Bonns Basketballer suchen Ausweg aus der Krise

Martin Breunig mit enttäuscht gesenktem Kopf

Bonns Basketballer suchen Ausweg aus der Krise

Von Christian Mixa

  • Sportliche Krise bei den Telekom Baskets Bonn
  • Ein Sieg aus acht BBL-Spielen, Tabellenplatz 16
  • Sportmanager Wichterich: "Wegweisende Wochen"

Die Fans der Telekom Baskets erlebten am Mittwochabend (04.12.2019) einen spannenden Basketball-Abend, mit einem inzwischen vertrauten Ende: Bis in die Schlussminute war das Spiel gegen PAOK Saloniki ausgeglichen, am Ende verlor Bonn trotzdem knapp mit 83:86.

Damit erlebten die Bonner nun auch in der Champions League, wo sie bislang recht erfolgreich unterwegs waren, das, was sie schon aus der Liga kennen: Sie verlieren die engen Spiele. Und vor allem verlieren sie "Spiele die wir eigentlich hätten gewinnen müssen", so Bonns Sportdirektor Michael Wichterich, "weil wir klar die bessere Mannschaft sind."

Dieses Muster hat in der Bundesliga zu einer echten Krise geführt - in einem Ausmaß, wie es die Bonner, schon fast traditionell ein Playoff-Anwärter, lange nicht erlebt haben. Nach acht Spielen haben die Telekom Baskets erst einen Sieg auf dem Konto und liegen auf dem vorletzten Tabellenplatz. Nur der bislang überforderte Liga-Neuling Hamburg Towers steht noch schlechter da.

Neuaufbau bei den Telekom Baskets

Und das, obwohl die Bonner sich im Sommer einen Neuaufbau verordnet haben, nachdem in den Playoffs zuletzt immer der frühe K.o. kam und auch das Umfeld in Bonn zunehmend unzufrieden wurde. Mehr Tempo, schnelles Passspiel, attraktiver Teambasketball, so lautete das ausgegebene Ziel. Und auch mehr Identifikation: Mit Publikumsliebling T.J. Di Leo, Top-Verteidiger Yorman Polas Bartolo und Center Martin Breunig, der sich in der Vorsaison enorm verbessert hatte, konnten drei Stammkräfte gehalten werden.

Außerdem schloss das Management mehr längerfristige Verträge ab. Mit Nationalspieler Joshiko Saibou und Benjamin Lischka wurden zwei etablierte deutsche Spieler geholt. Und mit Thomas Päch, langjähriger Assistenzcoach bei Alba Berlin, ein junger, hochgehandelter Trainer, der die neue Spielidee verkörpern sollte.

Defense als Bonns große Problemstelle

Die erhoffte Kompaktheit bringt die Mannschaft, bis auf wenige Ausnahmen wie den Pokal-Coup beim Meister FC Bayern, aber bislang kaum aufs Parkett. "Uns war klar, dass die Entwicklung Zeit braucht. Dass wir mit 1 zu 7 Siegen starten war uns nicht klar", sagt Manager Wichterich. "Wir haben uns durch eigene Nachlässigkeiten in diese schwierige Situation gebracht."

Vor allem die Verteidigung bleibt ein Problem: Die Bonner haben bislang im Schnitt mehr als 91 Punkte pro Spiel zugelassen. Beim sogenannten "Defensive Rating", eine der analytischeren Statistiken im Basketball, haben die Bonner sogar den schlechtesten Wert der gesamten Liga: Kein Team kassiert, gemessen an der Zahl der Angriffe des Gegners, so viele Punkte wie Bonn.

Auch in der Offensive ist die Trefferquote im Vergleich zur Vorsaison weiter gesunken. Vor allem aus der Nahdistanz lassen die Bonner zu viele einfache Würfe und Chancen liegen. Für Sportmanager Wichterich ein Zeichen dafür, dass "die Negativserie langsam in den Köpfen ankommt."

Spiel gegen MBC Auftakt in wegweisende Wochen

Am Samstag kommt der Mitteldeutsche BC, der direkte Tabellennachbar, an den Hardtberg, im Anschluss stehen die Duelle gegen die zwei anderen Teams im Tabellenkeller, Hamburg und Göttingen, an. "Der Monat Dezember ist sicherlich wegweisend. Das sind drei Spiele, die wir in jedem Fall gewinnen müssen", sagt Manager Wichterich und sieht dabei vor allem die Spieler in der Verantwortung. Die bedrohliche Situation sei "noch nicht bei allen in den Köpfen angekommen", sagt Wichterich. "Leidenschaft, Aggressivität - diese Attribute, haben wir in den letzten Partien nicht geliefert. Am Samstag gegen den MBC muss das da sein, da erwarten wir 100 Prozent.“

Bonn-Manager Wichterich: "Wir können es mit der Truppe schaffen"

Sportschau 05.12.2019 32:23 Min. Verfügbar bis 05.12.2020 ARD

Der Trainer stehe dabei nicht zur Debatte, bekräftigte Wichterich: "Wir wollen mit Thomas Päch wieder in die Erfolgsspur zurückkommen, und sind auch weiter zuversichtlich, dass die Truppe es schafft." Zugleich deutete er aber an, dass die Geduld der Verantwortlichen langsam an einem kritischen Punkt angelangt ist. Man werde die Lage in den kommenden Tagen analysieren, kündigt er an: "Die Mannschaft braucht neue Impulse, sei es durch Nachverpflichtungen oder durch eine andere Ansprache" - letzteres würde dann auch auf den Trainer abzielen.

Stand: 05.12.2019, 14:00