Telekom Baskets Bonn: Teamgeist als Erfolgsrezept

Morgenmagazin 13.05.2022 01:42 Min. Verfügbar bis 13.05.2023 Das Erste

Baskets Bonn vor Playoff-Start: Die Teamchemie stimmt

Stand: 13.05.2022, 09:20 Uhr

Die Baskets Bonn starten am Freitag in die Playoffs. Als Tabellenzweiter der Hauptrunde treffen sie zum Auftakt auf den Tabellensiebten, die Hamburg Towers.

Seit 1996 spielen die Telekom Baskets Bonn in der Basketball-Bundesliga. Mehr Siege als in dieser Spielzeit haben sie noch nie geholt. 26 Siege aus 34 Spielen bedeuteten zum Ende der Hauptrunde den zweiten Tabellenplatz. Besser waren die Bonner nur in der Saison 2001/2002, die sie als Erster beendeten - damals allerdings mit weniger Siegen, da es auch nur 14 Mannschaften in der Liga gab.

Mit Platz zwei hat wohl niemand gerechnet

Platz eins blieb ihnen dieses Mal verwehrt, weil sie von Alba Berlin im Saisonendspurt noch abgefangen wurden. Da holten die Bonner zwar elf Siege in Serie, ehe sie ausgerechnet am letzten Spieltag gegen Chemnitz verloren. Doch Alba hatte noch ein paar Nachholspiele im Köcher und die Nase am Ende wieder vorne.

Platz zwei ist gleichwohl ein großer Erfolg. Gerechnet hat damit wohl niemand. Vor allem, weil die Baskets in den vergangenen beiden Spielzeiten die Playoffs deutlich verpassten und zeitweise sogar gegen den Abstieg spielten.

Dass es nun so gut läuft, liegt laut Baskets-Coach Tuomas Iisalo an der guten Chemie: "Es gibt kein Geheimnis. Wir haben eine sehr gute Arbeitskultur. Die Jungs trainieren sehr gut und haben eine sehr gute Teamchemie - nicht nur auf, sondern auch neben dem Feld."

In Bonn herrscht "kollektives Vertrauen"

Es liege auch nur an diesem funktionierenden Team, dass er jüngst zum BBL-Trainer des Jahres gewählt worden sei: "Sehr oft wird der Trainer ausgezeichnet, der die überperformende Mannschaft gecoacht hat. Und das haben wir. Wir haben die Erwartungen mehr als erfüllt." Dabei gehe es nicht um einen Trainer oder einen Spieler, sondern die Interaktionen untereinander, und die habe man "kultiviert".

In Bonn gibt es laut Iisalo nicht nur "sehr viel" Selbstvertrauen, sondern auch Vertrauen in andere sowie zwischen Mannschaft und Trainer - ein "kollektives Vertrauen": "Das ist ein gutes Gefühl, weil du weißt, du hast in jedem Spiel eine Chance, wenn jeder seinen eigenen Job sehr gut macht."

Favoriten auf den Titel sind die Bayern und Alba

Sein Team sei in der Saison kontinuielich besser geworden, und das müsse es in den Playoffs jetzt auch schaffen. "Wir machen uns keine Gedanken darüber, was in den Playoffs möglich ist. Unser Fokus liegt auf dem Spiel am Freitag. Es wird ein unglaublich schweres Spiel und auch eine schwere Serie. Ich sehe beide Mannschaften auf Augenhöhe", so Iisalo.

Favoriten auf den Meistertitel seien ohnehin andere - Bayern München und Alba Berlin: "Du kannst eine sehr gute Hauptrunde spielen, aber bist trotzdem Außenseiter gegen diese Mannschaften."

Bayern und Alba sind Schwergewichte. Sie gehen in Deutschland in jede Serie als Favorit. Tuomas Iisalo

Wenn die Bonner in den Playoffs trotz ihrer Außenseiterrolle in der Erfolgsspur bleiben, kann das nicht schaden. Immerhin will Hauptsponsor Telekom bei ihnen bis 2025 aussteigen und die Zuwendungen bis dahin kontinuierlich reduzieren. Mit entsprechenden Erfolgen lassen sich in der Regel leichter neue Geldquellen erschließen.

Bonn sucht Nachfolger für die Telekom

Seit die Telekom dies im November mitgeteilt hatte, arbeitet Baskets-Geschäftsführer Wolfgang Wiedlich an der Erschließung dieser Quellen: "Die Lücke füllt man durch Nachfolger. Entweder man teilt die Flächen auf, oder einer bucht alles. Da ist bisher alles im Fluß."

Der sportliche Erfolge helfe dabei: "Wir haben jetzt zum 21. Mal im 26. Bundesliga-Jahr die Playoffs erreicht. Wir sind also - ich sag es ganz platt - wieder zurück. Und daraus kann man schon viel Kraft schöpfen", sagt Wiedlich. Wie es ohne die Telekom weitergeht, wisse er aber noch nicht.

Die nächste Saison sei weitgehend abgesichert

Für die nächste Spielzeit sehe es schon gut aus: "Als erstes wird die nächste Saison wirtschaftlich abgesichert. Das ist uns auch, würde ich heute behaupten, weitgehend schon gelungen." Darüber hinaus müssten Lösungen den Verein "schon solide in die Zukunft tragen". Für das Finden solcher Lösungen benötige man Zeit.

Sollte am Ende dieser Saison nach zuvor fünf Vizemeisterschaften und drei Pokalfinalteilnahmen ohne Titelgewinn gar der ganz große Wurf gelingen, könnte dies die benötigte Zeit enorm verkürzen. Folgerichtig konzentriert man sich in Bonn jetzt erstmal auf die sportlichen Herausforderungen - und die beginnen in der Meisterschaftsendrunde mit der "Best of five"-Serie gegen Hamburg.