Rätsel Pinguine - Eishockey-Tollhaus in Krefeld

Martin Schymainski von den Krefeld Pinguinen (Archivbild).

Rätsel Pinguine - Eishockey-Tollhaus in Krefeld

Kurz vor dem Ligastart geben die Krefeld Pinguine Rätsel auf: Der Trainer verlässt den Klub ebenso wie zahlreiche Spieler. Die Verantwortlichen finden: "Alles ganz normal."

Der Ruf von Geschäftsführer Sergey Saveljev klang beinahe wie Verzweiflung: "Eigentlich ist bei uns doch alles okay", ließ der Leitende Angestellte der Krefeld Pinguine am Mittwoch wissen, nachdem die Pressevertreter der Region mal wieder keine Ruhe gelassen hatten. Was ja eigentlich kein Wunder ist: Schließlich produziert der Eishockey-Erstligist aus dem Rheinland gerade Schlagzeilen im Tagestakt. Mindestens.

Die Dinge grob zusammengefasst, ist in den vergangenen Tagen Folgendes passiert:

  • Ende Oktober hat der 24-jährige Lette Sergey Saveljev die Nachfolge von Geschäftsführer Roger Nicholas angetreten. Auch Nicholas hatte seinen Kurzzeit-Job in Krefeld erst nach dem Saison-Abbruch der DEL im März angetreten.
  • Vier Wochen später kündigt Cheftrainers Glen Hanlon. Der 63 Jahre alte Kanadier, der erst im Mai als neuer Coach vorgestellt worden war, meint vielsagend: "Es gibt viele persönliche Gründe für meine Entscheidung."
  • Ende Mai hatten die Pinguine ihrem Topscorer Chad Costello keinen neuen Vertrag angeboten. In der abgelaufenen Saison, die aufgrund der Coronapandemie vorzeitig beendet worden war, war Costello mit 54 Scorerpunkten ligaweit der zweitbeste Spieler.
  • Anfang September verpflichteten die Pinguine Top-Talent Dominik Bokk. Mitte Oktober verlässt der 20-Jährige den Verein wieder und wechselt nach Schweden zu Djurgarden IF.
  • Nationalspieler Daniel Pietta verlässt am 17. November nach mehr als 16 Jahren die Krefeld Pinguine und wechselt zum ERC Ingolstadt. Der in Krefeld geborene Profi war seit der Saison 2003/04 in der DEL ausschließlich für die Pinguine aufgelaufen und in den vergangenen Spielzeiten einer der besten deutschen Stürmer. Der 33-Jährige bestritt bisher 792 DEL-Spiele und sammelte 631 Scorerpunkte.
  • Ende September verpflichteten die Krefelder Stürmer Eugen Alanov vom Ligakonkurrenten Nürnberg Ice Tigers. Am 23. November zieht Alanov weiter: Er wechselt zur Düsseldorfer EG.
  • Am Donnerstag gaben die Pinguine bekannt, dass auch Verteidiger Philip Riefers den Verein verlässt und zu den Iserlohn Roosters wechselt.

Mehrfach vor dem finanziellen K.o.

Nun ist es im Moment sicher nicht leicht, als Eishockey-Profiverein durch die Coronakrise zu kommen, doch die Vehemenz des Durcheinanders überrascht schon. Die Verantwortlichen halten sich zu den Gründen bedeckt, aber natürlich lautet die erste Vermutung: finanzielle Probleme. Schließlich standen die Pinguine bereits in der vergangenen Spielzeit mehrfach vor dem finanziellen K.o.

Aber: Erst Mitte November haben die Pinguine nochmals erklärt, die wirtschaftliche Situation unter Kontrolle zu haben. Durch einen Investorenwechsel hat der Traditionsclub seine Probleme aber offenbar nur scheinbar gelöst. Auch durch die Folgen der Coronakrise sah sich der Investor inzwischen gezwungen, ein neues Finanzloch auszugleichen.

"Vielleicht kann ich jetzt besser schlafen"

Dennoch wollen die Pinguine an der verkürzten DEL, die am 17. Dezember starten soll, teilnehmen. Auch, wenn Aussagen wie zuletzt vom abgewanderten Eugen Alanov Zweifel säen. "Vielleicht kann ich jetzt wieder besser schlafen", sagte der 25-Jährige beim Internetanbieter "MagentaSport": "Ich bin einfach froh, dass ich in Düsseldorf bin."

Erleichterung beim abgewanderten Personal, der Verein erklärte daraufhin in einer Pressemitteilung, er wolle nun weg vom Image des "EC Hollywood". "Wir wollen einfach wieder Ruhe haben", sagt auch Co-Trainer Boris Blank. Das Rezept dafür gab Stürmer Laurin Braun aus: "Da gibt's nur eins: Handy weg, Laptop weg, Internet abschalten. Einfach alles außen rum abschalten." Geschäftsführer Sergey Saveljev erklärte dagegen, man müsse "jetzt einfach die Journalisten beruhigen, die Fans beruhigen. Aus meiner Sicht ist nichts Schlimmes passiert."

oja | Stand: 26.11.2020, 13:19