Baskets-Manager Wichterich erwartet "Saison der Entbehrung"

Michael Wichterich, Sportmanager der Telekom Baskets Bonn

Baskets-Manager Wichterich erwartet "Saison der Entbehrung"

Von Julian Tilders

Die Basketball-Bundesliga sieht sich auf wirtschaftlicher und sportlicher Ebene mit Ungewissheit konfrontiert, was die kommende Spielzeit angeht. Baskets-Manager Michael Wichterich erwartet Strapazen - sieht Bonn aber vergleichsweise gut gewappnet.

Es war ein turbulentes Wochenende in Bonn. Ein schwach-positiver Test eines Spielers brachte den Ablaufplan der Baskets Bonn, die eigentlich am Sonntag in der Gruppenphase des BBL-Pokals gegen die Löwen Braunschweig hätten spielen sollen, ordentlich durcheinander. Eine Komplett-Quarantäne wurde verhängt, die gesamte Mannschaft war betroffen. "Als wir am Samstagmorgen die Testergebnisse bekommen haben, war das sehr ernüchternd", blickt Michael Wichterich im Gespräch mit dem WDR zurück und fügt an: "Auch wenn wir uns keinen Illusionen hingegeben haben, dass es uns gar nicht trifft, war es durchaus Ambition, zumindest einer der letzten Klubs zu sein."

"Wechselbad der Gefühle" für Baskets Bonn

Dementsprechend war die Erleichterung beim Baskets-Manager groß, dass anschließende Tests keinen weiteren Corona-Fall anzeigten, den schwach-positiven Fall führte der Klub dabei auf einen falsch-positiven Test zurück. Die Quarantäne wurde vom Gesundheitsamt Bonn nach nur zwei Tagen wieder beendet. Wichterich betont: "Bei dem Testvolumen, das wir fahren, ist auch die Wahrscheinlichkeit hoch, mal ein falsch-positives Testergebnis zu erhalten. Das ist uns allerdings immer noch lieber als ein falsch-negatives."

"Es war ein Wechselbad der Gefühle", erklärt der 47-Jährige Manager weiter und erläutert: "Ich hatte den Eindruck, dass den Jungs schon nach zwei Tagen die Decke auf den Kopf gefallen ist." Schon am Montagabend konnten die Profis aber zum Training zurück auf den Court. Das ausgefallene BBL-Pokal-Spiel wird nun am kommenden Sonntag (18 Uhr) nachgeholt - und zwar in Bonn, denn die Baskets sind einer der vier Gastgeber des Turniers.

Bund-Länder-Konferenz mit Folgen?

Doch auch Erleichterung über negative Tests währt in Zeiten der Corona-Pandemie meistens nur kurz. Die Lage im deutschen Profi-Basketball, der wie die Deutsche Eishockey Liga (DEL) auf Einnahmen durch Zuschauer im Stadion angewiesen ist, ist angespannt.

BBL-Boss Stefan Holz warnte mit Blick auf die Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch (13 Uhr) mit Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsident*innen vor einem kategorischen Fan-Ausschluss. Der Geschäftsführer sprach sich für eine Verlängerung der Ende des Monats auslaufenden Testphase mit Zuschauern aus. Die BBL will mit ersten Punktspielen am 6. November in ihre neue Saison starten - gerne mit Fans. "Wir haben Konzepte vorgelegt und gezeigt, dass diese funktionieren", sagte Holz. Das Mindeste sei die Fortsetzung des Spielbetriebs, sonst könne man "den Laden dicht machen".

Wichterich erwartet "Saison der Entbehrung"

Baskets-Manager Wichterich pflichtet Holz bei: "Die Konzepte, die zum Beispiel die Handball- oder Basketball-Bundesliga entwickelt haben, sind exzellent. Natürlich fordern wir für uns dann dieselbe Behandlung ein, die zum Beispiel der Fußball erfährt." Bange ist Wichterich beim Blick auf die Bund-Länder-Konferenz - laut Medienberichten will NRW unter anderem eine Schließung von Sport- und Freizeitangeboten in geschlossenen Räumen und ein Verbot von Kontaktsport - prinzipiell nicht: "Das haben wir nicht selbst in der Hand. Auch, wenn es wirtschaftlich förderlich wäre, Zuschauer in die Halle zu lassen."

Wichterich sieht die Baskets mit der eigenen Arena, für die mit dem ausgearbeiteten Corona-Hygienekonzept ursprünglich mal 1.200 Zuschauer genehmigt worden waren, gut aufgestellt: ein top-modernes Lüftungssystem, klar unterteilte Bereiche, ausreichende Abstände. "Das wäre sehr gut umsetzbar", ist sich der Manager sicher, räumt aber auch ein: "Wir befinden uns in einer außergewöhnlichen Situation und müssen das umsetzen, was vorgegeben wird." Er erwarte eine "Saison der Entbehrung".

Eigene Halle als Sicherheit, Kurzarbeit (wieder) eine Option

Leisten könnte sich Bonn wohl auch eine längere Zeit ohne Fans. Wichterich findet lobende Worte: "Im Vergleich mit anderen Ländern sind wir exzellent aufgestellt, was wirtschaftliche Hilfen auch für den Sport angeht." Der 47-Jährige nennt die Möglichkeit der Kurzarbeit, falls es wieder zu einem "Lockdown" kommen sollte. Bereits vor einigen Monaten hatten die Baskets auf diese Option zurückgegriffen, mit dem Vorbereitungsstart endete die Kurzarbeit allerdings.

Auch gebe es "den Bundeszuschuss für den professionellen Sport. Das sind Dinge, die einem wirklich helfen. Die Basketball-Bundesliga hat auch in den letzten Jahren hervorragend gewirtschaftet und kleinere Polster aufgebaut. Aber die sind jetzt weg und wir gehen alle ins Minus." Keine angenehme Situation, die auch wirtschaftlich sehr schmerzvoll werde. Aber Wichterich klingt nicht so, als mache er sich Sorgen um die Existenz seiner Baskets: "Wir sind in Bonn ganz gut aufgestellt mit der eigenen Immobilie (Halle, d. Red.), die im Notfall auch zu beleihen wäre. Auch, wenn uns das um Jahre zurückwerfen würde."

Zielsetzung für die planmäßige Saison: Playoffs

Sollte es mit dem geplanten Saisonstart (7.11. 18 Uhr, Gegner: Bayreuth) hinhauen, hat Wichterich jedenfalls das sportliche Ziel klar vor Augen: "Wir wollen die letzte Saison vergessen machen und die Playoff-Plätze angreifen." Bonn beendete die unterbrochene Saison auf Rang 15 und sah es wirtschaftlich nicht als lohnenswert an, am Abschlussturnier teilzunehmen.

Elf Abgänge, acht Neuzugänge und mit Igor Jovovic ein neuer Trainer - die Karten sind neu gemischt. Wichterich lässt Ausreden mit Blick auf die Situation nicht gelten: "Wir müssen das Sportliche davon trennen." Auch, wenn möglicherweise weitere turbulente Wochenenden bevorstehen.

BBL-Pokal: FC Bayern wahrt Chance aufs Finale Sportschau 27.10.2020 01:29 Min. Verfügbar bis 27.10.2021 Das Erste

Stand: 27.10.2020, 15:22