Amateursport in der Krise - wie Corona die Vereine lahmlegt

Aushang an Stadiontor: "Diese Sportanlage ist wegen Corona gesperrt!"

Amateursport in der Krise - wie Corona die Vereine lahmlegt

Von Heiko Dolle

Die Amateursportler müssen viel Geduld aufbringen. Die Corona-Krise bringt alles durcheinander. Die Folge sind Saisonabbrüche, Spielverlegungen und starke Einschränkungen.

Im Lüdenscheider Nattenbergstadion fänden jetzt eigentlich Spiele der Fußball-Landesliga statt. Doch das Stadion wirkt verweist. Der Rasen viel zu gut erholt. Die Ränge von Fans verlassen. Und das seit Monaten.

Michael Dregger von Rot Weiß Lüdenscheid kann nicht sagen, wann wieder gekickt werden darf. Zumindest der Nachwuchs durfte ein wenig trainieren. Doch wann die Senioren wieder auflaufen, ist unklar.

In dieser schwierigen Phase versuchen die Trainer, über WhatsApp mit ihren Spielern in Kontakt zu bleiben. Sie geben Anweisungen für das Lauftraining zu Hause. "Das ist aber natürlich nicht vergleichbar mit normalem Training", sagt Dregger.  

Abbruch der Saison juristisch schwierig

Verwaistes Nattenberg-Stadion

Verwaistes Nattenberg-Stadion

Ein vorzeitiger Abbruch der Saison im Amateurfußball sei aber aus juristischen Gründen in Westfalen nicht möglich, teilte der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen mit. Denn "gerade bei kleineren Staffeln und einem entsprechenden Saisonfortschritt kann eine Wertung auch bei einem späteren Re-Start aktuell grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden. Zum anderen können Vereine – sofern Zuschauer wieder zugelassen sind – Einnahmen durch die Spiele generieren."

Auch im Tennis steht man in den Startlöchern. Die aktuellen Coronabestimmungen lassen aber einen Beginn der Turniersaison noch nicht zu. Deswegen ist der Saisonstart im Tennis verschoben worden, teilte der Westdeutsche Tennisverband mit.

Verwaiste Tennis-Anlage

Verwaiste Tennis-Anlage in Halver

In den Bezirken Ostwestfalen-Lippe, Münsterland, Ruhr-Lippe und Südwestfalen war man sich einig, "dass die Spieltermine für den Sommer aufgrund der anhaltenden Pandemielage erst nach Pfingsten begonnen werden." 

Tischtennisbund hat frühzeitig Reißleine gezogen

Der Deutsche Tischtennisbund hat die Saison ganz annulliert. "Die Öffnung von Sporthallen ist nicht absehbar, schon gar nicht flächendeckend und ohne Einschränkung der Anzahl der teilnehmenden Sportler", heißt es in der Begründung.

Auch im Amateurhandball wird nicht gespielt. Nicht mehr. Die Saison für Senioren und Jugendliche ist vorzeitig zu Ende. "Damit ist das eingetroffen, womit eigentlich alle gerechnet haben", teilte der Handballverein Borussia 08 Brand aus Aachen seinen Mitgliedern mit.

Es gibt zwar keine Absteiger, aber Aufsteiger. Dafür werden vom Handballverband Westfalen Aufstiegsrunden angeboten. Andere Vereine können in kleinen Gruppen um einen Ligapokal spielen.  

Fußballer hoffen auf Kompromisslösung

Michael Dregger von Rot Weiß Lüdenscheid hofft, dass auch sein Fußball-Verband für alle noch eine Lösung findet. Er ist aber skeptisch. "Fußball ist und bleibt die schönste Nebensache der Welt. Aber die Betonung liegt hier auf Nebensache. Und dann muss man vielleicht auch akzeptieren, dass so eine Saison nicht zu Ende gespielt werden kann."

Stand: 06.04.2021, 06:00