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Bilder voller Energie

Verschwommenes schwarz-weiß Bild eines Männergesichts

Kamera versorgt sich selbst mit Strom

Bilder voller Energie

Von Anne Preger

Licht, das in ein Objektiv fällt, lässt sich nutzen: um Bilder zu machen und um Strom zu erzeugen. US-Forscher kombinieren beides in einer neuen Videokamera. Sie kommt so dauerhaft ohne Batterie aus.

Im Grunde haben die Forscher um Shree K. Nayar an der Universität Columbia ein Solarpanel entwickelt, das auch Fotos machen kann. Kernstück ihrer Entwicklung ist ein Bildsensor, auf dem jeder Bildpunkt zwei Jobs hat – Strom erzeugen und die Intensität des einfallenden Lichts messen. Letzteres bildet die Grundlage für Fotos und Videoaufnahmen.

Von wegen Megapixel

Während handelsübliche Digitalkameras inzwischen meist mehr als 20 Millionen Bildpunkte mitbringen und Smartphones mit 13 Millionen Pixeln angeben, ist die neue Photovoltaik-Kamera noch deutlich bescheidener. Sie verfügt über gerade einmal 30 mal 40 Pixel. Im Videomodus schalten diese 1200 Bildpunkte zwischen Foto und Stromerzeugung hin und her. So entsteht ein Video mit einem Bild pro Sekunde. Das ruckelt deutlich; Filme in herkömmlichen Kameras werden mit 25 Bildern pro Sekunde aufgenommen.

Schwarzes Kameragehäuse mit Linse

Kommt ohne Ladekabel oder Batterie aus

Unbegrenzte Einsatzdauer

Auch wenn der Prototyp aus Harvard noch bescheiden in der Bildqualität ist und etwas klobig in der Ausführung – die Idee ist bestechend: Für eine Kamera, die kein Ladekabel und keine Batterien braucht, sind viele Einsatzorte und –situationen denkbar. Entscheidend ist allerdings, dass der Ort hell genug ist. Dem Prototypen aus Harvard reichen 300 Lux. Das entspricht einem gut beleuchteten Innenraum. Dann läuft die Kamera theoretisch unbegrenzt, ohne dass ihr die Energie ausgeht.

Bildsensor, Größe ca 2 mal 3 cm mit 1200 Pixeln

Erzeugt Fotos und Strom

Vom Stromfresser zum Stromlieferanten?

Falls diese Technologie konsequent weiter entwickelt wird, könnten sich die Kameras in Smartphones oder Tablets in Zukunft vom Stromfresser zum Stromlieferanten mausern. Auch Smartwatches könnten sich mithilfe der eingebauten Kamera beim Tragen am Handgelenk aufladen. Die Columbia-Forscher zitieren Hochrechnungen, nach denen allein 2014 weltweit rund zwei Milliarden Kameras und Geräte mit eingebauter Kamera verkauft wurden. Die Wissenschaftler sehen dementsprechend einen riesigen Markt für ihre Photovoltaik-Kamera.

Redaktion:
Michael Stein

Stand: 15.04.2015, 16:05