Wald, Wohnen, Frieden: Warum es uns immer besser geht

Wald, Wohnen, Frieden: Warum es uns immer besser geht

Der Mensch behält das Schöne in Erinnerung und glaubt deshalb, dass früher alles besser war. Das Gegenteil ist oft der Fall, sagt Autor Guido Mingels – wenn man Entwicklungen über einen langen Zeitraum betrachtet. Ein paar Beispiele, die zeigen, dass es uns immer besser geht.

Sonnenlicht fällt durch einen Buchenwald

Der deutsche Wald ist gewachsen. Und zwar um die Größe Jamaikas. Von wegen Waldsterben. Heute gibt es 11,4 Millionen Hektar Wald in Deutschland – eine Million mehr als im Jahr 1970 . Entscheidend für diese positve Betrachtung sei, sagt Mingels, Entwicklungen über einen langen Zeitraum zu betrachten und nicht nur auf die letzten Jahre zu gucken. Diverse Beispiele dafür hat der Journalist und Autor in seinem Buch "Früher war alles schlechter" recherchiert.

Der deutsche Wald ist gewachsen. Und zwar um die Größe Jamaikas. Von wegen Waldsterben. Heute gibt es 11,4 Millionen Hektar Wald in Deutschland – eine Million mehr als im Jahr 1970 . Entscheidend für diese positve Betrachtung sei, sagt Mingels, Entwicklungen über einen langen Zeitraum zu betrachten und nicht nur auf die letzten Jahre zu gucken. Diverse Beispiele dafür hat der Journalist und Autor in seinem Buch "Früher war alles schlechter" recherchiert.

Ein Zimmer mehr für jeden Deutschen: 1972 standen jedem Einwohner in Deutschland durchschnittlich 26,4 Quadratmeter als Wohnfläche zur Verfügung. 2014 waren es bereits 46,6 Quadratmeter – 20 Quadratmeter mehr, fast das Doppelte, oder ein Zimmer mehr für jeden.

Rauchen ist nicht mehr cool. In den 70er und 80er Jahren rauchte jeder Deutsche durchschnittlich fünfeinhalb Kippen pro Tag. 2016 waren es nur noch zweieinhalb.

Es gibt deutlich weniger Verkehrstote, die durch Einfluss von Alkohol am Steuer sterben. 1975 waren es in Deutschland 3641 Menschen – 2016 dagegen 225. Das ist ein Rückgang um fast 94 Prozent. Insgesamt ist die Zahl der Verkehrstoten auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Statistik. Promillegrenze, Gurttragepflicht, Tempolimit, bessere Fahrzeugtechnik – alles Entwicklungen, die dazu beigetragen haben.

Die Welt ist friedlicher geworden – auch wenn der Eindruck überwiegt, dass sie im Krieg versinkt. Der Grund für diese Annahme sei unter anderem, meint Mingels, dass es heute eine größere mediale Sichtbarkeit für Krieg und Katastrophen gibt als in den Jahrzehnten zuvor. Zählt man die Kriegstoten, sei es nie friedlicher auf der Welt als im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends. Während nach dem Zweiten Weltkrieg, Ende der 1940er Jahre, weltweit 20 von 100.000 Menschen in Kriegen starben, sind es heute zwei von 100.000.

Die Reichen werden reicher, aber die Armen auch weniger arm: 1970 lebten 2,2 Milliarden Menschen in absoluter Armut, das waren 60 Prozent der Weltbevölkerung. 2011 waren es 990 Millionen Menschen und damit rund 14 Prozent der Weltbevölkerung. Absolute Armut bedeutet, dass ein Mensch sich die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse nicht leisten kann. Die Weltbank definiert einen Menschen als extrem arm, wenn ihm pro Tag weniger als 1,90 US-Dollar zur Verfügung stehen.

Weniger Analphabeten: Vier von fünf Menschen auf der Welt können heute lesen und schreiben. Die Zahl der Analphabeten ist weltweit von 870 Millionen Erwachsenen (1990) auf heute 750 Millionen zurückgegangen.

Weniger Banküberfälle: Im Jahr 1993 wurden in Deutschland 1624 Banken oder Postfilialen ausgeraubt – das war achtmal so oft wie im Jahr 2015.

Ablehnung der Todesstrafe: 1987 hatten 69 Staaten die Todesstrafe verboten. Bis 2017 wurde sie in 142 Ländern und damit in zwei Drittel aller Staaten abgeschafft.

Und dann noch das: Wie weit gefühlte Wahrheit und Realität auseinander klaffen, zeigt eine Umfrage aus den USA. "Das Leben in Amerika ist heute schlechter als vor 50 Jahren" – nur 19 Prozent der Anhänger von Hillary Clinton stimmten dem Satz zu, aber 81 Prozent der Trump-Anhänger. Interessant wäre, wie solch eine Umfrage in Deutschland ausgehen würde.

Quellen der aufgezeigten Zahlen und Fakten: Guido Mingels "Früher war alles schlechter" (Spiegel-Buchverlag 2018); Bundeswaldinventur; Statistisches Bundesamt; Weltbank; PRIO Battle Deaths Dataset; Polizeiliche Kriminalstatistik; Unesco; Amnesty International; PEW Research Center

Stand: 04.06.2018, 11:08 Uhr