Amateurfußball in der Zwangspause: Reguläres Saisonende (un)möglich?

Der Amateurfußball befindet sich aufgrund der Corona-Pandemie wieder im Stillstand (Symbolbild)

Amateurfußball in der Zwangspause: Reguläres Saisonende (un)möglich?

Von Julian Tilders

Der Teil-Lockdown bis Ende November betrifft auch Amateur- und Vereinssport im Westen. Der Spielplan der regionalen Fußball-Verbände ist durch teils übergroße Ligen bereits strapaziert, einige Spiele sind zudem schon ausgefallen. Die erneute Pause könnte zu einem Umdenken zwingen.

"Nein." Das ist die klare Antwort von Christian Pozo y Tamayo auf die Frage, ob er noch mit einem regulären Saisonende rechne. Der Vorstand des westfälischen Fünftligisten Wattenscheid 09 betont im Gespräch mit dem WDR: "Wenn man im Rahmen der jetzt vierwöchigen Pause nach der modernen Trainingssteuerung geht, bräuchte man danach fast wieder eine kleine Vorbereitung." Und zwar, "um auch das Verletzungsrisiko zu minimieren."

Wattenscheid-Vorstand: "Bin Berufs-Optimist, aber..."

Der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) rief jedenfalls in seiner Mitteilung vom Mittwoch, in der klargestellt wurde, dass schon am Wochenende nicht mehr gespielt wird, die Vereine auf, auch das Training einzustellen. Pozo y Tamayo erklärt: "Unsere Spieler bekommen jetzt Laufpläne."

Christian Pozo y Tamayo: "Müssen 2021 nutzen, um Hinrunde zu beenden"

Sportschau 29.10.2020 00:36 Min. Verfügbar bis 29.10.2021 ARD


In diesem Jahr gehe der SGW-Vorstand nicht mehr von Fußball in der Oberliga Westfalen aus, auch nicht im Dezember. "In Wattenscheid oder Bochum allgemein ist es so, dass es witterungsbedingt immer problematisch ist mit dem Naturrasen." Bis einschließlich Januar sei mit weiteren Spielausfällen zu rechnen.

Grundsätzlich sei er "Berufs-Optimist", aber könne sich "nicht vorstellen, dass wir den Spielmodus so wie angedacht durchziehen können." Die Oberliga Westfalen steht mit 21 Mannschaften unter ähnlichem Termindruck wie die ebenfalls aufgestockte Oberliga Niederrhein mit sogar 23 Teams.

Anfang 2021 nutzen, um Hinrunde zu beenden?

FLVW-Pressesprecher Christian Schubert lässt im WDR-Gespräch ebenfalls durchblicken, dass der Spielbetrieb bis Ende des Jahres wohl nicht mehr aufgenommen wird: "Das lässt sich noch nicht sagen. Wir haben die Saison sowieso schon verlängert und können theoretisch bis zum 30.06. des nächsten Jahres spielen, wenn wir im Frühjahr ganz normal starten können. Das ist aber Kaffeesatzleserei." Pozo y Tamayo geht davon aus, "dass das Jahr 2021 dazu genutzt werden muss, um die Hinrunde zu beenden."

Termindruck wächst auch am Niederrhein

Auch in den Fußballverbänden Niederrhein (FVN) und Mittelrhein (FVM) könnte das so aussehen. Seit Saisonbeginn am ersten September-Wochenende konnten zwar beispielsweise am Niederrhein nach Angaben des Verbandes mehr als 95 Prozent der Spiele ausgetragen werden, doch die einmonatige Unterbrechung wirbelt den Spielplan durcheinander.

Am Wochenende ist bei den Senioren ohnehin kein Meisterschaftsspieltag angesetzt. Laut Verband wurden die angesetzten Pflichtspiele der Junioren und der Juniorinnen mit sofortiger Wirkung abgesetzt. Lediglich Pokalspiele der Männer und Frauen sowie einige Nachholpartien sind geplant. Über das weitere Vorgehen ab Dezember werde in der kommenden Woche beraten, teilte der FVN mit.

Der Verband vom Mittelrhein veröffentlichte frühzeitig ein FAQ auf seiner Homepage. Am Donnerstagnachmittag vermeldete der FVM dann die Aussetzung des Spielbetriebs auf Verbands- und Kreisebene für Herren, Frauen und Jugend sowie beim Futsal ab Freitag. "Die Rückkehr in den Trainings- und Wettkampfbetrieb erfolgt, sobald die Landesregierung dies wieder genehmigt und die Sportanlagen öffnet", hieß es in einer Mitteilung.

Regionalliga West - Entscheidung Anfang der Woche

Der Westdeutsche Fußball-Verband teilte auf WDR-Anfrage mit, dass in der viertklassigen Regionalliga West am Wochenende noch gespielt werde. Mit einer Entscheidung über den weiteren Saisonverlauf und eventuelle Anpassungen sei Anfang der nächsten Woche zu rechnen.

Rot-Weiss Essen und die Angst vor dem Abbruch | No Sports !? #22 sport inside 28.10.2020 13:15 Min. Verfügbar bis 28.10.2021 WDR Von Marc Schlömer

Quotientenregel wieder als Notlösung?

Abhilfe schaffen bei einer Modusänderung könnte im Sinne einer annähernd sportlichen Lösung wieder die Quotientenregel.

Die Quotientenregel (zitiert nach FVM)

Kann aufgrund der Covid-19-Pandemie das Spieljahr nicht beendet werden, sind aber mindestens 50 Prozent der Spiele einer Gruppe durchgeführt, so entscheidet der Tabellenstand unter Anwendung einer Quotientenregelung über Meister, Auf- und Absteiger. Hierzu werden der Punkte- und Torquotient (1. erzielte Punkte geteilt durch Anzahl der gewerteten Spiele (mit drei Nachkommastellen); 2. Tordifferenz geteilt durch Anzahl der gewerteten Spiele (mit drei Nachkommastellen); 3. Anzahl der geschossenen Tore geteilt durch Anzahl der gewerteten Spiele (mit drei Nachkommastellen) zugrunde gelegt.

Alle drei Landesverbände unter dem Dach des WDFV hätten sich laut FLVW-Sprecher Schubert darauf verständigt, dass für eine Wertung der Saison mit der Quotientenregel mindestens 50 Prozent der Partien absolviert sein müssen: "Darunter würde die Saison annulliert und es gäbe keine Auf- oder Absteiger."

Staatliche Hilfen für Amateurvereine?

Inwieweit durch den Teil-Lockdown nun auch wirtschaftliche Hilfen für die Fußballvereine - für Unternehmen stehen bis zu 75 Prozent des Vorjahresumsatzes im November im Raum - möglich sind, bleibt aktuell noch abzuwarten.

SGW-Vorstand Pozo y Tamayo sagt: "Wir sind gespannt, ob es Hilfspakete für betroffene Vereine gibt. Wir setzen mit dem Spielen aus, um unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Meiner Meinung nach hat die Gesellschaft dann aber auch eine Verantwortung denen gegenüber, die wirtschaftlich darunter leiden." Er betont: "Natürlich sind das in erster Linie zum Beispiel Gastronomiebetriebe, aber irgendwann kommen auch die Sportvereine."

Stand: 29.10.2020, 17:50