Fünf Ligen abwärts: Der freie Fall des TV Herkenrath

Die Mannschaft der letzten Saison des TV Herkenrath

Fünf Ligen abwärts: Der freie Fall des TV Herkenrath

Von Jakob Halbfas

  • Rasanter Aufstieg von der Kreisliga C in die Regionalliga
  • Abhängigkeit vom Sponsor
  • Direkter Abstieg in die Kreisliga B

Es war im Frühsommer 2018, da bejubelte der TV Herkenrath den Aufstieg in die Regionalliga West - für den kleinen Stadtteil Bergisch Gladbachs ein Riesenerfolg. Innerhalb von nur acht Jahren war Herkenrath sechsmal aufgestiegen: Von der Kreisliga C hinauf bis in die 4. Liga - in den Profifußball gewissermaßen. Den Durchmarsch in die Regionalliga möglich machte Mäzen und Steuerberater Manfred Faber, dessen Engagement bereits in der Saison 2011/2012 in der Kreisliga B begann. "Es war schlichtweg ein gekaufter Erfolg", sagt TVH-Gesamtvorstand Uwe Tillmann.

Abhängigkeit vom Sponsor

Faber war zwischenzeitlich bis Mai 2017 Fußball-Vorstand, finanzierte den TVH, zahlte die Spielergehälter und ermöglichte somit einen Aufstieg nach dem anderen. Der Verein machte sich von dem Sponsor abhängig und es passierte, was aus Sicht des TV Herkenrath nie hätte passieren dürfen: Faber und Verein verkrachten sich. Der Sponsor stieg aus und die Geldquelle versiegte. Mit schweren Folgen: In der kommenden Saison muss der Verein wieder fast ganz unten anfangen: In der Kreisliga B.

Nach dem Aufstieg kommt es zum Bruch

Nach dem Aufstieg in die Regionalliga verlangte Faber im Juni 2018 größeren Einfluss auf die Vereinspolitik. Es kam zum großen Bruch zwischen dem Mäzen und dem Gesamtvorstand des TVH. "Die Regionalliga stand an, und da brauchte man ja Geld für. Und, da ich nicht gewillt war, mein Geld Leuten in die Hand zu geben, die mit Geld nicht umgehen können, bin ich zurückgetreten", erzählt Manfred Faber. Uwe Tillmann begründet das Misstrauen: "Das finanzielle Risiko musste minimiert werden, um den Gesamtverein nicht zu gefährden."

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Trotz der Differenzen stellte Faber - gemeinsam mit dem damaligen sportlichen Leiter Oliver Bonato - den Kader für die Regionalliga zusammen und unterstützte das Projekt in der Hinrunde weiter.

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Konflikt eskaliert

Der Konflikt zwischen Manfred Faber und dem Gesamtvorstand eskalierte allerdings im Winter 2018/2019, als eine geplante Ausgliederung der Fußballabteilung in eine GmbH scheiterte. "Wir, der Gesamtvorstand, hatten schon unterschrieben. Herr Faber hat immer neue Anforderungen gestellt und hat die Dinge im Verborgenen bewegt. Die Konsequenzen, die sollten aber andere tragen. Die Geschäftsführung der GmbH war für ihn wohl zu viel Verantwortung", sagt Uwe Tillmann. Manfred Faber schied folglich endgültig aus dem Herkenrather Geschehen aus. "Der Gesamtvorstand vernachlässigte den Fußball und fokussierte sich auf den Breitensport. Ich habe den Vertrag der GmbH nicht unterschrieben, da sich die erste Mannschaft schon aufgelöst hatte und somit auch die Perspektive für die Regionalliga", begründet Faber.

Lesen Sie im zweiten Teil: "Der TVH nimmt die Kreisliga B in Angriff"

Stand: 31.07.2019, 12:16