Regionalliga mit Sorgen - Knackpunkt Zuschauer im Stadion

Leere Tribünen im Stadion von Rot-Weiss Essen

Regionalliga mit Sorgen - Knackpunkt Zuschauer im Stadion

Von Michael Buchartz und Julian Tilders

Einige Zuschauerkonzepte von West-Regionalligisten sind abgelehnt worden. Ein schlechtes Zeichen für die Liga und ihre Klubs, deren Einnahmen vor allem auf Stadionbesuchern beruhen.

300 Zuschauer - so viele dürfen laut der aktuellen Coronaschutzverordnung des Landes NRW bei einem Sportereignis dabei sein. Während die großen NRW-Klubs wie Borussia Dortmund angesichts hoher Fernsehgelder wirtschaftlich nicht so sehr auf Zuschauer angewiesen sind, sieht das im höheren Amateurfußball ganz anders aus. So wie in der Regionalliga West. Dort wurden am Mittwoch und Donnerstag Konzepte für mehr Fans mit Abstand zurückgewiesen - aufgrund der aktuellen Verordnung.

West-Vereine der Regionalliga hoffen auf Fans im Stadion

Sportschau 14.08.2020 02:45 Min. Verfügbar bis 14.08.2021 ARD

Klubs brauchen Stadionbesucher

Doch genau in dieser ersten Amateurklasse, wo auch schon Prämien bezahlt werden, ist die Not groß. "Wenn das ein Dauerzustand wird ohne Fans, kann RWO das nicht lange überleben", machte Hajo Sommers, der Vorsitzende von Rot-Weiß Oberhausen, zuletzt gegenüber dem "RevierSport" deutlich. Der Verein möchte nun kreativ werden, will für seine Dauerkarteninhaber einen Livestream der Spiele gegen Gebühr anbieten. Der Wertunterschied im Gegensatz zum Ticket für das eigentliche Spiel soll ausbezahlt werden.

Das mindert die Verluste, ganz tilgen kann es sie natürlich nicht. "Wenn wir gar nichts machen, verlieren wir rund 500.000 Euro. Das ist eine ganz schöne Hausnummer", erläuterte Sommers. Doch Oberhausen steht mit dem Problem nicht alleine da. Alle Klubs der vierten Spielklasse sind auf Zuschauer angewiesen - besonders eben die sehr fanstarken Vereine wie Alemannia Aachen, Preußen Münster, RWO oder Rot-Weiss Essen.

Preußen und Corona: Fußball vor Publikum bei Regionalliga-Vereinen? 02:25 Min. Verfügbar bis 12.08.2021 Von Matthias Schmidt

RWE will "mit einem blauen Auge" rausgehen

Bei Essen kommen normalerweise rund 11.000 Zuschauer ins Stadion - mehr als bei manchem Profiverein. Deshalb hat die Vereinsführung ein Hygienekonzept für bis zu 5.000 Zuschauer entwickelt und bei Polizei, Ordnungsamt und Gesundheitsamt vorgestellt. Dieses justiere RWE nun "an ein, zwei Stellen" noch nach (z.B. An- und Abreise der Fans), wie Vorstandschef Marcus Uhlig im Gespräch mit dem WDR am Freitag erklärte. Grundsätzlich habe man aber für das Konzept viel Lob bekommen und die Behörden hätten signalisiert, dass sie das Konzept dann mittragen würden.

Dabei ginge es nicht darum, Profit zu machen. "Wenn wir es schaffen, in der Hinrunde im Schnitt 5.000 Zuschauer ins Stadio zu bekommen, kämen wir mit einem blauen Auge da raus", betonte Uhlig. Doch maßgeblich ist immer noch die Coronaschutzverordnung, die eben lediglich 300 Zuschauer vorsieht und bis zum 31. August gültig ist. Das erste Heimspiel Essens steigt sechs Tage später gegen Wiedenbrück. Zur Not könne sich Uhlig grundsätzlich auch vorstellen, "damit anzufangen, vor den aktuell erlaubten 300 Zuschauern zu spielen." Sollte die Maximalgrenze von 300 Zuschauern aber darüber hinaus nicht angehoben werden, würde RWE als Plan B wohl - wie Lokalrivale RWO - einen kostenpflichtigen Livestream der Spiele anbieten.

WDFV muss Behörden folgen

Im "Worst Case" sieht es so aus: kaum Zuschauer, kaum Einnahmen. Kaum Einnahmen, kein Betrieb mehr - irgendwann. Uhlig betonte zwar, dass eine Durchführung der ersten Spiele ohne Zuschauer "durchzustehen" sei, sagte aber auch: "Stand jetzt halte ich es für schwer vorstellbar, dass auch nur ein Viertligist überlebt, wenn er bis Weihnachten keine Zuschauer ins Stadion lassen kann."

RWE-Boss Uhlig: "Schwer vorstellbar, dass ein Viertligist ohne Zuschauer bis Weihnachten überlebt"

Sportschau 14.08.2020 00:31 Min. Verfügbar bis 14.08.2021 ARD Von Julian Tilders

Einfluss nehmen kann auch der Westdeutsche Fußballverband als Betreiber der Liga nur wenig. "Wir können den Vereinen nur empfehlen, Zuschauerkonzepte auszuarbeiten und den zuständigen Behörden vorzulegen", sagte WDFV-Sprecher Stefan Leroi zur Situation. Das letzte Wort hat die Politik.

Uhlig hofft auf "Teilkompensation"

Uhlig bestätigte jedoch, dass es bereits Kontakt zwischen den Vereinsvertretern und der Landesregierung gab: "Wir haben die Sorgen und Nöte der Vereine in der Regionalliga vorgetragen. Wir bauen darauf, dass es analog zu dem Corona-Fördertöpf, den es für den bundesdeutschen Profisport gibt, recht bald für die darbenden Viertligisten eine Teilkompensation für die bereits verursachten Schäden kommen kann." RWE habe in der abgelaufenen Saison Corona-bedingt 700.000 Euro verloren.

Stand: 14.08.2020, 11:58