Extremsportler Achim Heukemes - auch mit 70 kein Ende in Sicht

Achim Heukemes

Extremsportler Achim Heukemes - auch mit 70 kein Ende in Sicht

Von Olaf Jansen

Mit dem Rennrad durch die USA, in Laufschuhen durch Frankreich oder einfach mal 24 Stunden lang einen Aussichtsturm hinauf und wieder runter - dem Wuppertaler Achim Heukemes ist nichts zu schwer. Dabei wird er schon bald 70 Jahre alt.

An seiner letzten Niederlage hat er immer noch zu knabbern. "Es ging nicht mehr. Nach gut 600 Kilometern war ich derart geschwächt, dass ich aufhören musste. Sonst hätte ich mich bei irgendeiner der steilen Abfahrten im Harz gewickelt. Es war einfach zu gefährlich", sagt Achim Heukemes.

Es kommt extrem selten vor, dass der gebürtige Wuppertaler eine sportliche Aufgabe nicht zu Ende bringt. Beim Radrennen über 1100 Kilometer von Flensburg nach Garmisch Anfang Juli war es mal wieder so weit. Der 69-Jährige, der in wenigen Wochen 70 wird, musste aufgeben. Eine Niederlage einstecken. "Sowas kann ich gar nicht gut haben", sagt er. "Aber ich mach das wie ein Kleinkind. Wenn ich hingefallen bin, stehe ich einfach wieder auf und mache weiter."

Mitte August: Gold bei Ironman-EM anvisiert

Weitermachen heißt bei Heukemes - das nächste Extremsport-Event steht bereits vor der Tür: die Ironman-Europameisterschaften in Frankfurt am 15. August. 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen. Für Extremsportler Heukemes eine eher überschaubare Kraftanstrengung und in seiner Altersklasse quasi eine Bank auf Erfolg: "Da ist eine Medaille für mich eigentlich Pflicht", sagt er.

Für Heukemes ist Sport mit Abstand wichtigster Lebensinhalt. Jeden Tag steigt er in seine Laufschuhe oder setzt sich aufs Rennrad - mindestens fünf bis sechs Stunden lang. Das macht er schon seit rund 30 Jahren. Vorher war er LKW-Fahrer, ehe ein Motorradunfall sein Leben umkrempelte. "Ich bin knapp mit dem Leben davongekommen und hab mir überlegt, dass ich etwas Grundlegendes ändern muss", berichtet er.

Karriere begann erst mit 40

Er begann also mit 40 zu laufen und hatte schnell Erfolg. Wurde in den 90ern deutscher Mannschaftsmeister über 100 km und deutscher Meister im 24-Stunden-Lauf, 2000 machte er Schlagzeilen mit einem 5.700 km-Lauf vom Nordkap nach Sizilien, den er in Rekordzeit von rund 55 Tagen absolvierte.

Achim Heukemes auf dem Rad

"Wieder aufstehn" - Heukemes vor dem Rennen Flensburg-Garmisch

Weltweit bekannt wurde Heukemes in der Szene der Extremsportler 2011 mit seiner Doppeldurchquerung der USA. Den Hinweg von New York nach San Diego über 6.000 km bestritt er auf dem Rad, den Rückweg über eine verkürzte Strecke über 5.000 km lief er. Für beides benötigte er als erster Mensch nur 79 Tage.

Treppenlauf, Alpenüberquerung - kein Problem

Heute ist Heukemes immer auch ein gefragter Mann bei Benefiz-Veranstaltungen. So absolvierte er im Frühsommer dieses Jahres gemeinsam mit Trailrunnerin Doreen Glomb einen ganz besonderen Treppenlauf: 233 Mal die 206 Stufen des Möhnesee-Towers in Soest rauf und runter. Die beiden sammelten so über 2000 Euro für krebskranke Kinder.

Zuletzt begleitete er den fußamputierten Max Schwarzhuber bei einer Alpenüberquerung mit dem Rad: Von München nach Venedig über rund 460 Kilometer in unter 23 Stunden. Für Achim Heukemes ist das alles machbar. "Man muss es nur wollen", sagt er. Als nächstes will er den Titel in Frankfurt. Oder zumindest eine Medaille.

Stand: 23.07.2021, 08:30