100 Neuanfänge: Vom Urknall bis zur neuen Liebe

100 Neuanfänge: Vom Urknall bis zur neuen Liebe

Eine Nacht und einen Tag lang lesenden Prominenten im WDR-Funkhaus lauschen, das können Hörerinnen und Hörer nur einmal im Jahr: beim WDR 5 Literaturmarathon. 2018 begeistern 100 Bücher vom Neubeginn, vom Urknall bis zur neuen Liebe. Immer wieder aufs Neue.

Heikko Deutschmann liest beim Literaturmarathon 2018

Schauspieler Heikko Deutschmann macht den Anfang beim diesjährigen Literaturmarathon mit Robert Menasses Erzählung "Ich kann jeder sagen".

Schauspieler Heikko Deutschmann macht den Anfang beim diesjährigen Literaturmarathon mit Robert Menasses Erzählung "Ich kann jeder sagen".

Die Leitung steht: Der Literaturmarathon wird nicht nur im Radio auf WDR 5 übertragen, sondern auch als Audio- und Videolivestream bei wdr5.de in die Welt gesendet. Wer's nicht ins Kölner Funkhaus geschafft hat, kann so die 24-Stunden-Lesung entspannt am Radio oder Computer daheim verfolgen.

Aber live vor Ort im Funkhaus ist's doch am schönsten: Schon vor Beginn des Literaturmarathons am Freitagabend (09.03.2018) haben sich die ersten Zuschauer vor dem Kölner Funkhaus eingefunden.

Und während die einen schon ihr Nachtlager im Foyer des Funkhauses aufschlagen ...

... bildet sich schnell eine lange Schlange vor dem kleinen Sendesaal. Denn der Saal ist klein und die Plätze begehrt. Hier lesen Prominente 24 Stunden lang vom Neubeginn.

WDR-Moderatorin Asli Sevindim sorgt gleich für einen doppelten Neubeginn. Sie liest "Aufbruch zu den Wörtern" von Angelika Liebsch - und damit das Werk einer Hörerin.

Denn erstmals werden in diesem Jahr auch von unseren Hörerinnen und Hören selbstgeschriebene Kurzgeschichten vom Aufbrechen vorgetragen, Gedichte vom Neu-Durchstarten oder Essays vom Wiederanfangen. 180 Vorschläge sind eingegangen - acht haben es in den Literaturmarathon geschafft.

Wer keinen Platz im Sendesaal gefunden hat, kann im Foyer des Funkhauses die Werke unserer Illustratoren bewundern: Welche Bilder entstehen beim Hören von Geschichten? Markus Spang, Caryad, Horst Klein, Cathleen Heimes, Timo Grubing und Birgit Jansen zeichnen während der Lesungen kleine Kunstwerke.

Diese sinnliche Szene hat Illustratorin Cathleen Heimes zu "American Gods" von Neil Gaiman zu Papier gebracht.

Auch einige Zuschauer lassen im Funkhaus ihrer Kreativität freien Lauf. Was hier wohl gerade entsteht? In 24 Stunden werden wir's vermutlich genauer wissen.

Die Kaffeebar ist (natürlich) rund um die Uhr besetzt. Wer auch in der Nacht allen Lesungen folgen möchte, kann sich hier mit dem nötigen Wachmacher versorgen.

Wachbleiben lohnt sich: Um kurz vor 1 Uhr trägt Poetry-Slammer Quichotte seinen Text "Der Soldat" vor.

Ebenfalls in der Nacht liest Sabine Postel "Das dreißigste Jahr" von Ingeborg Bachmann und "Secondhand-Zeit: Leben auf den Trümmern des Sozialismus" von Swetlana Alexijewitsch.

Auch ins Foyer des Funkhauses werden die Lesungen aus dem kleinen Sendesaal übertragen. Wem die Stühle im Sendesaal mit der Zeit zu unbequem geworden sind, kann hier die Lesungen ganz entspannt in der Horizontalen verfolgen.

Am frühen Morgen liest Stefko Hanushevsky "Der Knacks" von Roger Willemsen und "Die Herrlichkeit des Lebens" von Michael Kupfmüller.

Morgenstimmung im Foyer des Funkhauses: Chillen im Schlafsack und dabei den Lesenden lauschen.

