Zehn Jahre Rauchverbot in Kneipen

Zehn Jahre Rauchverbot in Kneipen

Rauchen in der Kneipe? Unvorstellbar heute. Vor zehn Jahren , am 1. Juli 2008, trat in NRW als einem der letzten Länder das Rauchverbot in Kneipen und Gaststätten in Kraft.

Zwei Arbeiterinnen stecken sich in einer Werkshalle bei der Arbeit gegenseitig eine Zigarette an (aufgenommen 1985)

Kleine Raucherpause am Arbeitsplatz – früher ganz normal. Es ist cool und gefühlt rauchen alle – überall: in der Bahn oder im Flugzeug, im Kino oder Restaurant, im Büro oder während der Talkshow im Fernsehen.

Kleine Raucherpause am Arbeitsplatz – früher ganz normal. Es ist cool und gefühlt rauchen alle – überall: in der Bahn oder im Flugzeug, im Kino oder Restaurant, im Büro oder während der Talkshow im Fernsehen.

Doch über die Jahre und Jahrzehnte wächst immer mehr das Bewusstsein dafür, dass auch Passivrauchen ein großes Gesundheitsrisiko bedeutet. Außerdem stinkt es. Nichtraucher müssen besser geschützt werden. Doch die Tabakindustrie ist mächtig. Noch 1997 lehnt der Bundestag einen Gesetzentwurf zum Nichtraucherschutz mit deutlicher Mehrheit ab.

Erst 2007 beschließt das Parlament ein Gesetz zum Nichtraucherschutz. In öffentlichen Einrichtungen, Verkehrsmitteln, auf Bahnhöfen ist Rauchen tabu. Das Mindestalter für Zigarettenkauf wird von 16 auf 18 Jahre angehoben. Der Bund überlässt jedoch den Bundesländern, wie sie das Rauchen in Kneipen und Gaststätten regeln.

Jeder regelt es für sich, NRW zieht als eines der letzten Länder nach. Vor zehn Jahren, am 1. Juli 2008, tritt das Rauchverbot in Gaststätten und Kneipen in Kraft. Schon ein halbes Jahr zuvor wird das Nichtraucherschutzgesetz NRW beschlossen.

Ein Aufschrei geht damals durchs Land, Wirte und Gäste gehen auf die Barrikaden. Warum sollen sie Nichtraucher schützen, die sie doch gar nicht haben, argumentieren einige Gaststätten-Besitzer. Ausnahmen sind möglich, wenn es abgetrennte Raucherzimmer gibt. Und so genannte Raucherclubs werden gegründet. Nur wer Mitglied ist, darf zum Qualmen rein.

Und was ist mit der kleinen Eckkneipe? Eine Frage, die die Gemüter bewegt. Es geht um die Existenz. Bedeutet das Rauchverbot das Aus? Das Bundesverfassungsgericht muss über die Klage von drei Wirten entscheiden. Und urteilt pro Raucher. Am 30. Juli 2008 kippt Karlsruhe per Eilantrag das Rauchverbot in Eckkneipen – richtungsweise für alle Bundesländer.

Fünf Jahre darf in NRW dort weiter gequalmt werden – bis 2013. Seitdem gilt hierzulande ein absolutes Rauchverbot für alle Kneipen, Gaststätten, Diskotheken – Raucher müssen ohne Wenn und Aber vor die Tür.

Es ist ruhig um die Raucher geworden. Abschreckung und Verbote, wohin man schaut. NRW hat im Vergleich zu anderen Bundesländern eines der strengsten Nichtraucherschutzgesetze. Woanders wie in Niedersachsen oder Baden-Württemberg gibt es weiterhin Ausnahmen.

Fakt ist: Jeder vierte Deutsche raucht. Aber die Menschen rauchen weniger. Laut Statistischem Bundesamt rauchte in den 70er und 80er Jahren jeder Deutsche durchschnittlich fünfeinhalb Zigaretten pro Tag – 2016 sind es nur noch zweieinhalb Kippen.

Aus dem öffentlichen Raum verbannt – und irgendwie nicht mehr cool. Jugendliche rauchen sogar weniger als je zuvor, vermeldet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. 2001 rauchten noch knapp 30 Prozent der 12- bis 17-Jährigen – 2016 weniger als zehn Prozent.

Stand: 14.06.2018, 16:39 Uhr