Sportdefizit durch Corona-Krise: Unabsehbare Folgen für Kinder und Jugendliche

Sportdefizit durch Corona-Krise: Unabsehbare Folgen für Kinder und Jugendliche

Von Christian Zelle

  • Spoho-Professor sieht großes Konfliktpotenzial
  • Kreative Maßnahmen gegen Bewegungseinschränkung
  • Kinder muss man spielerisch motivieren

Seit gut zwei Wochen sind Kinder und Jugendliche aufgrund der Corona-Pandemie und der dagegen ergriffenen Maßnahmen weitgehend von ihren gewohnten Sport- und Bewegungsangeboten abgeschnitten. Schulen, Kitas, Sportstätten, Schwimmbäder, Spiel- und Bolzplätze - geschlossen. Die Bewegungsoptionen sind ohne Schul-, Vereins- und Freizeitsport stark eingeschränkt.

"Erhebliche Unruhe und Unzufriedenheit" ohne Sport

Professor Günter Stibbe, Leiter der Abteilung Sportdidaktik an der Sporthochschule Köln, betont im WDR-Interview die Bedeutung von Bewegung für Kinder und Jugendliche - zum einen für die Entwicklung und zum anderen für "die Rhythmisierung des Tages durch Bewegung und Sport". Fehlt das, könne "erhebliche Unruhe und Unzufriedenheit" auftreten, was gepaart mit den Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit großes Konfliktpotenzial berge: "Ich denke, dass das enge Zusammenleben in manchen Familien durchaus zu Gewalt und Aggression führen kann", so Stibbe.

Um Bewegungsausfälle zu kompensieren und ihre negativen Auswirkungen in Grenzen zu halten, sei die Fantasie aller Beteiligten gefragt - gerade bei Kindern: "Hier kann man in der Tat nur im Familienkreis rausgehen und Tobemöglichkeiten für die Jüngeren schaffen - zum Beispiel Lauf- und Fangspiele, Seilspringen, Hüpfspiele. Jugendliche können durchaus allein joggen, skaten oder rad- und rollerfahren", empfiehlt Stibbe.

"Bewegung kann man nicht kaufen, die muss man selber machen"

WDR 5 Morgenecho - Interview 24.03.2020 04:42 Min. Verfügbar bis 23.03.2021 WDR 5

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"Zuhause-Fitnessprogramm" eher was für die Älteren

Auch könne er sich vorstellen, dass Sportlehrkräfte der Schulen Anregungen geben könnten - etwa über Videokonferenzen in Kleingruppen, die man beispielsweise Choreographien oder Fitnessprogramme entwickeln lassen könnte, was dann von Klassenkameraden nachgemacht und beurteilt werden könnte. Ein Bewegungstagebuch zu führen, sei eine weitere Option, um sich selbst zu motivieren. Und in Haushalten, in denen Heimtrainer vorhanden sind, sollten diese genutzt werden.

Joggen oder ein "Zuhause-Fitnessprogramm" sei allerdings eher was für die Älteren. Kinder müsse man in der Regel auf spielerische Art und Weise motivieren. "Jugendliche Vereinssportler mag man durchaus für ein Fitnessprogramm zu Hause begeistern können. Vielleicht lassen sich auch Jüngere von älteren Heranwachsenden mitreißen. Aber das wird vermutlich motivational bald an Grenzen stoßen", so Stibbe.

Ohnehin Sportaktive werden Wege finden

Die Folgen dieser Ausgangsbeschränkungen seien nicht abzusehen, weil man eine derartige Situation noch nicht erlebt habe. Bei dem Umgang mit dieser drastischen Beschneidung der Bewegungsangebote, hänge letztlich viel von der Sportaffinität der Betroffenen bzw. ihrer Erziehungsberechtigten ab: "Die Gefahr besteht gewiss darin, dass diejenigen, die ohnehin sehr sportaktiv sind, auch Wege suchen und finden. Aber diejenigen aus Milieus, wo dies nicht der Fall ist, auch kaum Anregungen bekommen werden."

Corona – Fitness-Übungen für zu Hause Servicezeit 25.03.2020 03:38 Min. UT Verfügbar bis 25.03.2021 WDR Von Schwarz, Sascha

Stand: 30.03.2020, 20:09