Friedhelm Runge und Peter Neururer

Regionalliga West: Turbulente Tage beim Wuppertaler SV

Stand: 20.09.2022, 11:18 Uhr

Es ist aktuell viel los beim Wuppertaler SV. Der sportliche Erfolg vom Wochenende gerät nach widersprüchlichen Aussagen und lauten Nebengeräuschen dabei in den Hintergrund.

Der Wuppertaler SV hat ein turbulentes Wochenende hinter sich. Angefangen mit der Trennung von Cheftrainer Björn Mehnert, folgte am Samstag der 5:1-Kantersieg gegen den SV Lippstadt und der Rücktritt von Vorstandsmitglied Peter Neururer am Sonntag.

Schwacher Saisonstart nach starker Saison

Es herrscht aktuell also viel Chaos beim WSV, bei dem man noch im Sommer hoffnungsvoll auf die neue Saison in der Regionalliga West geblickt hatte. Als Überraschungsdritter hatte Wuppertal die vergangene Spielzeit abgeschlossen – mit einem Kader, dem nicht viele eine solche Topplatzierung zugemutet hatten.

Peter Neururer verlässt den Wuppertaler SV

Sportschau 19.09.2022 00:35 Min. Verfügbar bis 19.09.2023 ARD


Im Sommer stellte dann der Unternehmer und langjährige WSV-Präsident Friedhelm Runge die finanzielle Basis für eine weitere Regionalliga-Saison. Unter anderem Marco Stiepermann – 185 Mal in der 2. Bundesliga aktiv - wurde geholt und sollte den WSV an die Spitze führen.

Sportlich wurde Wuppertal zum Saisonstart seinen Ansprüchen allerdings nicht gerecht. Mit sieben Punkten aus den ersten sechs Spielen hatte man schon früh den Anschluss an die Tabellenspitze verloren. Am Freitag folgte dann mit der Trennung von Trainer Björn Mehnert die erste Konsequenz. Im Gespräch mit dem WDR erzählt Runge, die Trennung sei "letztendlich einvernehmlich" erfolgt.

Doppelte Belastung als Trennungsgrund

Der ehemalige Wuppertaler Trainer Björn Mehnert

Neben den ernüchternden Leistungen sei auch eine zweite Belastung Mehnerts ein Grund für die Trennung gewesen: Um auch in höheren Ligen als Trainer aktiv sein zu können, absolviert Björn Mehnert seit Sommer einen Trainerlehrgang in Frankfurt. Diese zusätzliche Belastung habe der Verein unterschätzt.

"Das muss ich mir anschreiben", sagte Runge, der an selbigem Freitagabend in der Kabine zur Mannschaft sprach: "Ich habe den Jungs mal meine Meinung gesagt." Nur wenige Stunden nach dieser Ansprache zeigte der WSV ein in dieser Saison noch unbekanntes Gesicht und fuhr mit dem 5:1 gegen den SV Lippstadt den dritten Saisonsieg ein.

Nur einen Tag später, am Sonntag, sorgte dann der langjährige Bundesliga-Trainer Peter Neururer für die nächsten Schlagzeilen. Der 67-Jährige trat nach eineinhalb Jahren aus dem Vorstand zurück. Seinen Rückzug begründete Neururer gegenüber der "Wuppertaler Rundschau" mit der "Entwicklung der vergangenen Tage und Wochen". Entscheidungen seien "am Verwaltungsrat und Vorstand vorbei getroffen" worden.

Neururers und Runges Aussagen widersprüchlich

Friedhelm Runge, Präsident Wuppertaler SV

Eine Argumentation, die für Friedhelm Runge nicht nachvollziehbar ist: "Alles, was über 50.000 Euro kostet, muss vom Verwaltungsrat entschieden werden. Und wenn Peter Neururer sagt, da wären einige Entscheidungen am Verwaltungsrat und Vorstand vorbeigegangen, kann ich nicht nachvollziehen."

Allgemein sieht der 83 Jahre alte Unternehmer eine Fehlerkette in der Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Verwaltungsrat. "Der Verein besteht aus drei Vorstands- und 13 Verwaltungsratmitgliedern, die eigentlich dafür zu sorgen haben, dass die Kasse stimmt. Beide Gruppen haben das nicht erreicht", erläutert Runge, der auch die internen Beziehungen in Frage stellt. "Dass der Verwaltungsrat mit dem Vorstand in Disharmonie gelebt hat, ist augenscheinlich." Peter Neururer wollte sich auf Anfrage des WDR nicht weiter zu seinem Rücktritt äußern.

Runge fordert intensivere Suche nach Sponsoren

Friedhelm Runge zeigt sich vor allem in Sachen Akquirierung von Sponsoren enttäuscht. Demnach habe es von Seiten des Vereins zu wenige Bemühungen gegeben, den Namen Peter Neuruer zu nutzen, um neue Sponsoren an Land zu ziehen.

Wohin die sportliche Zukunft des WSV gehen wird, macht Runge von der Außendarstellung abhängig. Es müsse die Frage gestellt werden, "ob Wuppertal einen Verein haben will, der höherklassig spielt, oder ob Wuppertal auch mit der Oberliga oder Landesliga einverstanden ist."

Quelle: red