Guten Morgen, hier ist dein Wecker!

Eine junge Frau erwacht und drückt einen Wecker neben dem Bett aus.

Guten Morgen, hier ist dein Wecker!

Von Petra Thiele

Einfach aufstehen war gestern: Heutzutage wird der Übergang vom Bett zum Frühstückstisch zu einem dynamischen oder auch spirituellen Ereignis - natürlich nur mit dem richtigen Wecker.

Schlafforscher teilen die Menschheit in zwei Tiere ein: Die "Eulen" unter uns brauchen morgens meist das Wecker-Modell Holzhammer zum Wachwerden. Den "Lerchen" reicht oft ein leiser Alarmton oder sogar die preisgünstige innere Uhr. Wecker-Hersteller hofieren beide Schlaftypen mit verspielter Technik, stimulierenden Effekten und exotischen Klangwelten. Simples Aufstehen wird mit dem richtigen Wecker zum Happening. Schlafforscher sehen in manchen neuen Alarmsignalen durchaus gute Ansätze.

Lichtwecker sollen Schlafhormon reduzieren

Lichtwecker werden immer populärer. Im Prinzip versuchen die Halogen- oder LED-Leuchten das Licht einer aufgehenden Sonne zu simulieren. Die Helligkeit im Zimmer soll dann im Körper das Schlafhormon Melatonin senken. Der Schlafforscher Dr. Hans-Günter Weeß vom Pfalzklinikum in Klingenmünster findet dieses Wecksystem hilfreich. Allerdings nur, wenn es sich dabei um qualitativ hochwertiges Licht mit einer Intensität von 5.000 Lux, besser noch von 10.000 Lux handelt. Diese Beleuchtungsstärke haben bislang nur Licht-Therapie-Geräte. Handelsübliche Lichtwecker liefern 200 bis 300 Lux. Viele Hersteller machen überhaupt keine Angaben.

Zusätzliche Naturgeräusche

Viele Lichtwecker bieten ergänzend zur Beleuchtung Naturgeräusche an. Einige haben auch ein Radio eingebaut. Bei den Geräuschen handelt es sich meist um Vogelgezwitscher, Meeresrauschen, Zikadenzirpen oder Kaminfeuer-Knistern. Im Angebot sind aber auch quakende Frösche, Regenschauer und ein asiatischer Holzgong. Natürlich sollten solche Klänge beim Aufwachen für positive Gefühle sorgen und entsprechend ausgewählt werden. Das Geräusch eines fließenden Bachs könnte beispielsweise bei Schläfern, die nicht an Gewässern wohnen, die Blase ansprechen…

Schlafphasen-Wecker mit Sensoren am Arm

Schlafphasen-Wecker sollen den Schläfer erst dann wecken, wenn er sich in einer Leichtschlafphase befindet. Dazu trägt er beispielsweise ein Armband am Handgelenk. Der Funksensor im Band meldet Bewegungen an den Wecker. Vor dem Einschlafen muss ein Zeitfenster von 30 Minuten programmiert werden, innerhalb dieser Zeit soll der Sensor dann die Schlafphasen prüfen und Bewegungen an den Wecker funken. Das Prinzip "Wecken zu einem physiologisch günstigen Zeitpunkt" beurteilt der Schlafforscher Dr. Hans-Günter Weeß grundsätzlich positiv. Allerdings: Nach Tests in seinem interdisziplinären Schlafzentrum im Pfalzklinikum erkennt die teure Spezial-Software die Schlafphasen nur in 70 Prozent der Fälle korrekt. Deshalb bezweifelt der Experte die Genauigkeit einer Wecker-Schlafphasen-Software.

Laut und rüttelnd

Etliche Hersteller haben extra laute Wecker im Angebot. Ihr Weckton erreicht maximal 113 Dezibel. Das entspricht der Lautstärke eines startenden Düsenjets in rund 100 Meter Entfernung. (Die Schmerzgrenze liegt bei 120 bis 140 Dezibel.) Im Schlafzentrum des Pfalzklinikums brauchen jüngere Patienten meist einen höheren Geräuschpegel als ältere, um wach zu werden. Trotzdem hält Hans-Günter Weeß 113 Dezibel in den seltensten Fällen für wirklich notwendig. Ganz davon abgesehen, dass so auch alle Nachbarn geweckt werden. Wer Angst hat zu verschlafen, kann alternativ zu einem Vibrationswecker greifen. Diesen gibt es als Manschette für das Handgelenk oder er kann unter Kopfkissen oder Matratze gelegt werden.

Action-Wecker

Action-Wecker rollen los, fliegen hoch oder wollen an die Wand geworfen werden. Das Prinzip ist bei allen Action-Weckern gleich: Der Besitzer muss sich bewegen, um den Alarmton auszuschalten. Entweder muss er aufstehen, um den Rollwecker aus einer Ecke zu holen oder die Rakete wieder auf die Startrampe zu stellen; oder der Aufgewachte muss seine Feinmotorik und Konzentration bemühen, um beispielsweise einen Dart-Pfeil zu platzieren.

Soundsysteme, Smartphone-Docks, MP3-Wecker

Da mittlerweile sehr viele Menschen morgens die Weckfunktion des Handys (oder eine Wecker-App) nutzen, hat der Handel mit entsprechenden Lautsprecher-Ladestationen reagiert. Das Sortiment reicht von nachttischtauglichen Docks bis zu kompletten Musikanlagen. Manche Männer mögen auch kleine MP3-Wecker, wobei auch viele andere Wecker-Modelle einen MP3-Anschluss haben.

Strahlenbelastung

Elektromagnetische Strahlungen (besonders durch Fernseher) sollten im Schlafzimmer vermieden werden, betont Schlafforscher Hans-Günter Weeß. Ein negativer Einfluss von elektrischen Weckern lasse sich aber nicht belegen. Trotzdem rät der Experte grundsätzlich zu einem gewissen Abstand zwischen elektrischem Wecker und Schläfer. Manche Verbraucher wählen ganz bewusst Modelle mit Batteriebetrieb. Wecker mit Funkuhren gelten allgemein als unbedenklich, da sie nur Signale empfangen. Bei einigen Mobiltelefonen funktioniert der Wecker auch, wenn das Gerät ausgeschaltet ist oder sich im Flugmodus befindet.

Redaktion:
Joachim Hecker

Stand: 10.03.2014, 16:05

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