Frauenfußball: BVB-Mannschaft fiebert historischem Start entgegen

Die neue Frauen-Fußball-Mannschaft von Borussia Dortmund.

Frauenfußball: BVB-Mannschaft fiebert historischem Start entgegen

Von Till Krause

Startschuss für die erste Frauenfußball-Mannschaft in der fast 112-jährigen Geschichte von Borussia Dortmund. Das Training ging vor kurzem los, nun wartet das erste Spiel auf das neue Team.

1.200 Fans werden am Sonntag in Dortmund ins Stadion Rote Erde strömen, damit ist die geschichtsträchtige Arena in Coronazeiten voll besetzt. Das Interesse ist groß an der neuen Frauenfußball-Mannschaft von Borussia Dortmund.

Erstes Frauenfußball-Spiel der Vereinsgeschichte

Es wird ein historischer Tag für den BVB. Zum ersten Mal in der langen und ereignisreichen Vereinsgeschichte bestreitet ein Frauenfußball-Team ein Spiel. Gegner im Testspiel ist die Frauen-Mannschaft von 1860 München, die ebenfalls erst vor kurzem ins Leben gerufen worden ist.

"Ich habe Gänsehaut, wenn ich daran denke. Besser kann es für das erste Spiel kaum sein", sagt Spielerin Annika Billig im Gespräch mit dem WDR. Ähnlich sieht es auch Trainer Thomas Sulewski: "1860 München ist ein super Gegner mit einem großen Namen. Das ist ein historisches Duell und dann auch noch in der Roten Erde."

Der Weg zur Frauenfußball-Mannschaft beim BVB war lang. Ein Grund war laut Verein die Sorge, dass andere Dortmunder Vereine dadurch zu sehr geschwächt werden könnten. Auf der andere Seite hatten Fangruppen immer wieder gefordert, dass der BVB eine Frauenmannschaft ins Leben rufen soll. "Der BVB ist ein Verein für alle", so ein Fan beim ersten Training der neuen Mannschaft: "Es ist 2021 und da brauchen wir eine Frauenmannschaft."

Mit der neuen Mannschaft folgt der BVB auch einem Trend. Noch vor wenigen Jahren hatten nur wenige Vereine der Männer-Bundesliga auch eine Mannschaft in der Frauen-Bundesliga. Mittlerweile sieht das anders aus: Acht der zwölf Frauen-Bundesligisten haben auch eine Mannschaft in der 1. oder 2. Herren-Bundesliga.

Spielerinnen bekommen kein Geld

Zur neuen Mannschaft des BVB gehören 23 Spielerinnen. Sie bekommen kein Geld, viele studieren, gehen noch zur Schule oder arbeiten. "Ich bin hauptberuflich Physiotherapeutin", erzählt Spielerin Lisa Klemann: "Mein anderer Hauptberuf ist Muttersein. Ich habe einen dreijährigen Sohn." Spielerin Annika Billig studiert in Dortmund Lehramt.

Der BVB setzt bewusst auf solche Kreisliga-Strukturen. Im vergangenen Jahr hatte der Verein eine Online-Umfrage durchgeführt, dort konnten Fans ihre Wünsche und Vorstellungen für die neue Mannschaft hinterlegen. Dass das neue Team in der Kreisliga startet, ist auch ein Ergebnis dieser Umfrage.

Nachbar Schalke 04 setzt auf einen ähnlichen Weg. Es gibt aber auch andere Beispiele: Eintracht Frankfurt ist nach einer Fusion mit dem 1. FFC Frankfurt nun in der Bundesliga vertreten. Ein solches Vorgehen kam für den BVB nicht infrage. "Wir gehen den BVB-Weg und fangen in der untersten Liga an", so Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Interview mit der Sportschau.

Spagat: Kreisklasse vs. BVB-Umfeld

Zwar startet der BVB in der Kreisklasse, in anderen Bereichen ist die neue Mannschaft aber sehr professionell aufgestellt. Das Team trainiert auf Trainingsplätzen des Vereins, drei Trainer betreuen die Spielerinnen. Auch medizinisches Personal und professionelle Ausrüstung stehen zur Verfügung. Außerdem sind in die neue Mannschaft auch Spielerinnen gekommen, die zuvor einige Ligen höher gespielt haben.

Auf den BVB wartet ein Spagat: Eine Mannschaft mit Kreisliga-Ambitionen trifft auf ein professionelles Umfeld in einem der größten Fußballvereine Deutschlands. "Natürlich haben wir unfassbar viele Vorteile. Das wissen wir sehr zu schätzen", so Svenja Schlenker, Leiterin der BVB-Frauenfußball-Abteilung. "Wir wissen aber auch, dass wir in der Kreisliga spielen und denken auch so. Wir haben uns vorgenommen, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben."

Dass die neue Mannschaft lange in der Kreisliga bleibt, ist eher unwahrscheinlich. Bis zum ersten Aufstieg ist der Weg aber trotzdem noch weit. Nun steht zunächst das erste Testspiel gegen 1860 München an. "Wir wollen in diesem Spiel vernünftig Fußball spielen, alle Spielerinnen mal auf den Platz bringen, damit jede die Atmosphäre schnuppern kann", erklärt Trainer Sulewski: "Das Ergebnis ist erstmal zweitrangig. Es geht mehr um das Ereignis."

Stand: 05.08.2021, 08:33