Hinweise auf "Planetengiganten" am Rande unseres Sonnensystems

Zwergplanet "2012 VP113"

Forscher finden neuen Zwergplaneten

Hinweise auf "Planetengiganten" am Rande unseres Sonnensystems

Von Tobias Jobke

Astronomen haben zwölf Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt einen Zwergplaneten entdeckt. Sie vermuten, dass er einer von Hunderten ist – und seine Kreise um einen versteckten Planetengiganten ziehen könnte.

Die äußersten Grenzen unseres Sonnensystems sind "bevölkerter" als bisher bekannt. Astronomen haben einen Zwergplaneten entdeckt, der entfernter von der Sonne ist als jedes andere bisher gefundene Objekt. "2012 VP113" kommt der Sonne nie näher als zwölf Milliarden Kilometer – damit ist er rund 80 Mal weiter weg von ihr als die Erde. Laut den Forschern würde man die Sonne von dem neuen Zwergplaneten aus nur als einen etwas helleren Punkt am Himmel wahrnehmen.

Neuer Zwergplanet noch weiter entfernt als "Sedna"

Der Fund, der im britischen Fachjournal "Nature" vorgestellt wurde, revolutioniert das Verständnis unseres Sonnensystems. Bisher hielt der Zwergplanet "Sedna" den Entfernungsrekord, ein eisiger Körper, der bereits im Jahr 2003 entdeckt wurde. Seine Umlaufbahn ähnelt der von 2012 VP113, was die Astronomen zu einem beeindruckenden Schluss kommen lässt: Am Rande des Sonnensystems könnte es einen Planeten geben, dessen Schwerkraft die deutlich kleineren Objekte in ihrer Position hält. Sie vermuten, dass er über eine zehn Mal so große Masse wie die der Erde verfügt und die Sonne in einer derart großen Entfernung umkreist, dass er bislang nie gesehen wurde.

Dunkelheit macht Beobachtung der Objekte fast unmöglich

Sollte diese Theorie stimmen, hätte unser Sonnensystem wieder neun Planeten. Denn seit 2006 festgestellt wurde, dass es sich bei Pluto um einen Zwergplaneten handelt, sind es nur noch acht (Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun). Doch bis der Nachweis erbracht werden kann, müssen noch weitere Objekte in der sogenannten inneren Oort'schen Wolke untersucht werden, wo auch 2012 VP113 seine Bahnen zieht. Das ist für die Astronomen allerdings sehr schwierig, da die Objekte – die Forscher vermuten allein rund 900 mit einem Durchmesser größer als 1.000 Kilometer – so weit entfernt sind. In den hintersten Ecken unseres Sonnensystems ist es aber so dunkel, dass selbst die besten Weltraumteleskope an ihre Grenzen stoßen.

Weitere Neuheit: Kleinplanet mit zwei Ringen

2012 VP113 ist jedoch nicht die einzige Neuentdeckung in unserem Sonnensystem. Forscher am Niels Bohr Institut in Kopenhagen haben den Kleinplaneten "Chariklo" entdeckt, der eine Besonderheit mitbringt: Zwei Ringe aus Eis, wie sie sonst nur von Gasplaneten wie Jupiter oder Saturn bekannt sind. Das ist eher ungewöhnlich, da die Gasplaneten Durchmesser von mehr als 48.000 Kilometern haben, Chariklo aber nur 250 Kilometer breit ist. Für die Astronomen wirft auch diese Entdeckung Fragen auf: Wie alt sind die Ringe und wodurch entstanden sie? Wie bei 2012 VP113 werden die Antworten noch auf sich warten lassen: Ein Teleskop, das bessere Bilder von Chariklo liefern soll, wird gerade noch gebaut.

Redaktion:
Jan Friese

Stand: 27.03.2014, 16:05