Schauspieler Guido Lambrecht trägt die feine Ironie in Dieter Moors "Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht" mit wunderbarer Leichtigkeit vor.

Und immer wieder Musik: melodiöser Folk-Pop von der Band "Hello Piedpiper" um den Kölner Songwriter Fabio Bacchet.

Plausch mit Moderator Mike Litt, großer Fan des WDR 5 Literaturmarathons. Hörerin Ruth Gurk hat das Buch "Die Schachspielerin" von Bertina Henrichs vorgeschlagen. Und tatsächlich - es wurde ausgewählt.

Im Foyer kann man in den vorgelesenen Büchern schmökern...

...oder ein kleines Picknick einnehmen.

Zum langsamen Wachwerden: verträumter Folk-Rock mit psychedelischen Einschlägen von Suzan Köcher und ihrer Band.

WDR-Moderatorin Sabine Heinrich ist ganz fasziniert von dem Ausschnitt der Geschichte, die sie vorliest: "Liebe ist kein Gefühl" von Thomas Dellenbusch. Das Buch muss sie unbedingt haben, verrät sie, um zu erfahren, wie es weitergeht.

Was für eine Erscheinung: die Zucchini Sistaz entführen das Publikum in die goldene Swing-Ära. Ihr Outfit, von Kopf bis Fuß abgestimmt. Dazu wunderbarer Gesang, perfekte Performance - was für ein Auftritt.

Ist es ihre Ausstrahlung oder die Stimme? Vielleicht beides. Jedenfalls hat Laura Maire schon zweimal den Deutschen Hörbuchpreis bekommen. Bei WDR 5 liest sie unter anderem aus Kristine Bilkaus "Die Glücklichen" - ein Roman über ein junges Paar, das Eltern wird und den Druck der Arbeitswelt und Gesellschaft zunehmend spürt.

Die Hörerinnen und Hörer sind gebannt, im kleinen Sendesaal herrscht eine fast andächtige Stimmung.

Wer könnte sich besser der "Mutter aller Neuanfänge" - dem Urknall - widmen als WDR-Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar. Er liest einen Text, den Hörer Günter Vollmer verfasst hat: "Das Nichts, die Langeweile und der Urknall". Warum der Urknall? Nichts habe ihn so beschäftigt und auch geärgert, sagt Vollmer - und hat seine eigene Geschichte dazu gemacht.

Sichtlich begeistert ist Kriminalbiologe Mark Benecke - dabei liest er aus dem düsteren Kriminal-Epos von Don Winslow, von Drogen, Mord und Menschenhandel. Benecke ist zum ersten Mal bei der langen Nacht der 100 Bücher dabei. Beeindruckt hat ihn, erzählt er, neben Sprecherin Laura Maire zu sitzen, die dem Wildlings-Mädchen in "Game of Thrones" ihre Stimme leiht.

Kinderstunde beim WDR 5 Literaturmarathon: Johanna Schönfelder und Tom Schippmann bereiten sich hinter den Kulissen auf ihre Lesung vor. Und wie groß ist die Aufregung auf einer Skala von eins bis zehn? "Acht", meint Johanna. Und Tom - nach außen hin völlig cool - sagt: "Elf". Von Nervosität war auf der Bühne aber nichts zu spüren - souveräner Auftritt.

Buchliebhaberin Christine Westermann fesselt die Hörerinnen und Hörer zu späterer Stunde mit Krimi-Stoff, der es in sich hat: Henning Mankells "Die falsche Fährte". Kurt Wallander jagt einen Serienkiller. Herzklopfen und Atemanhalten im Sendesaal.

Gebanntes Zuhören - die Besucher sind auch in diesem Jahr wieder begeistert von der Veranstaltung. "Manchmal ist es Zeit Danke zu sagen - deswegen ein Danke an alle, die an dem Litmarathon mitwirken", so der Kommentar eines WDR 5-Hörers.

Ein großes Team arbeitet im Hintergrund, um den Literaturmarathon auf die Beine zu stellen und zu übertragen. Und im nächsten Jahr geht es natürlich weiter: am 22. und 23. März 2019 mit 100 Büchern vom Leben. Wir sind gespannt auf Ihren liebsten Buchbegleiter.

Stand: 10.03.2018, 21:43 Uhr