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WLAN: "Schluss mit den Insellösungen"

Unitymedia Router

WLAN: "Schluss mit den Insellösungen"

Von Jörg Schieb

Das BGH hat entschieden: Unitymedia darf die Router der Kunden auch ohne deren Zustimmung für den Aufbau eines teil-öffentlichen WLAN-Netzwerkes nutzen. Die Idee sei aber noch zu klein gedacht, kommentiert Jörg Schieb.

Der BGH hat ein klares Urteil gefällt: Unitymedia darf die Router, die bei den Kunden zu Hause stehen, für den Aufbau eines teil-öffentlichen WLAN-Netzwerks nutzen - und zwar ohne ausdrückliches Einverständnis der Kunden.

WLAN: "Schluss mit den Insellösungen"

WDR 5 Quarks - Wissenschaft und mehr 25.04.2019 02:41 Min. Verfügbar bis 24.04.2024 WDR 5

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Die Kunden haben die Möglichkeit zu widersprechen. Das reicht, sagen die Richter. Von einer "unzumutbaren Belästigung" könne keine Rede sein.

Die Verbraucherzentrale NRW hatte geklagt, weil Unitymedia seine Kunden nicht fragt, ob sie den Router nutzen dürfen, sondern es einfach macht – es sei denn, der Kunde widerspricht. Eine ausdrückliche Zustimmung, wie die Verbraucherschützer fordern, wäre natürlich deutlich eleganter. Würde aber wohl bedeuten, dass nur ein Bruchteil der Nutzer mitmachen würde.

Unitymedia hätte das sicher eleganter lösen können. Transparenter. Besser informieren müssen. Ich kann trotzdem verstehen, dass sich der Konzern für die Widerspruchslösung entschieden hat. Mal machen, statt vorher monatelang zu diskutieren. So entsteht einfach ein besseres und vor allem größeren WLAN-Netzwerk. Und weil es den Kunden weder Bandbreite kostet, noch die Sicherheit gefährdet, ist das für mich und vielleicht auch für den einen oder anderen Kunden weitgehend auch okay.

Allerdings zu klein gedacht, meine ich. Viel besser wäre es natürlich, wenn man die Sache viel größer denken würde. Wenn alle Provider bei dem Projekt mitmachen würden – und so möglichst viele Kunden ihren WLAN-Hotspot zur Verfügung stellen. Überall einloggen können und schnell im Netz sein – mein Traum.

Das wäre doch mal ein Projekt: Wir machen Deutschland zu einem WLAN-Wunderland. Überall WLAN. Kostenlos. Schnell. Zuverlässig. Sicher.

Die Regierung könnte diesen Gedanken fördern. Mit Steuermitteln. Und indem die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Haftungsausschluss für öffentliche WLAN-Hotspots. Und indem die Provider zur Zusammenarbeit motiviert, ja vielleicht sogar verpflichtet werden. Ein Unitymedia-Kunde müsste sich auch bei Telekom oder O2 einloggen können zum Beispiel.

Schluss also mit den Insellösungen von Unitymedia, Telekom und Co., von denen immer nur die jeweils eigenen Kunden etwas haben. An die Gemeinschaft denken – und die Informationsgesellschaft voranbringen. Das wäre doch mal eine Herausforderung.

Das würde uns schlagartig ein solides WLAN-Netz in Deutschland bringen. Auch ohne 5G. Wie wäre das, liebe Politiker in Berlin? Der BGH hat heute eine Entscheidung gefällt, die diese Idee unterstützt.

Redaktion: Jan Friese

Stand: 25.04.2019, 13:11