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Genial sein reicht nicht immer

Nobelpreis-Medaille

Wie der Nobelpreis funktioniert

Genial sein reicht nicht immer

Wer den Nobelpreis bekommt, bleibt bis zu letzten Minute geheim. Warum andere Kandidaten leer ausgehen, erfahren wir in aller Regel nicht. Doch jetzt hat ein Forscher ein paar Geheimnisse um den Medizinnobelpreis lüften können.

Wer den Medizinnobelpreis bekommt, entscheidet sich in einem mehrstufigen Verfahren. Dabei werden Vorschläge gesammelt, Gutachten geschrieben und immer wieder Kandidaten aussortiert. Alle dabei anfallenden Unterlagen bleiben 50 Jahre lang unter Verschluss. Nur alte Gutachten kann man sich ansehen - und genau das hat ein Wissenschaftler getan.

Geheimnis gelüftet

Nils Hansson forscht am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Uniklinik Köln. Er ist Schwede und promovierter Medizinhistoriker. Damit hat er ideale Voraussetzungen, um die geheimen Akten des Nobelinstitutes zu lesen. Die sind fachlich anspruchsvoll und fast ausschließlich auf Schwedisch verfasst. Hansson ist einer der ersten, der die Unterlagen untersucht. Seine Arbeit zeigt: Genialität ist nicht alleine ausschlaggebend, wenn über den Medizinnobelpreis entschieden wird.

Manchmal ziemlich streng

Der Nobelpreis soll an diejenigen gehen, deren Entdeckungen einzigartig und besonders nützlich sind. So hat es Alfred Nobel in seinem Testament festgelegt. Hansons Forschungsarbeit zeigt, dass diese Kriterien zumindest in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer wieder sehr streng ausgelegt wurden. Harvey Williams Cushing etwa, der Erfinder der modernen Gehirnchirurgie, wurde insgesamt 38 Mal nominiert, war unter Kollegen hoch angesehen – und ging doch leer aus. Das Nobel-Komitee vermisste die geniale Idee. Auch Ferdinand Sauerbruch, dessen Unterdruckkammer das Operieren bei geöffnetem Brustkorb möglich machte, fiel durch. Seine Idee war nicht einzigartig, fanden die Gutachter. Es gab schon im weitesten Sinne ähnliche Maschinen.

Dumme Zufälle und große Politik

Manchmal entgeht der Medizinnobelpreis Wissenschaftlern auch aus ganz anderen Gründen. Das zeigt ein Beispiel aus dem Jahr 1916. Im Ersten Weltkrieg verletzte Soldaten sollten damals wieder fit gemacht werden, unter anderem in Gustaf Zanders medico-mechanischen Instituten. Sie waren sozusagen die ersten Fitness-Studios und ein echter Welterfolg. Zanders Glück: er traf den Zeitgeist, hatte als Schwede gute Kontakte zum Komitee und damit den Nobelpreis schon fast in der Tasche. Sein Pech: wegen des Krieges fiel die Vergabe des Nobelpreises 1916 aus. Danach spielte Zander keine Rolle mehr. Er starb, ohne die Auszeichnung zu bekommen. Auch der Tod ist übrigens ein Ausschlusskriterium. Der Nobelpreis darf nur Lebenden zugesprochen werden.

Redaktion:
Monika Kunze

Stand: 02.10.2015, 15:09