Favres neue Emotionalität lässt Dortmund aufblühen

BVB-Trainer Lucien Favre jubelt mit Marco Reus (l.) und Raphael Guerreiro

Favres neue Emotionalität lässt Dortmund aufblühen

Von Cora Lanzerath

  • Borussia Dortmund nach drei Siegen in Serie wieder oben auf
  • Abwehrchef Mats Hummels mit lobenden Worten für den Trainer
  • Mit RB Leipzig wartet schon der nächste Härtetest auf den BVB

Die Dortmunder Achterbahnfahrt durch die Saison geht weiter. Vor ein paar Wochen lag der selbst ernannte Meisterschaftskandidat noch am Boden. Nach dem 0:4 in München und dem mageren 3:3 gegen den damaligen Tabellenletzten SC Paderborn schien es nur noch eine Frage der Zeit, wann Lucien Favre seinen Trainerstuhl beim BVB räumen muss. Der Schweizer erhielt von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sogar öffentlich eine Bewährungsfrist von zwei Spielen.

BVB hofft auf Beständigkeit

Doch Mannschaft und Trainer berappelten sich - wieder einmal. Denn schon häufiger wähnte sich die Borussia in dieser Saison wieder in der Spur, nur um kurz darauf in die nächste Ergebniskrise zu schlittern. "Wir müssen sehen, dass wir beständig gut Fußball spielen", mahnte Sportdirektor Michael Zorc daher an.

In der Liga gelang das zuletzt. Gegen die abstiegsbedrohten Vereine Hertha BSC und Düsseldorf holten die Schwarz-Gelben zwei Siege in Folge. Unter anderen Umständen hätte man diese beim BVB wohl als "Pflichtsiege" abgehakt - in dieser unruhigen Zeit aber dienten sie als enormer Stimmungsaufheller.

Das Weiterkommen in der Champions League tat sein Übriges. Ein 2:1-Erfolg im "Endspiel" gegen Slavia Prag reichte dem BVB am Dienstag (10.12.2019) zum Einzug in die K.o.-Runde, weil parallel eine B-Mannschaft von Barca bei Inter Mailand Schützenhilfe leistete. "Es ist wirklich top. Vor ein paar Wochen sah noch alles ganz anders aus", sagte Siegtorschütze Julian Brandt. "Jetzt überwinterst du im Pokal und in der Champions League."

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Noch längst nicht alles gut

Dabei war es keineswegs zauberhaft, was der BVB gegen Slavia bot. Auch gegen den tschechischen Meister waren die individuellen Schwächen bei der Chancenverwertung und die wackelige Abwehr unverkennbar. Doch die Dortmunder kämpften, zeigten Leidenschaft und körperliche Robustheit - Eigenschaften, die ihnen in der laufenden Saison mehrfach abgesprochen worden waren.

Für Abwehrchef Mats Hummels gehen die jüngsten Erfolge zu großen Teilen auf das Konto seines Trainers. Favre sei "emotionaler und energischer geworden. Das überträgt sich auch auf uns", sagte er. Der Schweizer habe sein Training und die Ansprache an das Team verändert: "Damit hat er uns absolut auf den richtigen Weg gebracht", so Hummels.

Favres Jubellauf als Sinnbild für den Aufschwung

Ein Beweis für Favres neue Emotionalität waren auch die Szenen nach Abpfiff, als der sonst so zurückhaltende Schweizer erst Sportdirektor Zorc in die Arme sprang und anschließend wie entfesselt aufs Spielfeld rannte.

Es ist unverkennbar: Der Sieg war Balsam auf die Seelen aller Beteiligten und lässt Favre beim BVB zumindest vorerst etwas ruhiger arbeiten. Mehr allerdings auch nicht. Denn der Trainer wird auch weiterhin an Ergebnissen gemessen werden - und der nächste Härtetest steht schon bevor. Denn nach dem Spiel in Mainz tritt der Tabellenzweite RB Leipzig in Dortmund an. Spätestens da wird sich zeigen, wie nachhaltig die gute Stimmung bei der Borussia ist.

Stand: 11.12.2019, 10:11