BVB: Gruppensieg für eine Diskussionspause

BVB-Trainer Lucien Favre feuert seine Mannschaft an

BVB: Gruppensieg für eine Diskussionspause

Von Sebastian Hochrainer

Nach der überraschenden Niederlage gegen den 1. FC Köln gibt es wieder neue Diskussionen um Dortmund-Trainer Lucien Favre. Mit einem Sieg gegen Lazio Rom kann der BVB am Mittwoch den Gruppensieg in der Champions League perfekt machen - und erst mal für Ruhe sorgen.

Bei Borussia Dortmund gibt es seit längerer Zeit ein Grundproblem. Man könnte es so umschreiben, dass die Krise dort zu jeder Zeit nur ein Spiel entfernt sein kann. Aktuell ist die Stimmung im Umfeld des BVB wieder angespannt, es wird diskutiert über die häufigen Ausrutscher gegen vermeintlich kleine Teams wie den 1. FC Köln am vergangenen Wochenende, als Dortmund mit 1:2 verlor, oder den FC Augsburg zu Saisonbeginn (0:2), die Mentalität der Mannschaft - und schon fast traditionell über Lucien Favre.

Häufig gab es bereits Spekulationen über die Besetzung der Trainerbank beim BVB. Favres Vertrag läuft am Ende der laufenden Saison aus, Trainer wie Marco Rose (Borussia Mönchengladbach), Julian Nagelsmann (RB Leipzig) und Jesse Marsch (RB Salzburg) wurden bereits als mögliche Nachfolger gehandelt. Dabei ist Favre einer der erfolgreichsten Coaches in der Dortmunder Geschichte. In 106 Pflichtspielen holte sein Team im Schnitt 2,04 Punkte pro Partie. Lediglich sein Vor-Vor-Vorgänger Thomas Tuchel (2,12) hatte eine noch bessere Bilanz.

Chance auf den Gruppensieg

Am Mittwoch will Favre im Champions-League-Spiel gegen Lazio Rom (21 Uhr) seine Bilanz weiter aufbessern. Gewinnt der BVB, wäre ihm zudem auch der Sieg in der Gruppe F nicht mehr zu nehmen - dabei startete das Team mit dem 1:3 im Hinspiel in Rom denkbar schlecht in die internationale Saison. "Wir haben diese Niederlage sehr gut korrigiert und sind Tabellenführer. Wir wollen, dass es so bleibt", sagt Favre. "Lazio ist eine gefährliche Mannschaft, aber wir wollen weiterkommen."

BVB-Trainer Favre: "Sind Tabellenführer und wollen, dass es so bleibt" Sportschau 01.12.2020 00:38 Min. Verfügbar bis 01.12.2021 Das Erste

Guerreiro vor der Rückkehr, Can und Meunier fallen aus

Ihm zugute kommen würde die Rückkehr von Raphael Guerreiro, der gegen Köln aufgrund einer Oberschenkelzerrung fehlte. "Bei ihm werden wir sehen, ob er spielen kann, aber ich sehe das sehr positiv" sagt Favre, der jedoch auf jeden Fall auf Thomas Meunier und Emre Can verzichten muss.

Der BVB-Trainer muss also in seiner Startelf rotieren. Doch nicht nur personell muss sich im Vergleich zum vergangenen Samstag einiges ändern. "Es ist sehr schade, dass wir gegen Köln verloren haben. Wir hatten viele Möglichkeiten, um das Spiel zu gewinnen, Köln nur zwei Chancen nach zwei Ecken, das darf nicht passieren", sagt Favre. "Aber wir können es nicht mehr ändern und müssen nach vorne schauen."

Wiedergutmachung für das Hinspiel

Ein Blick noch weiter in die Vergangenheit bleibt dem 63-Jährigen jedoch nicht erspart. Das 1:3 in Rom war schließlich eine weitere Enttäuschung in der laufenden Saison. "Ich hatte auf dem Platz das Gefühl, dass wir immer einen Schritt zu spät kamen. Wir dürfen da nicht nur über die Abwehr reden, sondern es war ein Spiel, auf dem wir auf de gesamten Platz nicht gut verteidigt haben und nicht die Kontrolle hatten, die wir uns gewünscht haben", erinnert sich Mittelfeldspieler Thomas Delaney. "Aber wir können weiterkommen und die Gruppe gewinnen, und wir sehen auch die Möglichkeit, das zu schaffen."

Schwächere Heimbilanz bei Geisterspielen

Wichtig wäre dies auch, um die Heimbilanz der vergangenen Monate aufzubessern. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat der BVB bereits fünf von zwölf Heimspielen verloren, eine für die Dortmunder ungewöhnlich schwache Bilanz im eigenen Stadion. "Ich würde nicht sagen, dass die Geisterspiele und leeren Tribünen zu 100 Prozent daran Schuld sind, aber natürlich ist es etwas anderes, als vor über 80.000 Zuschauern zu spielen, auch für unsere Gegner. Ich denke, Auswärtsteams haben aktuel einen Vorteil", sagt Delaney. Gegen Rom sollte sich das nicht bestätigen. Sonst droht die Stimmung in Dortmund noch unruhiger zu werden.

Stand: 01.12.2020, 14:06