Amateure in der Coronakrise: Was ist mit den insolventen Klubs?

Das Lohrheidestadion der SG Wattenscheid 09

Amateure in der Coronakrise: Was ist mit den insolventen Klubs?

Von Julian Tilders

  • Wattenscheid 09 könnte Regionalliga (wieder) stemmen
  • Vorstand Pozo y Tamayo will auf alle Eventualitäten vorbereitet sein
  • DFB-Beschluss zieht Fragen nach sich

Auch die Rettungsversuche konnten es nicht verhindern. Im Herbst vergangenen Jahres meldete der Ex-Bundesligist SG Wattenscheid 09 mitten in der Regionalliga-Saison Insolvenz an - und wird nach dem Rückzug der Mannschaft in der nächsten Spielzeit in der Oberliga Westfalen starten.

SG Wattenscheid 09 plant mehrgleisig

Es könnte theoretisch aber auch anders kommen. Zum Beispiel dann, wenn die Saison aufgrund der Coronakrise annulliert werden sollte. Aktuell herrscht Unklarheit darüber, wie und ob es überhaupt mit dem Spielbetrieb weitergeht, vor allem fernab von der Welt der Großverdiener-Klubs. Die SGW gab bekannt, dass auch die Bewerbung für die nächste Spielzeit in der Regionalliga West eingereicht wurde.

Vorstand Christian Pozo y Tamayo erklärt dies im Gespräch mit dem WDR: "Das haben wir rein vorsorglich getan. Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Es gab kein Zeichen des Verbands, wir sind auf den Verband zugegangen. Unsere Planung basiert aber auf der Oberliga."

Harte Zeiten für den Amateurfußball

Sportschau 05.04.2020 01:57 Min. Verfügbar bis 05.04.2021 Das Erste Von Mara Thellmann

Finanziell wäre die Viertklassigkeit (wieder) zu stemmen. In der laufenden Spielzeit sei die Regionalliga "wegen des riesigen Kostenapparates", bedingt durch die Personalstruktur, nicht machbar gewesen. Doch Pozo y Tamayo betont: "Das ist jetzt vom Deckel." Sollte es so kommen, dass die SGW tatsächlich wieder Regionalliga spielen könnte, würde das aber "im unteren Budget-Bereich" geschehen.

DFB-Beschluss zieht Fragen nach sich

Dem Oberligisten Westfalia Herne wurden durch den Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) in Folge des Anfang Dezember eröffneten Insolvenzverfahrens neun Punkte abgezogen. Herne steht auch deswegen nur einen Zähler über den Abstiegsrängen. Am Freitag (03.04.2020) beschloss der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wegen der erwartbaren wirtschaftlichen Engpässe bei vielen Klubs straffreie Insolvenzen ohne Punktabzug für die laufende Saison.

Allerdings betrifft dies bei den Männern zunächst nur die 3. Liga und die Regionalliga. Sollte die Oberliga-Saison zu Ende gespielt werden, folgt der FLVW dann der Maßgabe des DFB? Bekäme Herne die Punkte womöglich zurück? Wäre dies überhaupt rückwirkend möglich? Schließlich war der Klub schon vor der Coronakrise insolvent. Der FLVW teilte auf Nachfrage mit, dass dazu aktuell keine Aussage getroffen werden könne. Michael Linke, Vorsitzender des Oberliga-Konkurrenten ASC 09 Dortmund, merkte jedenfalls zuletzt im ARD-Interview an: "Ich gönne Herne alles Gute. Allerdings wäre es auch ungerecht zu sagen, dass Herne nun doch keine neun Punkte abgezogen bekommt, weil wir jetzt in der Coronakrise sind."

Eigenverwaltung für SGW keine Option mehr

Auch eine für finanziell angeschlagene Klubs "attraktive" Planinsolvenz in Eigenverwaltung und ohne externe*n Insolvenzverwalter*in, bei der die Gläubiger zumindest auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssten, wäre nun möglich.

Dieser Zug ist allerdings abgefahren, sagt Wattenscheid-Vorstand Pozo y Tamayo: "Unser Insolvenzverfahren ist schon eröffnet. Wir sind im engen Austausch mit unserer Insolvenzverwalterin und zuversichtlich, dass wir das in Kürze über die Bühne bringen können."

Stillstand im deutschen Amateurfußball - die Folgen Sportschau 04.04.2020 04:28 Min. Verfügbar bis 04.04.2021 Das Erste

Stand: 06.04.2020, 12:34