Wenn Kinder ihre Schule verlassen müssen

Blick in eine Klasse auf zwei Schüler, der linke meldet sich

Wenn Kinder ihre Schule verlassen müssen

Von Christian Wolf und Stephanie Grimme

  • Mehr junge Schüler verlassen Gymnasien und wechseln Schulform
  • Gründe für Entwicklung nicht eindeutig
  • Essen richtet Sonderklasse für Wechsler ein

Der Beginn der NRW-Sommerferien an diesem Freitag (12.07.2018) wird für einige Schüler einen bitteren Beigeschmack haben. Sie müssen sich nämlich von ihren Mitschülern verabschieden und nach den Ferien auf eine fremden Schule gehen.

"Abgeschult": Wenn Kinder ihre Schule verlassen müssen

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen | 12.07.2018 | 04:11 Min.

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Seit Jahren steigt die Zahl derer, die es auf einem Gymnasium nicht schaffen und die Schulform wechseln. Im Jahr 2016 waren es in NRW insgesamt 3.344 Schüler, die in den Klassen 5 und 6 das Gymnasium verließen. Zum Vergleich: Fünf Jahre zuvor waren es 2.572 Kinder.

Änderung könnte sich auswirken

Kinder läuft über den Pausenhof (Archivbild 2006)

Eltern können über die Schulform entscheiden

Beim NRW-Schulministerium wird auf WDR-Anfrage kein spezieller Grund für die Schulwechsel genannt. Es liege aber der Verdacht nahe, dass die Zunahme mit einer Änderung zusammenhänge, sagt ein Ministeriumssprecher. Denn seit 2011 könnten Eltern ganz alleine entscheiden, ob sie ihr Kind auf ein Gymnasium schicken - selbst wenn es nur eine eingeschränkte Empfehlung seitens der Grundschule dafür gebe.

Allein in Oberhausen wechseln knapp 200 Schüler. In Essen sind es in etwa ebenso viele. Dort werden wegen der vielen Wechsler jetzt sogar Sonderklassen an Hauptschulen eingerichtet. An einer Realschule wird eine neue Klasse gebildet, die komplett aus ehemaligen Gymnasiasten besteht.

Kritik an Gymnasien

Der Vorsitzende des Schulausschusses in Oberhausen, Wolfgang Große Brömer (SPD), nennt zwei Ursachen für die Zunahme an Schulwechslern: Erstens sei es nach der vierten Klasse zu früh zu entscheiden, wie leistungstark ein Kind sei. Und zweitens förderten Gymnasien die Schüler zu wenig.

Peter Silbernagel, Landesvorsitzender Philologenverband NRW

Peter Silbernagel vom Philologenverband NRW

Dem widerspricht der Philologenverband, in dem sich Gymnasiallehrer organisieren. Die Förderung habe zuletzt eher zugenommen. "In den letzten zwei Jahrzehnten ist die individuelle Förderung sehr stark forciert worden", sagt der NRW-Vorsitzende Peter Silbernagel.

Stand: 12.07.2018, 18:26