Kim Sané (oben) im Testspiel der SG Wattenscheid 09 gegen die SSVg Velbert.

Nach fünf Jahren Pause: Kim Sané zurück bei der SG Wattenscheid

Stand: 20.07.2022, 17:44 Uhr

Mit 22 Jahren beendete Kim Sané, älterer Bruder von Bayern-Spieler Leroy Sané, seine Fußball-Karriere - eigentlich. Denn nach Stationen im American Football und in der Leichtathletik, kehrt Sané nun zum Regionalligisten SG Wattenscheid zurück. Er soll dabei helfen, den Aufsteiger in der Klasse zu halten.

Von Lukas Thiele

Im Jahr 1993 verkündete Michael Jordan nach drei NBA-Titeln in Folge seinen Abschied von den Chicago Bulls und dem Basketball insgesamt. Er wollte sich lieber als Baseball-Profi versuchen, dem Sport seines Vaters. So richtig klappte das aber nicht und so kehrte Jordan zwei Jahre nach seinem Abschied zu den Bulls zurück - und gewann wieder drei Meistertitel in Folge.

Ähnlich könnte die Geschichte auch bei Kim Sané laufen. Ein paar viele Nummern kleiner natürlich, aber die Parallelen sind da. In der Saison 2016/17 lief Sané, älterer Bruder von Bayern-Star Leroy Sané, noch in fünf Partien für die SG Wattenscheid 09 in der Regionalliga West auf und hing danach mit nur 22 Jahren seine Fußballschuhe an den Nagel.

100 Meter in 10,93 Sekunden

Sané wollte sich lieber mit anderen Sportarten befassen, versuchte sich im American Football bei den Düsseldorf Panthers und trat in der Leichtathletik für den TV Wattenscheid im 100-Meter-Sprint an. Noch im Juni stellte er bei einem Leichtathletik-Meeting in Dortmund seine persönliche Bestzeit auf, als er die 100 Meter in beachtlichen 10,93 Sekunden lief.

Kim Sané beim Leichtathletik-Meeting in Dortmund.

Doch in der kommenden Saison wird Sané wieder Fußball spielen. Am Mittwoch hat der 27-Jährige einen Vertrag bei der SG Wattenscheid unterschrieben, dem Verein, für den sein Vater Souleymane einst in der Bundesliga spielte. "Ich habe mir nach einer guten Zeit im American Football, nach 4-5 Jahren Abwesenheit vom Fußball, gedacht, jetzt ist der Zeitpunkt perfekt, um zurückzukehren", sagte Sané in einer Vereinsmitteilung.

"Außergewöhnlicher Spieler mit außergewöhnlicher Geschichte"

Wattenscheids Sportvorstand Christian Pozo y Tamayo sagte: "Kim ist ein außergewöhnlicher Spieler, mit einer noch außergewöhnlicheren Geschichte. Wir sind froh, dass wir ihn für uns gewinnen konnten, denn jeder hat gesehen, was er jetzt schon mitbringt an Athletik und Tempo. Auch mit dem Ball kann er richtig gut umgehen, weshalb ich glaube, dass er trotz der längeren Abwesenheit im Fußballbereich, ganz schnell ein wichtiger Teil der Mannschaft werden kann."

Zuletzt war Sané bereits als Probespieler für die Wattenscheider im Einsatz und überzeugte sofort. Im Testspiel gegen den SC St. Tönis (5:1) erzielte er einen Doppelpack. Auch gegen den VfB Homberg (3:1) war Sané unter den Torschützen.

"Neues Bild von Mentalität"

Fußballspielen sei wie Fahrradfahren, sagte Sané der "WAZ". "Man verlernt das nicht, auch nach so einer langen Auszeit nicht", sagte er. Während seiner Zeit im American Football und in der Leichtathletik sei er ein anderer Mensch geworden. "Ich bin ziemlich viel gereist, habe unter anderem in den USA mit Top-Athleten trainiert. Sie haben mir ein ganz neues Bild von Mentalität vermittelt", sagte Sané. "Viele der Athleten, die ich kennenlernen durfte, kamen aus ärmlichen Gegenden in Kalifornien. Sie hatten aber Hunger auf Erfolg und wollten unbedingt ihre sportlichen Ziele erreichen. Das hat mich total von den Socken gehauen und mich inspiriert, weiterzumachen."

Auch die Corona-Pandemie habe zu seiner Entscheidung beigetragen, zum Fußball zurückzukehren. "Wie alle Sportlerinnen und Sportler habe ich auch unter Corona gelitten. Dann habe ich mich reflektiert und gemerkt, dass ich mir richtig gute körperliche Voraussetzungen für den Fußball erarbeitet habe. Und die wollte und will ich weiter ausbauen."

Mit der Qualiät der Mannschaft sei Sané zufrieden, sagte er. "Wir haben viele Spieler, die richtig gut sind."

Regionalliga-Auftakt gegen Preußen Münster

Qualität werden die Wattenscheider als Aufsteiger aus der Oberliga auch brauchen. Gleich zu Beginn der Saison in der Regionalliga West treffen die Wattenscheider am Samstag (14 Uhr) auf den Aufstiegs-Favoriten Preußen Münster. "Man kann es ja auch positiv sehen: Vielleicht nehmen wir jetzt die Aufstiegseuphorie noch mit in die ersten Spiele", sagte Sportvorstand Pozo y Tamayo dem "Reviersport".

In der Vorbereitung musste die SG erfinderisch sein. Weil der Aufstieg aus der Oberliga erst nach dem 2:0-Sieg gegen Eintracht Rheine im letzten Spiel der Aufstegsrunde am 6. Juni feststand, mussten die Wattenscheider ihre Vorbereitung neu planen. Denn die Regionalliga beginnt deutlich früher als die Oberliga. "Wir mussten alles komprimieren, Testspiele verlegen und das Trainingslager absagen. Das ist natürlich alles andere als optimal", so Pozo y Tamayo.

"Dafür haben wir aber das Beste daraus gemacht. Eine Entwicklung ist sichtbar, die Mannschaft ist in körperlich guter Verfassung und setzt die Vorstellungen des Trainers sehr gut um", zeigte er sich dennoch zuversichtlich, dass es mit dem Ziel Klassenerhalt klappt. "Langsam aber sicher sind wir bereit für das Abenteuer Regionalliga."