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So ein Zirkus!

So ein Zirkus!

Von Claudia Friedrich

Der Schweizer National-Circus Knie ist eine Institution. Über viele Generationen hält die Familie Knie die Zügel in der Hand, im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Pferdenummern sind legendär. Dabei begann alles mit einem Seil unter freiem Himmel.

Seit Generationen tourt der Schweizer National-Circus Knie als Familienunternehmen durch Europa - mit Tieren, Zelt und Zirkuswagen.

Für Fredy Knie junior ist Zirkus eine Sache der Leidenschaft: "Ich bin im Zirkus geboren. Als Vierjähriger hatte ich meinen ersten Auftritt. Ich wollte nichts anderes als Zirkus machen. Die Leidenschaft haben meine Tochter und meine Enkel geerbt."

Rolf Knie zählt zur sechsten Generation der Knie-Dynastie und arbeitet heute vor allem als Kunstmaler. Seine häufigsten Motive sind Szenen aus dem Zirkus: "Seit meiner Geburt suche ich mich und bin immer noch auf der Suche. Zum Glück überrasche ich mich selbst immer wieder." Sein Vater Fredy war für ihn ein Visionär.

Seiner Familie widmet Rolf Knie ein Musical. Alexander Klaws (am Klavier) verkörpert den Urvater der Dynastie, geboren 1784. In Innsbruck schmiss Friedrich Knie sein Medizinstudium und schloss sich einer fahrenden Zirkustruppe an.

2019 feiert das Musical 100 Jahre Schweizer National Circus Knie. Unter dem Titel gab die Knie-Truppe am 1. Juni 1919 ihre erste Vorstellung neben der Reithalle in Bern.

Stammesvater Friedrich Knie, seine Kinder und Kindeskinder unterhielten ihr Publikum auf dem Seil unter freiem Himmel. Die Arena Knie feierte Erfolge in Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Im nationalsozialistischen Deutschland präsentierte Fredy Knie senior eine Pferdenummer, umging ein Treffen mit Reichskanzler Hitler und floh samt Pferden im Bombenhagel aus Berlin.

"Wer keine Geduld hat, sollte die Finger von den Pferden lassen." Für Fredy Knie bedeutet Dressur Einfühlung. "Wir arbeiten eng mit dem Schweizer Tierschutz zusammen." Unter seiner Regie agieren 36 Pferde in der runden Manege.

Die Schweizerin Anna Maria Enk ist Opernsängerin und Supervisorin: "In der Schule gab es stets die einen, die Fredy Knie mehr mochten, und die anderen, die auf seinen Bruder Rolf standen. Die Dose bekam ich von einem Rolf-Fan. Sie trägt Tiergemälde von Rolf Knie."

"Ich persönlich finde es gut, wenn die Tiere aus der Manege verschwinden", sagt Zirkusforscherin Franziska Trapp. "Aber ich habe ein Problem damit, wenn einerseits der Zirkus als tierverachtend stigmatisiert wird und andererseits bedenkenlos Billigfleisch gekauft wird."

Im Musical geben sich die Menschen tierisch. Bereits der Gründer Friedrich Knie führte nicht nur Hoch- und Schlappseile mit sich, sondern auch dressierte Pferde.

Flic Flac, der Hardrocker unter den Zirkussen, ist zu Besuch bei Circus Knie. Stahlrösser treffen auf Pferdestärken, und die Hochseilartisten verlangen Nerven wie Drahtseile.

Stand: 20.12.2019, 11:58 Uhr