Pleite durch Corona? Die Sorgen der Amateurklubs

Ein Rasenplatz eines Amateurklubs mit einem Schild "Platz gesperrt" auf der Mitte des Spielfeldes.

Pleite durch Corona? Die Sorgen der Amateurklubs

Von Jan Wochner

  • Sportplätze im ganzen Land bleiben leer
  • Finanzielle Probleme in vielen Vereinen
  • Land NRW sagt unbürokratische Hilfe zu

Ein schicker, neuer Kunstrasen, ein gepflegtes Clubhaus mit angenehmer Gastronomie, engagierte Trainer und motivierte Nachwuchskicker. Der FC Tannenhof ist ein Amateur-Fußballverein wie aus dem Bilderbuch. Gelegen am östlichen Stadtrand von Düsseldorf. Die Corona-Krise aber hat auch vor dem FC Tannenhof nicht Halt gemacht.

"Uns droht ein Defizit mit mehreren Tausend Euro, das wir auch nicht mehr aufholen werden können. Wir sind auf Hilfe vom Staat angewiesen", stellt der Vorsitzende Kai Schumacher klar und fügt hinzu: "Es geht nicht darum Geld einzusacken, sondern zu überleben."

Fußball - Finanzielle Probleme im Amateurbereich

WDR 2 27.03.2020 02:48 Min. Verfügbar bis 27.03.2021 WDR 2 Von Jan Wochner

Die Lage beim FC Tannenhof ist speziell, spiegelt aber wider, wie allumfassend die Folgen des Corona-Virus den Sport treffen können. Weil die Vereinsgaststätte geschlossen hat, kann der Gastronom die Pacht nicht mehr bezahlen. Diese Einnahmen vermisst der FC Tannenhof jetzt schmerzlich.

"Mit der Pacht tilgen wir den Kredit für unser Haus bei der Stadtsparkasse", erzählt Kai Schumacher am Freitag (27.03.2020). "Je nachdem wie lange uns die Einnahmen fehlen werden, können wir die Forderungen der Bank schon bald nicht mehr bedienen. Und wie die Bank darauf reagieren wird, wissen wir nicht."

NRW sagt unbürokratische Hilfe zu

Porträt von Andrea Milz (CDU), Staatssekretärin für Sport in NRW

Andrea Milz

Die Bundes- und Landesregierungen haben großzügige Hilfen für Vereine versprochen. Die für den FC Tannenhof zuständige Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat unbürokratische Unterstützung zugesagt. "Wirtschaft ist nicht beschränkt auf die Großindustrie oder die großen Unternehmen", sagte NRW-Sport-Staatssekretärin Andrea Milz: "Für uns ist ganz klar: Da sind auch Vereine mit dabei." Die Vereine sollen am 25 Milliarden Euro schweren Hilfsprogramm des Landes partizipieren.

Bedarfshöhe noch völlig unklar

Mit welchen Summen die Vereine rechnen können, wisse er noch nicht, erklärt Kai Schumacher. Ohnehin ist völlig unklar, wie hoch der Bedarf sein wird, weil niemand absehen kann, wie lange die Krise noch andauern wird.

Die Sorge bei kleinen Vereinen ist groß, dass sich auf Dauer Mitglieder abmelden könnten. Entweder aus finanziellen Sorgen oder vor dem Hintergrund, dass sie den Mitgliedsbeitrag nicht entrichten wollen, weil der Sportbetrieb ruht. 

Sozialarbeit der Fußballklubs

Als Vorsitzender des FC Tannenhof nimmt Kai Schumacher die Politik mit Blick auf diese Sorgen  in die Pflicht. "Ein Fußballverein hat auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Wir machen längst Sozialarbeit, kümmern uns auch um Kinder aus sozialen Schichten, die sich die Mitgliedschaft im Verein nicht leisten können", sagt er. "Allein deswegen sollte der Staat schauen, dass die Vereine nicht pleite gehen, denn wenn es die Vereine nicht mehr geben sollte, würde etwas fehlen."

Eigenes Handeln überdenken

Beim FC Tannenhof allerdings wollen sie auch selbst ihr eigenes Handeln überdenken. Für die Zeit nach der Krise möchte Kai Schumacher ein Treffen mit seinen Vorstandskollegen initiieren. "Die Bundeskanzlerin hat gesagt, nach der Corona-Krise wird nichts mehr sein wie vorher. Das müssen wir uns auch als Verein zu Herzen nehmen."

Fußball - Amateurfußballer müssen kreativ werden

WDR 2 27.03.2020 02:25 Min. Verfügbar bis 27.03.2021 WDR 2 Von Jan Wochner

Konkret denkt Schumacher an Vorkehrungen von Vereinsseite für den Krisenfall: "Vielleicht müssen wir Krisenpläne erstellen, überdenken, wie wir gerüstet sein können für den Fall, dass wir länger nicht Fußball spielen können. Wir im Sport müssen als gesellschaftlicher Pfeiler dafür gerüstet sein." Vorerst wollen sie beim FC Tannenhof aber einfach nur die schwierige Phase überstehen.

Stand: 27.03.2020, 11:25