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Tierische Geschmackssache

Vögel Kaiserpinguine, stehend auf Schnee in der Antarktis

Forscher erkunden Geschmackssinne von Pinguin und Co

Tierische Geschmackssache

Von Anne Preger

Pinguine schmecken wohl nur Salziges und Saures. Das schließen Forscher aus Pinguin-Genen. Der Sinn für Süßes fehlt auch vielen anderen Tieren. Die gefiederte Ausnahme ist selbst sehr süß.

Pinguine haben etwas mit Delphinen gemeinsam: Sie schmecken wahrscheinlich weder Süßes, noch Bitteres, noch Herzhaftes. Das vermuten Forscher aus den USA und China in der Fachzeitschrift "Current Biology". Sie haben das Erbgut von Pinguinen untersucht und festgestellt: Die Vögel haben nur den Bauplan für zwei Geschmackssensoren: für salzig und für sauer.

Von wegen sinnlicher Genuss

Pinguine brauchen vielleicht auch nur wenig Geschmackssinn – sie schlingen Fische direkt am Stück runter. Auf ihrer Zunge fanden Forscher keine Geschmacksknospen, sondern eher Widerhaken, damit sie lebendige Fische festhalten und dann schlucken können.
Die Forscher aus China und den USA haben aber noch eine weitere Theorie: Ursprünglich haben sich Pinguine in der Antarktis entwickelt. In der antarktischen Kälte funktionieren die Geschmackssinne für Süßes, Salziges und Herzhaftes schlecht oder gar nicht. Auch das könnte ein Grund sein, weswegen bei den Pinguinen im Laufe der Evolution, der Sinn für Herzhaftes verloren gegangen ist, obwohl ihre Beute durchaus herzhaft ist.

Süße Ausnahme

Ein Kolibri saugt Nektar an einer Blume

Seit einigen Jahren kennen Forscher die Gene, die als Bauplan für Geschmackssensoren dienen. Nach und nach durchforsten Genetiker jetzt das Erbgut diverser Tiere, welche Baupläne für Sensoren sie finden. Daraus schließen sie auf die Geschmacksfähigkeiten. Das klappt aber nicht in jedem Fall.
Kolibris bilden eine süße Ausnahme. Wie bislang allen untersuchten Vögeln fehlt auch den Kolibris der Bauplan für den Süße-Geschmackssensor. Trotzdem schmecken Kolibris nachweislich, welcher Blüten-Nektar süßer ist als andere. Im Sommer 2014 löste ein internationales Forscherteam das Rätsel: Bei diesen Nektarfressern hat anscheinend der Sensor für Herzhaftes auch die Wahrnehmung von Süßem übernommen.

Naschkatze?

Auch jenseits der Vogelwelt legen viele Tiere keinen Wert auf Süßes. So sind Katzen keine Naschkatzen, ebenso wenig wie Seehunde, Seelöwen oder Tüpfelhyänen. Diesen und anderen Fleischfressern fehlt der Bauplan für den Süß-Sensor. Allesfresser wie Menschen brauchen dagegen einen kompletten Geschmackskompass mit fünf Geschmacksrichtungen, damit sie nichts Verdorbenes oder Giftiges essen.

Pferde-Feinschmecker

Das ist auch für Pferde wichtig. Sie fressen naturgemäß hunderte verschiedene Pflanzenarten. Statt einem Pflanzenbestimmungsbuch muss Pferden ihre Zunge reichen, um nichts Giftiges zu fressen. Sie haben deswegen besonders viele Geschmacksknospen auf ihrer Zunge. Das gilt aber nicht für alle Pflanzenfresser.

Pandas ernähren sich einseitig von Bambus. Pandas können Herzhaftes nicht schmecken. Diese Geschmacksrichtung kommt durch Eiweiße zustande. Bambus ist hingegen eher kohlenhydratreich.

Redaktion:
Joachim Hecker

Stand: 17.02.2015, 16:05