Traditionsklub Rot-Weiss Essen will mit Macht nach oben

RWE-Vorstandschef Marcus Uhlig (r.) verlässt mit Trainer Christian Neidhart den Aufzug nach einer Pressekonferenz

Traditionsklub Rot-Weiss Essen will mit Macht nach oben

  • Traditionsklub Rot-Weiss Essen mit Aufstiegsambitionen
  • Trainer Neidhart: "Kannst nicht sagen, du willst Zweiter oder Dritter werden"
  • Coronakrise: RWE mit weniger Verlust als zunächst befürchtet

Noch nach dem Saisonabbruch hat Marcus Uhlig lange um den Aufstieg gekämpft. Der Vorstandsvorsitzende des Fußball-Regionalligisten Rot-Weiss Essen erarbeitete ein Konzept für eine Aufstiegsrunde, schloss sich dem Antrag auf eine zweigleisige 3. Liga an und erwog zwischenzeitlich sogar rechtliche Schritte gegen den Verband. Doch letztendlich wurde der SC Verl für die Relegation zugelassen und stieg auf. Uhligs Zeichen waren jedoch eindeutig: RWE will und muss raus aus der 4. Liga.

Hohe Ziele und Erwartungshaltung an der Hafenstraße

"Wer das nicht von Tag eins kapiert, hat hier nichts verloren", sagt Kapitän Daniel Kehl-Gomez. Und auch dem neuen Trainer Christian Neidhart, der nach sieben Jahren beim SV Meppen freiwillig von der dritten in die vierte Liga ging, ist klar: "Du kannst nicht nach Essen gehen und sagen, du willst Zweiter oder Dritter werden." Auch der 51-Jährige verzichtete fast komplett auf Urlaub. "Ich war mit meiner Frau nur von Montag bis Freitag an der Ostsee", sagt er: "Montag sieben Stunde Anreise, Freitag sieben Stunden Abreise, und dazwischen war schlechtes Wetter."

Seit dem letzten Drittliga-Abstieg 2007 ist Neidhart der 16. Trainer beim einst größten Klub im Ruhrgebiet und Deutschen Meister von 1955. Zuletzt versuchte sich Christian Titz, davor Bundesliga-Coach beim Hamburger SV, vergeblich. Sieben Jahre Bundesliga-Tradition hat RWE. Kein anderer, aktuell unterhalb der 3. Liga spielender Klub hat mehr. Mario Basler, Horst Hrubesch, "Ente" Lippens, Otto Rehhagel, Frank Mill oder Mesut Özil haben hier gespielt. Und Helmut Rahn, der Schütze des Siegtores beim "Wunder von Bern" 1954, an den eine Statue vor dem Stadion an der Hafenstraße erinnert.

Uhlig: "Nicht alles auf eine Karte setzen"

RWE ist ein Traditionsverein mit Wucht. Rund 11.000 Zuschauer sahen im Vorjahr durchschnittlich die Essener Heimspiele, der Ligaschnitt lag bei 1.400. Doch mit der Wucht steigt auch der Druck. An Neidhart gefällt ihm, dass er "stark im Wind steht, auch wenn es mal nicht so läuft", sagt Uhlig deshalb: "Genau so jemanden brauchen wir hier."

In Corona-Zeiten ist die Rückkehr in den Vollprofi-Bereich noch mal elementarer. Von einer Alles-oder-Nichts-Situation will Uhlig aber nicht sprechen. "Es ist keineswegs so, dass hier die Lichter ausgehen, wenn wir nicht aufsteigen sollten", sagt der 49-Jährige: "Wir setzen nicht alles auf eine Karte. Wir geben nur Geld aus, das wir haben."

RWE mit weniger Verlust als prognostiziert

In den vergangenen Monaten standen für RWE wegen der Corona-Folgen "zwischenzeitlich bis zu 2,5 Millionen Euro im Feuer". Bei einem Umsatz von jährlich rund sieben Millionen Euro mehr als ein Drittel. Dank Kurzarbeit bis zum 15. Juli, vielen Einschränkungen und einer 94-prozentigen Verzichtsquote bei der Ticketrückerstattung werden am Ende etwa 700.000 Euro fehlen.

"Wir sind sicher besser durch die Krise gekommen als der ein oder andere Traditionsverein", sagt Uhlig, für den aber jetzt schon klar ist: "Wir werden auch in der kommenden Saison wieder die Solidarität aller unserer Fans und Partner brauchen." Denn dann soll der nächste Anlauf in Richtung 3. Liga genommen werden. Und zwar erfolgreich.

No Sports!? Folge 13: RWE hakt die Saison ab und blickt nach vorne sport inside 24.06.2020 07:47 Min. Verfügbar bis 24.06.2021 WDR

dpa/red | Stand: 20.07.2020, 12:04