Was an der Insolvenz des Wuppertaler SV jetzt anders ist

Blick in das Stadion am Zoo des Wuppertaler SV

Was an der Insolvenz des Wuppertaler SV jetzt anders ist

  • Wuppertaler SV beantragt Insolvenzeröffnung in Eigenverwaltung
  • Sanierung des Klubs könnte dadurch erleichtert werden
  • Aussicht auf Neustart ohne Schulden für WSV

Seit Jahren fahren in regelmäßigen Abständen Fußball-Traditionsklubs finanziell vor die Wand. Ex-Bundesligist Alemannia Aachen machte bereits zwei Insolvenzen durch, zuletzt war es auch bei Wattenscheid 09 im Sommer 2019 so weit.

Nun hat auch der Wuppertaler SV beim Amtsgericht Wuppertal nach seiner ersten Insolvenz 2013 innerhalb von nur sieben Jahren die zweite beantragt, wie der Klub am Donnerstag (26.06.2020) mitteilte.

Eigenverwaltung angestrebt

Das Amtsgericht prüft jetzt den Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Möglich ist dieses Vorgehen für den West-Regionalligisten durch die Corona-Maßnahmen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der Anfang April sogar die neun Punkte Abzug gekippt und den Weg für eine straffreie Insolvenz frei gemacht hat. Sofern dem Antrag stattgegeben wird - was bedeutet das für den WSV?

Planinsolvenz vergleichsweise "attraktive" Lösung

Ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, auch Planinsolvenz genannt, bietet im Vergleich zur regulären Prozedur durchaus Vorteile. So ist es dabei möglich, den Ablauf des Verfahrens mitzubestimmen, eine Zerschlagung des Klubs zu vermeiden und den Verein in seiner Struktur zu erhalten. Eine externe Insolvenzverwalterin, wie zum Beispiel bei Wattenscheid 09, die die Geschäfte komplett übernahm, hätte hier höchstens eine beratende Funktion.

ARD-Rechtsexperte Christoph Kehlbach erklärt zudem: "Für die Dauer von drei Monaten springt die Bundesagentur für Arbeit mit dem sogenannten Insolvenzgeld ein und ersetzt bis zur Beitragsbemessungsgrenze so die Gehälter, die der Verein zahlen muss und nicht mehr kann."

Heißt für den WSV: Der Betrieb läuft weiter, Funktionsträger von Geschäftsführung bis Vorstand können im Amt bleiben. Unterstützung erhalte man vom "erfahrenen und unabhängigen Insolvenzverwalter Ulrich Zerrath", hieß es in der Vereinsmitteilung. Man habe "einen ambitionierten Plan ausgearbeitet", um die Sanierung des WSV voranzutreiben, sagte Vorstandsmitglied Melanie Drees.

Mäzen Runge als zentraler Anker

Weiter teilte der Verein mit, der 81-jährige Mäzen Friedhelm Runge werde den Klub auf diesem Weg unterstützen. Kehlbach erklärt: "Kern der Planinsolvenz ist die Erstellung eines Insolvenzplanes. Der soll genau regeln, nach welcher Quote die Schuldner befriedigt werden sollen und auch woher das Geld dafür kommen soll, etwa durch Investoren. An dieser Stelle kommen also auch neue, künftige Geldgeber ins Spiel." Dies sei für die Zukunft des Vereins "ein ganz wichtiger Punkt."

Mit Runge und zukünftigen "weiteren potenziellen Unterstützern", mit denen der Klub laut Mitteilung Gespräche führt, könnte dies für den WSV zu stemmen sein.

Neustart bei Null?

"Nach Ablauf des Insolvenzverfahrens ist der Schuldner von seinen Verbindlichkeiten befreit und kann neu durchstarten", sagt Kehlbach zu den Aussichten des WSV auf einen Neuanfang. Allerdings seien das "Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens" und eben ein Insolvenzplan, der auch für die Gläubiger akzeptabel ist, Voraussetzung.

SG Wattenscheid 09: Pleite mitten in der Regionalliga-Saison sport inside 30.10.2019 10:40 Min. Verfügbar bis 30.10.2020 WDR Von Marc Schlömer

jti | Stand: 26.06.2020, 13:47