Baskets Bonn kündigen Saibou fristlos und rechnen jetzt mit Gerichtsstreit

Joshiko Saibou in Aktion

Baskets Bonn kündigen Saibou fristlos und rechnen jetzt mit Gerichtsstreit

  • Saibou nahm an Demo gegen Corona-Maßnahmen teil
  • Geschäftsführer Wiedlich: "Verstöße gegen Arbeitsvertrag"
  • Bonn rechnet mit gerichtlicher Auseinandersetzung

Die Telekom Baskets Bonn rechnen nach der fristlosen Kündigung von ihrem Spieler Spieler Joshiko Saibou mit einer Auseinandersetzung vor dem Arbeitsgericht. "Wir wissen, dass wir keine guten Karten haben, da mit einer Null rausgehen. Es läuft wahrscheinlich auf einen Vergleich hinaus", sagte Präsident Wolfgang Wiedlich am Mittwoch (05.08.2020) und ergänzte: "Aber das ist uns allemal lieber, als das unser Mini-Raumschiff in die Luft fliegt."

Aus arbeitsrechtlicher Sicht Zweifel

Aus juristischer Sicht könnte die fristlose Kündigung angreifbar sein. "Aufgrund der aus Presseveröffentlichungen bekannten Umstände kommen aus arbeitsrechtlicher Sicht Zweifel an der Haltbarkeit der fristlosen Kündigung auf", sagte der Arbeitsrechtler Oliver Simon von der Kanzlei CMS Hasche Sigle der Deutschen Presse-Agentur.

Die rechtlichen Anforderungen an eine fristlose Kündigung seien hoch, betonte Simon. "Bei außerdienstlichem Fehlverhalten kommt eine fristlose Kündigung nur ausnahmsweise in Betracht, wenn dieses auf das Arbeitsverhältnis sozusagen durchschlägt", sagte der Simon. Die Teilnahme an einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen habe zunächst einmal nichts mit seiner Tätigkeit als Profisportler zu tun.

Saibou bei Demonstration gegen Corona-Maßnahmen

Saibou hatte am vergangenen Samstag mit seiner Freundin, der Weitspringerin Alexandra Wester (ASV Köln), an der Großdemonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin teilgenommen und davon ein Bild auf Instagram veröffentlicht.

Saibou: "Schlag ins Gesicht der Meinungsfreiheit

Zuvor hatte der 30-Jährige seine Haltung zur Pandemie schon mehrfach in den sozialen Medien geäußert und am "vergangenen Wochenende auch praktiziert, indem er vorsätzlich gegen die bekannten Schutzregeln verstieß", heißt es in der Mitteilung der Baskets am Dienstag. "Die Vereine der BBL arbeiten gerade akribisch an Hygienekonzepten für die Zuschauer in der nächsten Saison und an speziellen Arbeitsschutzrichtlinien für die Aktiven", sagte Wolfang Wiedlich. "Deshalb können wir ein permanentes Infektionsrisiko, wie es der Spieler Saibou darstellt, weder gegenüber seinen Arbeitskollegen in unserem Team noch gegenüber anderen BBL-Teams im Wettkampf verantworten."

Saibou selbst übte daraufhin harte Kritik an seinem Ex-Klub. Die Kündigung sei "totalitär und ein Schlag ins Gesicht der Meinungsfreiheit", schrieb der 30 Jahre alte Nationalspieler auf Instagram: "Ich habe immer geglaubt, bei den Telekom Baskets steht Toleranz an oberster Stelle, aber jetzt wird mir hiermit das Gegenteil bewiesen."

Saibou mit Entlassungs-Statement Sportschau 05.08.2020 01:14 Min. Verfügbar bis 05.08.2021 Das Erste

Saibou sei "kein Gelegenheitsleugner"

Der Klub lässt diese Argumentation jedoch nicht zu. "Ich habe nichts gegen kontroverse Diskussionen zu diesem Thema, aber Joshiko Saibou gefährdet fahrlässig unsere Existenzgrundlage", sagte Sportmanager Michael Wichterich am Mittwoch dem SID. Ein Überleben des Klubs könne es derzeit nur geben, "wenn wir ein wasserdichtes Hygienekonzept präsentieren und auch erfüllen - und das ist mit Joshiko Saibou nicht zu machen." Klubpräsident Wiedlich ergänzte, Saibou sei "kein Gelegenheitsleugner". Man wolle mit den Hygienemaßnahmen "einen Schutzwall gegen Corona" aufbauen, "da kann es keinen geben, der sagt: 'Pass auf, das Virus gibt es gar nicht'."

Präsident Wiedlich auf die Meinungsfreiheit auch bei kritischen Themen hingewiesen. Die Baskets Bonn legen Wert auf die Feststellung, "dass es bei uns keinen Maulkorb gibt. Im vorliegenden Fall geht es um die Einhaltung von Regeln zum Schutz aller", teilte der Präsident am Mittwochabend der Deutschen Presse-Agentur mit.

lt mit sid/dpa | Stand: 05.08.2020, 13:00

Weitere Themen