Schiri-Streik in Kölner Fußball-Kreisligen

Torpfosten auf Ascheplatz

Schiri-Streik in Kölner Fußball-Kreisligen

Von Peter Herrlich

  • Schiedsrichter-Streik am Sonntag im Fußball-Kreis Köln
  • Hintergrund sind gewalttätige Angriffe auf Unparteiische
  • Schiedsrichter fordern harte Bestrafung von Angreifern
  • Kreisvorstand zeigt sich überrascht
  • Nur wenige streikbedingte Spiel-Ausfälle

Die Kölner Schiedsrichter sind an diesem Sonntag (17.11.2019) in den Streik getreten. Als Reaktion auf die jüngsten Angriffe auf Unparteiische erschienen sie nicht zu Spielen der Kreisligen A bis D.

Der Schiedsrichter-Ausschuss des Fußball-Kreises Köln habe im Laufe der Woche einstimmig beschlossen, dass man keine Unparteiischen zu den Kreisliga-Spielen entsenden wolle, heißt es in der Pressemitteilung, die am Sonntagmittag versendet wurde. Man wolle mit dem Streik ein "deutliches Zeichen gegen die Gewalt und die zunehmende Verrohung" setzen.

Kölns Schiedsrichter streiken: "Wir sind genauso Sportler"

Sportschau 17.11.2019 02:26 Min. Verfügbar bis 17.11.2020 ARD

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Laut Mitteilung brachte ein Vorfall bei einem Kreisliga-D-Spiel am 3. November "das Fass zum Überlaufen": Der Schiedsrichter wurde von Spielern beschimpft und über den Platz gejagt, er erlitt eine offene Wunde und ein Hämatom.

Spieler jagen Schiedsrichter in Köln Ohne Sendereihe 13.11.2019 01:25 Min. Verfügbar bis 13.11.2020 WDR Köln

Durch die kurzfristige Ankündigung des Streiks wollten die Kölner Schiedsrichter verhindern, dass Spiele im Vorfeld noch abgesetzt werden können.

Zehn tätliche Angriffe in der Saison 2018/19

In der Saison 2018/19 seien in den Kölner Herren-Kreisligen A bis D zehn tätliche Angriffe gegen Schiedsrichter und 56 weitere Vorfälle wie Beleidigungen oder Bedrohungen dokumentiert worden, so der Kreis-Schiedsrichter-Ausschuss. Eine Dunkelziffer ist demnach möglich.

"Wir sind nicht mehr bereit, diese Vorfälle als unvermeidliche Geschehnisse zu betrachten, die zum Fußball dazugehören", hieß es. Der Ausschuss fordert eine harte Bestrafung von Angreifern, besseren Schutz für die Unparteiischen durch Ordner, bessere Betreuung durch die Vereine sowie einen regelmäßigen Dialog zwischen Klubs, Fußball-Kreis und Schiedsrichtern.

In Köln ist es der erste Schiedsrichter-Streik seit mehr als zehn Jahren. Zuletzt gab es einen ähnlichen Streik in Berlin und im Saarland.

Kreis-Vorstand nicht glücklich über den Streik

Der Vorstand des Fußballkreises Köln reagierte überrascht auf den Streik. "Die Aktion als solche ist nicht falsch", sagte der Kreisvorsitzende Werner Jung-Stadié zu WDR.de. "Aber wie sie abgelaufen ist, ist unglücklich." Der Vorstand hätte sich eine Vorab-Information gewünscht, so Jung-Stadié. Man habe durch betroffene Klubs vom Streik erfahren.

Die Ziele der Schiedsrichter teile er, sagte Jung-Stadié. Eine Verbesserung zu erreichen, sei allerdings nicht so einfach: "Wir müssen sukzessive gucken, was machbar ist."

Kenntnis von streik-bedingten Absagen hatte Jung-Stadié am Nachmittag nicht. Die meisten Kreisliga-Spiele konnten ausgetragen werden. Denn in den Kreisligen können auch Team-Betreuer die Partien leiten.

Berliner Schiedrichter streiken wegen zunehmender Gewalt Tagesschau 26.10.2019 01:21 Min. Verfügbar bis 26.10.2020 Das Erste

red | Stand: 17.11.2019, 17:20