Dortmund II drängt in Liga drei: Selfies für den Grotifanten

BVB-U23-Spieler Tobias Raschl (3.v.l.) bejubelt ein Tor mit Kollegen

Dortmund II drängt in Liga drei: Selfies für den Grotifanten

Von Julian Tilders

Borussia Dortmund II visiert den Aufstieg in die 3. Liga an und kann zu Bayern II aufschließen. U23-Chef Preuß verteidigt Zweitteams im Profifußball - und erklärt, warum er eigentlich doch sehr gerne nach Aachen fährt.

Jadon Sancho trottet durch die Katakomben des Uerdinger Grotenburg-Stadions. Es ist ein Vormittag Ende Oktober 2017, ein Spitzenspiel in der Regionalliga West steht an. Sancho ist auf dem Weg zum Aufwärmen, da wird er vom Grotifanten, dem KFC-Maskottchen, abgefangen. Der Grotifant setzt seinen Maskottchen-Kopf ab und zückt das Handy, schnell wird ein Selfie geschossen.

Die Gelegenheit für ein Selfie mit Sancho sollte so schnell nicht wiederkommen. Nur wenige Monate später reifte der Engländer, der aus der U18 von Manchester City gekommen war und sich bei der U23 des BVB erstmal Spielpraxis holen sollte, zu einem Star heran.

BVB-U23-Leiter: "Bei vorzeitigen Glückwünschen winke ich ab"

Ingo Preuß erinnert sich an die Partie, auch daran, dass der KFC 1:0 gewann. Der 62-Jährige ist seit 2011 Sportlicher Leiter der U23. In diesem Jahr winkt unter Trainer Enrico Maaßen der Aufstieg, Dortmund führt die Tabelle mit 71 Punkten an, Rot-Weiss Essen (62) lauert mit einem Spiel weniger dahinter, schwächelte aber zuletzt.

Preuß stellt im WDR-Gespräch klar: "Bei vorzeitigen Glückwünschen winke ich ab. Als wir damals aufgestiegen sind (Saison 11/12, d. Red.), hatte Lotte zwölf Punkte Vorsprung, die haben wir noch aufgeholt." Bereit wäre der BVB II jedenfalls - das Stadion Rote Erde fasst die in Liga drei geforderte Mindestmenge an Zuschauern, rein strukturell gibt es keine Hürden, die zuletzt etwa den SV Rödinghausen zum Verzicht auf einen möglichen Aufstieg bewegten.

Aufschluss zu Bayern II für BVB nebensächlich

Der Vorstoß in die 3. Liga würde den prestigeträchtigen Aufschluss zu Bayern München II bedeuten, der einzigen Zweitvertretung, die aktuell im bundesweiten Profifußball vertreten ist.

"Bayern interessiert mich nicht", erklärt Preuß jedoch und fügt an: "Wenn es mit dem Aufstieg klappen sollte, würde das auch nichts an unserer Spielerakquise verändern. Ich plane nicht mit Spielern, die sagen, dass sie nur in der 3. Liga kommen."

Zwei Ziele für Dortmunder Nachwuchs

Sportlich sei ein möglicher Aufstieg aber sehr attraktiv: "Das ist ein Wettbewerb, der jungen Spielern sehr viel Erfahrung bringt." Das Niveau sei schlicht höher. Eigentlich sind die Ziele des U23-Chefs aber übergeordnete. "Mein Plan ist es, Jungs für den Verein zu begeistern und mit Ihnen die Chance auf die Profi-Karriere zu nutzen. Da freue ich mich schlapp, wenn es gelingt, einen Spieler in unseren Profikader zu bringen", erklärt der 62-Jährige.

Das andere Ziel für Spieler sei laut Preuß, "die Plattform BVB zu nutzen, um in höhere Ligen zu kommen". Wohlwissend, dass nicht jeder das Zeug zum Profi hat - oder nicht gehalten werden kann, weil er bei etwa bei einem Zweitligisten anheuern möchte. Neben einem Faustpfand im Buhlen um Talente birgt die 3. Liga auch die Gefahr, dass wiederum BVB-Eigengewächse Begehrlichkeiten wecken.

U23-Kritik für Preuß nicht nachvollziehbar

Dass der BVB regelmäßig Talente in den Markt bringt, sieht Preuß als Hauptgrund für die Notwendigkeit von U23-Teams: "Nehmen wir einmal RWE als Beispiel: Dort haben von 28 Spielern nur fünf nie in einer zweiten Mannschaft in der Regionalliga gespielt und drei davon stammen nicht aus Nachwuchsleistungszentren der Bundesligisten. Wenn wir einen Spieler abgeben, wechselt der oft genug zu einem Ligakonkurrenten und macht uns das Leben im nächsten Spiel schwer."

Zuletzt hatte RWE-Kult-Fan Thomas Sandgathe bei "Sport inside" seine Ablehnung zum Ausdruck gebracht, wie ihn viele Fans der Szene teilen: "Das will doch keine Sau sehen in der 3. Liga. Wir wollen Traditionsvereine sehen, wie Offenbach oder Essen."

Vielen stößt sauer auf, dass hochbezahlte Top-Spieler auch mal in der Reserve kicken - und womöglich das entscheidende Tor machen. Verstehen kann Preuß das nicht: "Wenn ein Sebastian Rode, der vorher eineinhalb Jahre verletzt war, mal ein Spiel bei uns gemacht hat - die Diskussion fand ich unglaublich."

Eigentlich "lieber zum Tivoli als nach Großaspach"

"Ich bin Fan von Traditionsvereinen und wünsche jedem, dass er es schafft", betont Preuß, der bei einem Aufstieg sogar etwas vermissen würde: "Auswärtsfahrten, zum Beispiel nach Oberhausen oder Aachen. Das sind für mich schon Drittliga-Vereine." Der U23-Leiter denkt ein paar Jahre zurück, als Dortmund II bereits mal drittklassig spielte: "Ich fahre so gesagt lieber zum Tivoli als nach Großaspach." Die SG Sonnenhof würde bei einem Aufstieg aber erstmal nicht warten - sie stieg letzte Saison ab.

Der KFC Uerdingen spielt schon seit geraumer Zeit nicht mehr viertklassig, sondern kämpft aktuell mit recht ordentlichen Aussichten um den Klassenerhalt in der 3. Liga. Die Chancen des Grotifanten stehen also nicht schlecht, bald doch nochmal mit dem ein oder anderen zukünftigen Dortmunder Fußballstar ein Selfie zu ergattern.

No Sports!? Folge 32 - RWE und der Ärger im Aufstiegsrennen sport inside 24.03.2021 08:30 Min. Verfügbar bis 24.03.2022 WDR Von Marc Schlömer

Stand: 01.04.2021, 14:35