"Bundesnotbremse": Abbruch im NRW-Amateurfußball wohl alternativlos

Das Stadion an der Lohrheide der SG Wattenscheid 09

"Bundesnotbremse": Abbruch im NRW-Amateurfußball wohl alternativlos

Von Julian Tilders

Endgültig entschieden ist beim Thema Saisonannullierung im NRW-Amateurfußball zwar noch nichts. Die nun vom Bundeskabinett angestoßene Änderung des Infektionsschutzgesetzes macht letzte Träumereien jedoch zunichte.

Diese Änderung beinhaltet auch mögliche Einschränkungen für den Sport. Dessen Ausübung soll nur in Form von kontaktlosen Individualsportarten erlaubt sein - und zwar allein, zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Hausstandes.

All das soll erfolgen, wenn in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt an drei aufeinanderfolgenden Tagen die Sieben-Tage-Inzidenz über 100 liegt.

NRW-Regionalverbände haben noch nicht entschieden

Die mittlerweile etablierten Ausnahmen für Training und Wettkampf im Profi- und Leistungsbereich greifen weiterhin nicht für den Amateur- und Breitensport. In NRW haben die Fußballverbände vom Niederrhein (FVN), Mittelrhein (FVM) und aus Westfalen (FLVW) im Gegensatz zu anderen Verbänden in Deutschland noch nicht pauschal über einen Abbruch entschieden.

Ein solches pauschales Vorgehen verbietet die gemeinsame Spielordnung der drei Verbände unter dem Dach des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV). Demnach muss jede Staffel einzeln betrachtet werden. Die Frage ist, ob dort noch 50 Prozent der Partien für eine sportliche Wertung durch die Quotientenregel gespielt werden können.

Die Quotientenregel (zitiert nach FVM)

Kann aufgrund der Covid-19-Pandemie das Spieljahr nicht beendet werden, sind aber mindestens 50 Prozent der Spiele einer Gruppe durchgeführt, so entscheidet der Tabellenstand unter Anwendung einer Quotientenregelung über Meister, Auf- und Absteiger. Hierzu werden der Punkte- und Torquotient (1. erzielte Punkte geteilt durch Anzahl der gewerteten Spiele (mit drei Nachkommastellen); 2. Tordifferenz geteilt durch Anzahl der gewerteten Spiele (mit drei Nachkommastellen); 3. Anzahl der geschossenen Tore geteilt durch Anzahl der gewerteten Spiele (mit drei Nachkommastellen) zugrunde gelegt.

Die Zeit rennt davon

Von diesen 50 Prozent der Spiele sind jedoch zum Beispiel alle Oberligen weit entfernt. Sowohl am Niederrhein, am Mittelrhein und in Westfalen steht man in der höchsten Männer-Verbandsspielklasse bei rund 20 Prozent. Eine Verlängerung der Saison über den 30. Juni hinaus ist nicht möglich. Somit müssten in den nächsten elf Wochen in der Oberliga Niederrhein im Schnitt 13 Partien pro Woche ausgetragen werden, um auf 50 Prozent zu kommen. Am Mittelrhein müssten es rund elf Spiele in der Woche sein, am Mittelrhein sieben.

Allerdings ist eine Verlängerung des Lockdowns über den 18. April hinaus durch die "Bundesnotbremse" nur noch Formsache. Von der ohnehin eher hypothetischen Wiederaufnahme des Spielbetriebs abzuziehen wäre eine sportlich wie gesundheitlich ausreichende Vorbereitungszeit von vier Wochen, die etwa der FVN und FLVW ansetzen. Unklar ist auch noch, wie lange die "Bundesnotbremse" gelten wird.

Unplanbarkeit: Annullierung rückt näher

Die Tatsache, dass in NRW die durchschnittliche Wocheninzidenz bei 148,4 (Stand: Mittwoch, 14.04.2021) liegt und sich nur fünf kreisfreie Städte oder Landkreise knapp unter der Marke von 100 befinden, deutet außerdem darauf hin, dass eine geordnete Durchführung der Spiele bei steigendem Infektionsgeschehen jederzeit wieder zerschossen werden könnte. Planbar wäre wenig bis gar nichts.

Die Regionalverbände wollten sich auf WDR-Anfrage nicht näher äußern und verwiesen auf laufende Beratungen. Roland Leroi, Sprecher des WDFV, deutete jedoch an: "Wir nähern uns dem Zeitpunkt, an dem das alles mathematisch unmöglich wird." Die drei Regionalverbände würden dies aber für sich entscheiden, der WDFV, für die viertklassige Regionalliga West zuständig, sei nicht involviert.

Regionalliga-Kellerteams könnten profitieren

Gerade in dieser Liga könnte es sogar Profiteure geben: Benennen FVN, FVM und FLVW (zwei Aufsteiger) aufgrund einer Annullierung keine Aufsteiger für die Regionalliga, würde aus dieser statt fünf Klubs nur einer absteigen.

No Sports!? Folge 33 - Große Enttäuschung bei den jungen Fußballern von RW Essen sport inside 07.04.2021 09:27 Min. Verfügbar bis 07.04.2022 WDR Von Marc Schlömer

Stand: 14.04.2021, 11:38

Weitere Themen