Alemannia-Aufschwung in Aachen mit Patrick Helmes?

Portrait des Trainers der Alemannia im Tivoli

Alemannia-Aufschwung in Aachen mit Patrick Helmes?

Patrick Helmes ist seit 1. Juli 2021 neuer Cheftrainer vom Fußball-Regionalligisten Alemannia Aachen. Der 37-jährige Ex-Nationalspieler soll mit knappem Budget und kleinem Kader für positive Überraschungen in der Regionalliga West sorgen. In der Vorsaison hatte der Traditionsverein so schlecht abgeschnitten wie noch nie. Im WDR-Interview erklärt Helmes, wie er schwarz-gelb wieder zu Erfolgsfarben machen will.

WDR: Alemannia Aachen hat einen großen Namen, aber wenig Geld. Was reizt Sie an dem Job am Tivoli?

Patrick Helmes: Wir reden von einer unglaublichen Fanbasis, von einem geilen Stadion, von einem großen Verein, der eine Geschichte hat, aber die Gegenwart ist etwas anderes. Ich will mithelfen, mit meinem Trainerteam das wieder in die richtige Spur zu bringen. Das ist der Anreiz.

WDR: Unteres Tabellendrittel, Aufstand gegen den Trainer – die Alemannia hatte in der vergangenen Saison Probleme, spielte unter Form. Woran lag das?

Helmes: Fußball wird immer ein Teamsport bleiben. Wenn eine Mannschaft sich nicht findet und nicht zusammen funktioniert, dann können die Spieler so gut sein, wie sie wollen. Du wirst das nie auf den Platz bringen, weil jeder für sich spielt.

WDR: Bei der EM haben die Schweizer die Franzosen geschlagen. Das war eine Sache des Willens. Aber wie impft man das einem Team ein? 

Helmes: Das ist ein Prozess. Wir haben bewusst einen größeren Cut gemacht, damit neue Substanz reinkommt. Neuer Teamspirit. Das müssen wir als Trainerteam befeuern. Jeden Tag. Das ist wie bei der Erziehung von Kindern. Davon habe ich vier, deshalb weiß ich, wovon ich rede. Es ist was Großes möglich. Wir werden eine Truppe stellen, die bereit ist, alle anderen zu ärgern. Und wir werden so auf dem Platz stehen, dass es gegen uns sehr ungemütlich wird.

WDR: Sie haben sich als Jugendlicher ihre Stammplätze immer erkämpfen müssen, es als Zweitligist in die A-Nationalmannschaft gebracht. In Köln erzählt man sich heute noch, wie Sie mit gebrochenem Fuß ein Tor geschossen haben. Hatten Sie denn Trainer, die Sie motiviert haben? Oder kam das aus Ihnen selbst?

Helmes: Jeder ist für sich selbst zuständig. Das müssen wir auch einimpfen in die Mannschaft. Wir geben Struktur, einen Rahmen, in dem sich alle bewegen können. Aber diese intrinsische Motivation, die muss jeder haben, wenn er ganz nach oben will. Ich versuche das, was ich als Jugendlicher erlebt habe und wie ich selbst war, den Jungs beizubringen.

WDR: Alemannia-Manager Martin Bader hat auch Erstliga-Erfahrung. Wie klappt die Zusammenarbeit?

Helmes: Bei Martin zeigt sich, dass er jahrelang im Business ist. Der Austausch ist super, tagtäglich. Wir haben die Mannschaft, wie sie war, gut analysiert. Wir haben uns nicht gegen Spieler entschieden, sondern bewusst für Spieler. Hamdi Dahmani ist 34, Peter Hackenberg 32. Alle anderen sind unter 27. Das heißt, wir haben noch Potenzial. Und von daher glaube ich schon, dass es eine Mannschaft sein wird, die vielen wehtun wird.

WDR: In einem Traditionsklub sind die Erwartungen immer hoch. Können Sie mit dem Druck umgehen?

Helmes: (lacht) Ich kann alle beruhigen: Wir werden wahrscheinlich nicht Erster werden. Es gibt Mannschaften, die noch ein bisschen mehr Budget zur Verfügung haben. Wir wissen, dass wir nicht von jetzt auf gleich riesige Sprünge machen können. Aber wir haben eine Mannschaft, die konkurrenzfähig sein wird, und es liegt jetzt an uns, wie schnell wir zusammenwachsen. Mit den Fans im Rücken werden wir Spiele gewinnen, in denen es über Belastungsgrenzen geht.

WDR: Von dem, was Sie bis jetzt vom Dreiländereck gesehen haben – gibt´s da einen Lieblingsort?

Helmes: Ein Lieblingsort ist der Tivoli. Ich bin eh den ganzen Tag hier, inoffiziell seit mehreren Wochen, und fühle mich wohl. Von daher wird das wahrscheinlich meine zweite Heimat werden.

Das Interview führte Richard Derichs.

Die Vita von Patrick Helmes

Patrick Helmes (37) ist im Siegerland aufgewachsen. Nach mehreren Stationen im Jugendbereich, unter anderem beim 1. FC Köln, startete Helmes 2003 bei den Sportfreunden Siegen seine Profi-Laufbahn. 2005 wechselte er zurück zum 1. FC Köln, wo ihm in der 2. Bundesliga der Durchbruch gelang. Nach Stationen bei Bayer 04 Leverkusen (2008 bis 2011) und dem VfL Wolfsburg (2011 bis 2013) beendete Helmes seine Profi-Karriere 2015 wiederum beim 1. FC Köln. In insgesamt 98 Bundesliga-Spielen schoss Helmes 45 Tore. Dazu kommen 13 Einsätze für die deutsche A-Nationalmannschaft (zwei Tore). Seine Trainerlaufbahn startete Helmes 2015 bei der zweiten Mannschaft des 1. FC Köln.

Stand: 02.07.2021, 11:50