Kommentar: Laschets unverständliches Schwänzen

Drei Herren im Anzug an drei Pulten mit Mikros, vor ihnen viele Journalisten mit Mikros und Kameras

Kommentar: Laschets unverständliches Schwänzen

Von Stefan Lauscher

In Düsseldorf stellen sich am Mittwoch (28.11.2018) die Bewerber um den CDU-Parteivorsitz den Mitgliedern. Ministerpräsident und CDU-Landeschef Armin Laschet kommt nicht zu dem Termin. Ein Kommentar.

Es wird die größte Parteiveranstaltung der CDU in Nordrhein-Westfalen, nicht nur in diesem Jahr, sondern wahrscheinlich für die gesamte Dekade. 4.000 Parteimitglieder wollen dabei sein, wenn sich die Kandidaten für die Merkel-Nachfolge präsentieren. Die CDU ist im Aufbruch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Die Partei hat plötzlich wieder Lust auf das Diskutieren. Und was macht der Chef? Der ist einfach mal nicht da.

Wie eine Aktionärsversammlung ohne Chef

Das ist ungefähr so wie eine Mitgliederversammlung beim FC Bayern ohne Uli Hoeneß. Oder die Aktionärsversammlung bei VW ohne den Vorstandsvorsitzenden. Was treibt Armin Laschet da?

Er nimmt "Termine" wahr, heißt es in der CDU-Zentrale. Lange zugesagte. Spricht bei der Wiedereröffnung des Bergbaumuseums in Bochum. Und anschließend bei der Initiative "Herausforderung Zukunft" des umstrittenen Promi-Beraters Sascha Hellen.

Vorgeschobene Terminlage

Spitzen-Politiker sind in aller der Regel nicht zimperlich beim Absagen von Terminen. Oder sie schicken ihre Stellvertreter. Alles also unaufschiebbar? Sorry, das glaube ich nicht. Armin Laschet wäre wohl selbst gerne Parteichef und Kanzlerkandidat der CDU geworden. Verstehe ich! Und dass sich die NRW-CDU nicht festlegen kann auf Merz oder Spahn, wenn zwei Kandidaten aus NRW kommen. Verstehe ich auch! Aber einfach nicht da sein? Die größte Parteiveranstaltung seit Jahren ohne den Landes-Chef?

Halbzeit im Rennen um den CDU-Vorsitz

WDR 5 Morgenecho - Interview | 24.11.2018 | 06:26 Min.

Download

Laschet schwänzt nicht nur, er kneift

Nur weil der vielleicht Angst hat, dass Kameras einfangen könnten, wie häufig er Spahn, wie lange er Merz oder wie herzlich er Kramp-Karrenbauer applaudiert? Das verstehe ich nicht. Wer Chef sein will, muss auch als Chef präsent sein. Bei allen bisherigen Regionalkonferenzen haben natürlich die jeweiligen Landesvorsitzenden gesprochen. Aber Armin Laschet kneift!

Redaktioneller Hinweis

Armin Laschet hat sich - nach Veröffentlichung des Kommentars - doch zur Teilnahme an der Regionalkonferenz entschieden.

Stand: 27.11.2018, 16:46