Leere Tribünen in der Kölner Eishockey-Arena während eines DEL-Spiels

Sport in der Corona-Pandemie

Hallensport in NRW: Kampf um Fans auf den Rängen

Stand: 30.12.2021, 14:41 Uhr

Besonders im Eishockey, Basketball und Handball sind "Geisterspiele" ein Problem. Für die Baskets sind in Bonn 750 Fans erlaubt, in Köln für die Haie hingegen nicht. Aber lohnen sich so wenige Fans finanziell überhaupt?

Von Julian Tilders

Deutschland ist in der Corona-Krise teils ein Flickenteppich von Regeln. Auch im Sport, wobei überregionale Großveranstaltungen an den meisten Orten nun vorerst ganz ohne Fans stattfinden müssen - unter anderem wegen der besorgniserregenden Omikron-Variante. Auch die NRW-Coronaschutzverordnung (gilt ab 28.12.21 bis 12.01.22) sieht das so vor.

"Geisterspiele" für Hallen-Sportklubs ein Problem

Den professionellen Hallen-Sportklubs aus DEL und BBL gehen erneut Einnahmen durch die Lappen. Die HBL legt erst Anfang Februar wieder los. Jedoch betont Kerstin Diekmann, Sprecherin des TBV Lemgo Lippe: "Wir machen im Moment noch keinen Ticket-Vorverkauf." Optimismus klingt anders.

Der schon vor langer Zeit geäußerte Appell aller Hallensport-Profiklubs: "Geisterspiele" seien langfristig nicht zu finanzieren, weil die Verluste auch nicht durch TV-Gelder aufgefangen werden könnten.

Baskets Bonn richten "regionale Sportveranstaltung" aus

Allerdings bietet die NRW-Coronaschutzverordnung bei nicht-überregionalen Veranstaltungen die Möglichkeit, bis zu 750 Fans zuzulassen. So richteten die Telekom Baskets Bonn am Mittwochabend (29.12.2021) quasi eine "regionale Sportveranstaltung" aus, zu der letztendlich 570 Fans nur aus Bonn und Umland kamen.

Prokurist und Medienchef Michael Mager erklärt am Donnerstag im WDR-Gespräch: "Unser Rechtsbeistand hat das geprüft, dass es nur eine regionale Veranstaltung ist. Wir verkaufen keine Tickets außerhalb von Bonn. Unsere Fans kommen zu 95 Prozent aus Bonn und der Region."

Das Hygienekonzept der Baskets sei schon bei den ersten "Geisterspielen" vom Ordnungsamt abgesegnet worden. Aus den Gesprächen habe sich ergeben, dass immer die Schutzverordnung gelte. "Und daran halten wir uns."

Argumentation für 750 Fans in Köln abgelehnt

Doch offenbar wird die Fan-Thematik in verschiedenen Sportstädten unterschiedlich gehandhabt. Denn ein Antrag der Kölner Haie auf die Zulassung besagter 750 Fans mit dem Ansatz, eine regionale Veranstaltung ohne Gästefans auszurichten, wurde vom Kölner Gesundheitsamt abgelehnt.

Die Begründung laut KEC-Geschäftsführer Philipp Walter: "Das Gesundheitsamt sieht uns als überregionale Veranstaltung." Auf WDR-Nachfrage teilt die Stadt Köln mit, diese Einordnung hinge mit der Spielklasse zusammen und sei "so zu definieren, sobald es um Bundesligaspiele geht." Dass auch die BBL eine überregionale Liga ist, die Bonner Baskets aber grünes Licht für Fans aus der Region bekommen haben, sorgt bei den Haien mindestens für Irritation.

Kölner Haie ebenfalls mit regionaler Anhängerschaft

Walter verstehe Überregionalität so, dass "Menschen aus ganz Deutschland" angereist kommen. Und auch der KEC könne belegen, dass 95 Prozent der Dauerkarteninhaber in Köln und Umgebung wohnen. "Wir sind, was die Zuschauerinnen und Zuschauer angeht, ganz klar eine regionale Veranstaltung. Wir können das mit Fakten belegen. Das ist zermürbend."

Philipp führt weiter aus: "Es kann mir auch keiner erklären, warum in einer der größten Veranstaltungshallen Europas gar keine Besucherinnen und Besucher zugelassen sind, aber in der Philharmonie 750. Wir haben auch laut Gesundheitsamt keine Auffälligkeiten, was Coronafälle in der Arena angeht."

Sind 750 Fans finanziell überhaupt relevant?

Bleibt die Frage, ob 750 Fans überhaupt finanziell positiv ins Gewicht fielen. Der KEC-Geschäftsführer bejaht das mit Abstrichen: "750 Fans sind immer noch besser als null. Aber auf Dauer ist das natürlich auch nicht tragbar." Dafür mache es "atmosphärisch" einen Unterschied.

Auch für die Baskets ist das der Hauptpunkt. Mager betont: "Wir können Kosten sparen, weil wir den Sicherheitsdienst für nur 750 Fans runterschrauben können. Aber die Reinigungs- und Feuerwehrkosten sind gleich. Unterm Strich bleibt nichts übrig." Es gehe darum, "dem Team ein Zeichen" zu geben.

Vereine hoffen auf staatliche Hilfen

Wie lange die Hallensport-Profiklubs auch eine mögliche Verlängerung der Verordnung ohne Fans durchhalten könnten, hängt von Coronahilfen für den Profisport ab, so der Konsens. "Wenn es da nichts Neues gibt, sehe ich für uns eine noch härtere Zeit als jetzt schon", sagt Mager.

Auch für Lemgo hinge laut Diekmann "alles von staatlichen Hilfen ab", die auch Walter als "großen Faktor" bezeichnet: "Ebenso wichtig ist aber, die Deckelung sofort aufzuheben. Die liegt bei 1,8 Millionen Euro, die Summe haben in der DEL aber schon viele Vereine ausschöpfen müssen."

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