Gülich beginnt Abenteuer WNBA

Marie Gülich

Gülich beginnt Abenteuer WNBA

  • Marie Gülich spielt in US-Profiliga
  • Glückwünsche von Nowitzki
  • Auf Position zwölf gedraftet

Als die Videobotschaft von Dirk Nowitzki über den Bildschirm flimmerte, staunte Marie Gülich nicht schlecht. "Da war ich erstmal sprachlos", sagt die 23-Jährige, besser hätte das Abenteuer WNBA kaum beginnen können. Erst als dritte Basketballerin aus Deutschland hat sie es in die US-Profiliga geschafft, das blieb auch dem großen Vorbild nicht verborgen.

Auf Position zwölf gedraftet

Gegen die Wings aus Nowitzkis Wahlheimat Dallas geht es für Gülich in der Nacht zum Samstag los. Nach vier Jahren am College in Corvallis, wo sie als Schlüsselspielerin für die Oregon State Beavers auflief, steht der erste Einsatz im Profilager an. Dass sie bei der Verteilung der Talente an Position zwölf gedraftet wurde, ziemlich früh, macht ihr keinen Druck. "Ich habe mir das verdient", sagt Gülich, "ich kann Basketball spielen. Das Team und die Coaches glauben an mich, die sehen mein Potenzial."

Vor der Centerspielerin waren aus Deutschland nur Marlies Askamp (47) und Linda Fröhlich (38) in die WNBA gekommen. "Ich hab das gar nicht gewusst", sagt Gülich. "Als ich das gesehen habe, dachte ich: wow. Das ist schon echt ein bisschen krass." Wie Nowitzki meldete sich auch Fröhlich, bot Hilfe an und gab ihre Telefonnummer weiter. "Wenn ich Fragen habe, kann ich mich bei ihr melden. Das war wirklich nett."

Umstellung nicht einfach

Bis 2007 spielte Fröhlich in den USA, Askamp zwischen 1997 und 2002. Auch im Klub bekommt Gülich Hilfe. Sie ist nicht nur Teamkollegin von Olympiasiegerin und Weltmeisterin Brittney Griner, in Diana Taurasi gehört ein weiterer ganz großer Name aus dem US-Basketball zur Mannschaft. "Zwei Legenden", sagt Gülich.

Unterstützung kann sie gebrauchen, die Umstellung ist nicht einfach. Größter Unterschied sei "das professionelle Leben. Es gibt mehr Regeln. Man geht zum Training, am Nachmittag macht jeder sein Ding", sagt die 1,94 m große Nationalspielerin. "Am College war es wie Familienleben, wir haben wirklich alles zusammen gemacht."

Ausgestatter mit Vorschusslorbeeren

In den USA fühlt sie sich längst zu Hause. 2014, als Gülich nach dem Abi am Landrat-Lucas-Gymnasium in Leverkusen nicht recht wusste, was sie machen soll, versuchte sie ihr Glück in Nordamerika. "Ich habe gedacht, probier' es einfach aus. Zurückgehen kann ich immer noch." Trotz anfänglicher Probleme ("Heimweh", "Kulturschock") hat sie den Schritt bis heute nicht bereut.

Gülich startet mit Vorschusslorbeeren in die WNBA-Karriere. In der Regionalliga "Pac-12" wurde sie zuletzt als Defensivspielerin des Jahres ausgezeichnet, ihre Trefferquote aus dem Feld (65,2 Prozent) war die zweitbeste der Geschichte. Ihr Schnitt lag in der abgelaufenen Saison bei 17,5 Punkten und 9,1 Rebounds. Im Training arbeitet sie gerade an Nowitzkis weltberühmtem Fadeaway-Wurf. Ihre Ziele für das erste Jahr formuliert sie klar: "Auf dem Spielfeld mein Ding machen, Rebounds holen. Keine Angst haben, Fehler zu machen."

Stand: 16.05.2018, 13:13