Fußballverband Mittelrhein fordert Sperre nach Spielerangriff auf Schiedsrichter

Spieler jagen Schiedsrichter in Köln Ohne Sendereihe 13.11.2019 01:25 Min. Verfügbar bis 13.11.2020 WDR Köln

Fußballverband Mittelrhein fordert Sperre nach Spielerangriff auf Schiedsrichter

Von Chaled Nahar

  • Ein Schiedsrichter wurde bei einem Kreisliga-Spiel in Köln über den Platz gejagt und getreten.
  • Er ist traumatisiert, will aber weiterpfeifen.
  • Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung.

Als das Spiel in der Fußball-Kreisliga D, Staffel 1, im Westen Kölns beendet war, klatschten die Spieler von Blau-Weiß Köln V und Germania Ossendorf I friedlich miteinander ab. Weit weniger freundschaftlich verlief die Phase nach dem Schlusspfiff für den Schiedsrichter. Spieler aus Ossendorf beschimpften den Unparteiischen, warfen einen Ball nach ihm, der Schiedsrichter zeigte zwei Spielern die Rote Karte - es folgte die Eskalation.

Eskalation nach Schlusspfiff

Mehrere Spieler aus Ossendorf gingen auf den Schiedsrichter los, jagten ihn über den Platz und versuchten vergeblich, ihn mit Tritten zu Fall zu bringen. Sie trafen ihn trotzdem, nach Angaben der Kreisschiedsrichterausschusses (KSA) des Fußballkreises Köln erlitt der Schiedsrichter dabei eine offene Wunde und ein Hämatom.

Einen "Wischer" bekam der Schiedsrichter demnach am Kopf ab, eine von den Ossendorfern geworfene Glasflasche traf ihn nicht. Unter dem Schutz einiger Spieler der Heimmannschaft gelang es dem Schiedsrichter, sich aus der Situation zu entfernen. Das Spiel fand am 3. November 2019 im Westen Kölns auf der Anlage von Blau-Weiß statt, das Video eines Zuschauers zeigt die Szenen. Blau-Weiß V gewann mit 4:1.

Wunde am Bein, mental schwer getroffen

Der Schiedsrichter litt nach Angaben des KSA im Anschluss an Ohren- und Kopfschmerzen und konnte seiner Arbeit drei Tage lang nicht nachgehen. Die offene Wunde am Bein komme hinzu.

Kabil Azizi, Geschäftsführer und zweiter Vorsitzender des Ausschusses berichtet, dass der Mann Angst habe, das Haus zu verlassen. Der Schiedsrichter wirke traumatisiert. "Der Vorfall hat ihn mental schwer getroffen", sagt Azizi im Gespräch mit WDR.de. Ossendorfer Spieler hätten noch auf dem Platz mit Sätzen wie "Ich finde Deine Adresse im Internet" gedroht. In einer ersten Reaktion habe der Schiedsrichter gesagt, auch in Zukunft Spiele leiten zu wollen. Gewalt gegen Schiedsrichter sei in Köln ein besonders großes Problem, sagt Azizi.

Ossendorfs Vereinsführung gibt sich unwissend

Im Gespräch mit WDR.de sagten sowohl der Geschäftsführer als auch die Vorsitzende von Germania Ossendorf, dass sie von dem Vorfall keine genaue Kenntnis hätten. Der Geschäftsführer bestätigte lediglich zu wissen, "dass da was war". Genaue Auskünfte wollte er erst geben, wenn der Verband reagiert habe. Der hat am Nachmittag gegenüber dem WDR bestätigt, eine Sperre der gesamten Mannschaft von Germania Ossendorf fordern zu wollen. Die Sperre solle bis zur Klärung des Falls durch das Sportgericht gelten.

Und das wird der nächste Schritt sein. Denn den beschuldigten Spielern steht nun ein sportgerichtliches Verfahren vor der Kreisspruchkammer bevor. Die Polizei Köln bestätigte außerdem auf Anfrage von WDR.de, dass eine Strafanzeige gegen zwei Spieler von Germania Ossendorf gestellt worden sei.

Es gab in jüngerer Vergangenheit immer wieder Berichte über Gewalt gegen Schiedsrichter. Beispielsweise aus Duisburg und aus Hessen, in Berlin streikten die Schiedsrichter zuletzt wegen einiger Vorfälle.

Berliner Schiedrichter streiken wegen zunehmender Gewalt Tagesschau 26.10.2019 01:21 Min. Verfügbar bis 26.10.2020 Das Erste

Stand: 13.11.2019, 17:25