Fans kritisieren DFL-Pläne zur Rückkehr der Zuschauer

Fans kritisieren DFL-Pläne zur Rückkehr der Zuschauer

  • Proficlubs einigen sich auf Rückkehr der Zuschauer in die Stadien
  • Reduzierte Kapazitäten, ohne Gästefans, ohne Stehplätze
  • Tickets sollen personalisiert sein
  • Fans lehnen die Pläne ab, manche drohen mit Boykott

Knapp fünf Monate ist es her, dass in Deutschland ein Profifußballspiel vor Zuschauern im Stadion stattfand. Bald soll es das wieder geben: Wenn im September die neue Saison beginnt, dann im besten Fall vor Fans. Das beschloss die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Dienstag (04.08.2020) bei ihrer außerordentlichen Mitgliederversammlung.

Fan-Vertreter Kessen: "Fans werden als Problem gesehen"

Sportschau 04.08.2020 02:48 Min. Verfügbar bis 04.08.2021 ARD

Eine Gruppe hält davon allerdings wenig: die Fans selbst. Das klingt sonderbar, lehnten sie die "Geisterspiele" am Ende der Vorsaison doch ab. "Fußball ohne Fans ist nichts" war auf Plakaten in den leeren Stadien zu lesen. Nun sind dieselben Fans gegen ihre Rückkehr?

"Das hat nicht viel mit dem sonstigen Stadionerlebnis zu tun"

Man müsse differenzieren, sagt Benjamin Belhadj, der Leiter des sozialpädagogischen Fanprojekts in Düsseldorf, dem WDR, "viele normale Stadiongänger freuen sich einfach, wenn sie wieder in die Arena können." Anders sähe das bei der aktiven Fanszene aus, beispielsweise den Ultras. Da werde "kontrovers über die Zukunft im Stadion diskutiert", sagt Belhadj, sogar ein Boykott scheint möglich: "Mit Abstand und Mundschutz auf der Tribüne zu sitzen, ohne Stehplätze, Gästefans und Stimmung - das hat nichts mit dem sonstigen Stadionerlebnis zu tun."

Derartige Regeln stehen im Leitfaden der DFL. Um das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus gering zu halten, gibt es diverse Sicherheits- und Abstandsvorschriften. So soll nur ein Bruchteil der Tickets verkauft werden dürfen - in Dortmund beispielweise für nur 15.000 der knapp 80.000 Plätze. Stehplätze, Gästefans und Alkohol sind vorerst pauschal verboten.

Das ärgert Thomas Kessen. "Fans werden als Problem gesehen und nicht als Teil der Lösung", sagte der Vorstand des Bündnisses "Unsere Kurve" zu WDR 2, "man verkennt völlig, dass Fans sich sehr gut auskennen in ihren jeweiligen Stadien und ihrer Fanszene."

Doch fast überall soll nicht mal die Hälfte der Kapazität erlaubt sein. Was nicht nur beim 1. FC Köln für Diskussionen gesorgt hat, da mehr Dauerkarten verkauft wurden, als es nun Plätze gibt.

Sorge, dass neue Regelungen dauerhaft bleiben

Dagegen regt sich vielerorts Widerstand. "Alle oder keiner", schrieb der BVB-Blog schwatzgelb.de bereits im Juni, als die Pläne erstmals diskutiert wurden. Was die Fans ebenfalls stört: personalisierte Tickets und weitere Maßnahmen, um die Infektionsketten nachverfolgen zu können - nicht, weil sie die Gefahren des Virus bezweifeln würden, es gehe ihnen um "Überwachung".

Fanvertreter kritisieren schon lange, dass Bundesligastadien immer mehr Hochsicherheitszonen ähneln, nun müsse man verhindern, dass "neue Technologien der Überwachung nicht durch die Hintertür des Gesundheitsschutzes eingeführt werden", fordert "Unsere Kurve". Hinzu komme die Sorge, dass sich der ein oder andere Funktionär hinterher denke, dass es ohne günstige Stehplätze doch ganz gut geklappt habe - und es nach Corona so weitergehen könne.

Deswegen sind aber längst nicht alle aktiven Fans für einen Boykott: Manche, sagt Fanprojektleiter Belhadj, wollen gerade deswegen ins Stadion, "um sich überhaupt noch Gehör verschaffen zu können". Aber wie dem auch sei, die gewohnte Stimmung von vor der Corona-Pandemie wird es vorerst nicht geben.

Stand: 04.08.2020, 21:29