegen Leverkusen.

Haaland entscheidet Torspektakel in Leverkusen Sportschau 12.09.2021 07:07 Min. Verfügbar bis 30.06.2022 Das Erste

Rose selbst bezeichnete die Partie gegen Bayer als "Spektakel für alle, die den Fußball lieben". So wie der 45-Jährige selbst auch. Bereits in Mönchengladbach und davor Salzburg implementierte er sein System mit hohem Anlaufen, Pressing und schnellen Ballgewinnen. Diese Art und Weise ist ungeheuer attraktiv und mit einer fitten Mannschaft erfolgsversprechend.

Schlussphasen in Mönchengladbach ein Problem

Das kann man ebenfalls beim BVB ablesen: Dortmund hat bereits 13 Mal das gegnerische Netz wackeln lassen - allen voran Erling Haaland lehrt die Abwehrspieler regelmäßig das Fürchten. Doch es birgt auch Risiken. Rose selbst hat das im letzten Jahr erleben müssen bei Borussia Mönchengladbach.

Häufig war der Auftritt des Teams 70-75 Minuten stark, bis dahin musste das Spiel entschieden sein - in den Schlussphasen der Partien hatte die Mannschaft keine Kraft mehr. Wettbewerbsübergreifend hat die Elf vom Niederrhein in der abgelaufenen Spielzeit 33 Punkte nach Führung hergegeben und unter anderem dadurch in der Liga das Saisonziel "Europa" verpasst.

Schadet die Mehrfachbelastung dem BVB?

Bisher konnte Dortmund seine Partien in der Schlussphase für sich entscheiden. Nun steigt die Mannschaft jedoch gegen Besikatas Istanbul erst in die Mehrbelastung durch die Königsklasse ein.

"Wir kriegen zu viele und zu leichte Gegentore. Das kostet sehr, sehr viel Kraft", gab Kapitän Marco Reus nach dem Sieg gegen Bayer bereits zu. Es bleibt abzuwarten, ob das Team diese Kraft dann jedes Mal aufbringen kann, wenn es alle drei Tage statt alle sechs spielen muss.

Stand: 14.09.2021, 10:11