Trainerwechsel in Leverkusen - Bosz' Ende ist Wolfs Chance

Trainerwechsel in Leverkusen: Hannes Wolf (r.) übernimmt, Peter Bosz wurde freigestellt

Trainerwechsel in Leverkusen - Bosz' Ende ist Wolfs Chance

Von Sebastian Hochrainer

Peter Bosz ist als Trainer in Leverkusen gescheitert und es sind Parallelen zum Ende seiner Zeit beim BVB zu erkennen. Nun übernimmt Hannes Wolf - der galt mal als sehr großes Trainertalent, doch zuletzt hatte man selten über ihn gesprochen.

Für Peter Bosz lief es bei Bayer Leverkusen wie schon in Dortmund als Bundesliga-Trainer. Kurz vor Weihnachten war Leverkusen noch Tabellenführer in der Bundesliga - kaum vorstellbar nach den Ereignissen seit Januar. Denn in diesem Jahr kam die Krise – und mit ihr eine Entwicklung, die man schon zu Bosz' Zeit bei Borussia Dortmund beobachtet hatte.

Kein Mittel gegen fehlende Erfolge

Der Niederländer hielt auch in Leverkusen an seiner Marschroute fest, taktisch und zwischenmenschlich. Bosz ist zumindest nach außen stets ein Gentleman, immer freundlich. Vielleicht zu freundlich, um bei einem Klub, in dem es nicht läuft, das Ruder wieder herumzureißen.

Bevor Bosz 2017 nach Deutschland wechselte, waren ihm solche Phasen fremd geworden. Bei Ajax Amsterdam holte er in der Saison 2016/17 in der Liga 2,3 Punkte im Schnitt und führte den niederländischen Topklub auch noch in das Europa-League-Finale. So ging es dann auch weiter in Dortmund.

Raketenstart in Dortmund, dann kam der Absturz

Von den ersten sieben Ligaspielen gewannen die Borussen unter Bosz damals sechs, doch nach 19 von 21 möglichen Punkten kam der Absturz. Nur noch 13 Pflichtspiele war er BVB-Trainer, lediglich eins davon - 5:0 im Pokal beim Drittligisten 1. FC Magdeburg - gewann der Klub. Der negative Höhepunkt war das 4:4 gegen Schalke 04, als Dortmund noch eine 4:0-Halbzeitführung hergab.

Bosz schaffte es damals nicht, den Negativlauf der Borussen zu stoppen. "Weiter so" - nach diesem Motto arbeitete Bosz, die BVB-Bosse waren jedoch der Meinung, dass es nicht weitergehen konnte.

Bayer sah keinen andern Ausweg mehr

Zur gleichen Schlussfolgerung kamen nun, etwas mehr als drei Jahre später und gut 80 Kilometer entfernt auch die Bayer-Verantwortlichen um Rudi Völler. "Es lief in den vergangenen zweieinhalb Monaten so, dass es keine Möglichkeit mehr gab, dass es in den nächsten Wochen besser läuft und wir diesen Schwung und diese Energie reinbekommen, um das Ziel, international zu spielen, zu erreichen", sagte Leverkusens Sport-Geschäftsführer.

Völler über Bosz: "Er hat alles versucht" Sportschau 23.03.2021 02:00 Min. Verfügbar bis 23.03.2022 Das Erste

Warum erneut unter Bosz eine Talfahrt nicht beendet werden konnte, ist für Völler "nur sehr, sehr schwer zu beantworten". Er verwies auf das enorme Verletzungspech, sagte aber auch: "Trotzdem muss es möglich sein, mit den Möglichkeiten, die wir immer noch hatten, das ein oder andere Spiel besser zu gestalten und nicht wieder in die gleichen Muster zu verfallen. Es war ja oft immer wieder das gleiche in den vergangenen Wochen - Ballbesitz, Ballbesitz, Ballbesitz. Und in Rückstand hatten wir dann kein Rezept."

Wolf nun bei einer der "reizvollsten Adressen im deutschen Fußball"

Hannes Wolf ist nun der Mann, dem die Bayer-Bosse zutrauen, dass er das richtige Rezept für diese talentierte, aber auch unkonstante Mannschaft kennt. Er soll Leverkusen zumindest noch in die Europa League führen. "Dieses in mich gesetzte Vertrauen freut mich sehr. Denn Bayer 04 ist für mich nicht irgendein Klub. Leverkusen gehört seit vielen Jahren zu den reizvollsten Adressen im deutschen Fußball. Hier gibt es ein höchst ambitioniertes Umfeld und eine sehr talentierte, spannende Mannschaft", sagte Wolf.

Bayer hat den 39-Jährigen vorerst bis Saisonende vom DFB ausgeliehen, er war dort bis zuletzt U18-Nationaltrainer – und er wird diesen Job nach Saisonende auch wieder antreten. Es sei denn, Wolf gelingt es, sich für eine weitere Anstellung zu empfehlen. Acht Spiele bleiben ihm dafür.

Ähnlicher Werdegang in Deutschland wie bei Bosz

Wie für Bosz ist es auch für Wolf die zweite Station in der Bundesliga. Als großes Trainertalent wechselte er 2016 aus der U19 von Borussia Dortmund zum VfB Stuttgart. Dort war der Start ebenfalls stark, er schaffte mit den Schwaben gleich den Aufstieg in die Bundesliga. Im zweiten Jahr blieb der Erfolg aber aus und Wolf musste den Klub nach nur 20 Punkten aus 20 Ligaspielen verlassen.

Es folgte eine Anstellung beim Hamburger SV - und das Muster wiederhote sich: Sechs der erste sieben Partien in der zweiten Liga gewann der HSV, dann aber kam der Einbruch und nach dem verpassten Aufstieg die Entlassung Wolfs.

In Leverkusen hat er die Möglicheit, sich in der Bundesliga zu etablieren. "Normal ist eine Saison ein Marathon. Das ist ein 800-Meter-Lauf", sagte Wolf. Bedeutet auch: Will er sich für eine Weiterbeschäftigung empfehlen, muss er schnell liefern und die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb schaffen.

Stand: 23.03.2021, 17:39